Hand - ein rührendes Bild - ganz allein stehen . - Uebrigens scheint mir Herr Stein doch übel genommen zu haben , daß ich seinen Liebling in diese Gefahr brachte . Wenigstens ist er heute Morgen nicht auf der Promenade erschienen , bei Tische sehr einsilbig gewesen und hat die Literaturstunde , die er mir wöchentlich zweimal giebt , absagen lassen , » weil er Kopfschmerz habe , « was ihn freilich , wie ich von meiner Stube aus beobachten kann , nicht hindert , in der glühenden Nachmittagssonne draußen im Garten mit unbedecktem Haupt eine halbe Stunde lang , die Arme untereinander geschlagen , auf einem Fleck zu stehen und in das Wasserbecken eines Brunnens zu starren , von dem eine Najade aus Sandstein lächelnd auf ihn herabschaut - es ist ein wunderlicher Heiliger . Zweiundvierzigstes Capitel Es war an dem Abend desselben Tages , an welchem Helene von ihrem Schreibtische aus Oswald am Brunnen der Najade beobachtete , daß in einem Zimmer des » Kurhauses « in Fichtenau , berühmt durch Doctor Birkenhain ' s große Heilanstalt für Geisteskranke , zwei Personen , eine Dame und ein Herr , in der Nähe der geöffneten Balkonthür saßen . Es dämmerte bereits ; Kurgäste kamen bestäubt von ihrer Nachmittags-Promenade zurück , von Zeit zu Zeit rollte eine elegante Kutsche vorüber , in welcher , vornehm in die schwellenden Kissen gedrückt , schön geschmückte Frauen saßen . Dann wurde es stiller auf der Straße ; drüben über den Gärten schimmerte der Abendstern aus dem safranfarbenen Himmel . Die Dame in der Thür des Balkons hatte die Augen auf den Stern gerichtet , der Herr , der tiefer im Zimmer saß , die seinen auf das Antlitz der Dame . Die Beiden hatten seit einer halben Stunde kaum ein Wort gesprochen ; jetzt stand der Herr auf , trat nahe an den Stuhl der Dame und sagte leise : Ich will fort , Melitta ! Wann kommen Sie morgen wieder ? Ich komme morgen nicht wieder ; ich will fort von Fichtenau , heute Abend noch . Melitta stand auf und blickte , sich für einen Augenblick auf das Geländer des Balkons lehnend , in die schon dunkle Straße hinab . Dann trat sie wieder in das Zimmer zurück und sagte : Reisen Sie direkt nach Cona zurück ? Nein , ich will die Zeit , die mir noch bleibt , zu einer kleinen Reise benutzen ; vielleicht komme ich wieder über Fichtenau . So lassen Sie mir die Czika bis dahin ; es soll ein Pfand sein , daß Sie hierher zurückkommen . Wünschen Sie es , Melitta ? Sie sind wieder einmal sehr gut gegen mich gewesen . Also bloße Dankbarkeit ? Und - Freundschaft . Leben Sie wohl , Melitta ! Reisen Sie glücklich , Oldenburg ! Der Baron ging mit langsamen Schritten nach der Thür ; dort angelangt , blieb er stehen , dann kam er noch einmal zurück und sagte : Haben Sie immer geglaubt , daß ich Ihr Freund sei , Melitta ? Ja . Haben Sie je geglaubt , daß ich Sie liebe ? Melitta schwieg . Nie ? zu keiner Zeit ? fragte der Baron mit dumpfer Stimme . Lassen Sie das Vergangene vergangen sein ! Nein , Melitta , lassen Sie uns davon sprechen . Ich finde ja eine Gelegenheit wie diese vielleicht nicht zum zweiten Mal im Leben wieder ; nein , nein ! Denn das alte gute Verhältniß zwischen uns ist todt , seitdem ich unsinnig genug war , Ihnen zu zeigen , daß ich Sie liebte - und über diesen Schlund , der da zwischen uns aufklaffte , giebt es keine Brücke . Für den Augenblick hat uns die Noth zusammengeführt , oder , wenn Sie lieber wollen : mein alter Aberglaube , ich müsse zu Ihnen eilen , an Ihrer Seite stehen , wo und wann Sie in Noth , in Bedrängniß irgend welcher Art sind ; sobald ich aus diesem Zimmer gehe , sind wir uns wieder Fremde . Melitta , um unserer alten Freundschaft willen , bei der Erinnerung an die gemeinsam verlebte selige Jugendzeit , sagen Sie mir , haben Sie nie geglaubt , daß ich Sie liebe ? Ich weiß es nicht - Das ist hart , sagte der Baron leise ; das ist hart . Er ließ sich auf einen Stuhl sinken , stützte den Arm auf die Lehne und verbarg sein Gesicht in der Hand . Und wenn ich nicht an Ihre Liebe glaube , sagte Melitta , wer ist denn schuld daran ? wer hatte die Scene im Garten der Villa Serra di Falco arrangirt ? ich oder Sie ? Wie ? sagte der Baron sich emporrichtend , sind Sie wirklich ein solcher Neuling in der Liebe , daß ich Ihnen in allem Ernst die Erklärung zu dieser Farce geben muß ? Glauben Sie wirklich , daß ich - dem doch sonst so leicht nichts entgeht - Sie nicht schon länger hinter den Myrthengebüschen bemerkt hatte , ehe ich zu Hortense ' s Füßen sank , und die Sonne , obgleich sie untergegangen war , und der Mond , obgleich er nicht schien , und die Sterne , die es besser wußten , zu Zeugen meiner heißen Liebe anrief ? das hätten Sie auch nur einen Augenblick für Ernst gehalten ? Was war es denn ? Eine Allegorie . Ich wollte Ihnen zeigen : sieh ! dies bleibt mir übrig , wenn Du meine Liebe verschmähst ! Du zwingst mich , der ich immerdar vor einer Heiligen anbeten möchte , in den Armen einer Buhlerin Vergessenheit zu suchen . Melitta , Melitta , gestehe es ! Du wußtest recht gut , daß dies eine Farce war ; aber es war Dir bequem , sie für Ernst zu nehmen . Du wolltest von mir befreit sein , selbst um den Preis - eines Mißverständnisses ! Und wenn dies mein Wille gewesen wäre ? - und ich will annehmen , es war mein Wille