Bübchen zeigt , was schicklich sei . Ich riß ihm empört meinen Hut aus der großen sehnigen Hand , die mit ungewöhnlicher Behendigkeit das Kreuzzeichen machte , und drängte mich , von Zorn gekräftigt , nach der anderen Seite des Platzes , wo man unfern der Kirche zum Behuf dieser Feierlichkeit einen Altar errichtet hatte , der wie ein Meteor im nächtlichen Dunkel aufstrahlte . Er war um viele Stufen erhöht und von einer säulengetragenen Kuppel überwölbt , und alle Umrisse des kleinen Gebäudes waren mit ungemein glänzenden Lampen , wie mit Schnüren von Diamanten eingefaßt . Das Innere war ganz mit Blumen austapeziert und an der Hinterwand ein großes transparentes Gemälde angebracht , jene Vision , die Johannes auf Pathmos hatte : das wunderbare Weib mit den zwölf Sternen um das Haupt und der Mondessichel zu ihren Füßen . Nach diesem Altar zog die bewegliche Lichtlinie der Prozession . Trotz meiner kritisierenden Stimmung fand ich das Schauspiel großartig . Es war nichts zu sehen , als eine tiefdunkele , von einzelnen Lichtgruppen erleuchtete Erde : das Kreuz in der Höhe , Altar und Fackelbündel im Vorgrund , in der Tiefe des Bildes der Flecken Einsiedeln illuminiert von tausend Lichtlein - einer kleinen Welt von Leuchtkäfern ähnlich . Die Menschen - still , ernst , gesammelt , ruhig auf einem Fleck , kein Gedränge , keine Schaulust , und doch zu tausenden beisammen . Im Hintergrund die gewaltigen Berge , die sich in ihrer Massenhaftigkeit ganz schwarz zum Nachthimmel erhoben . Dazu die großartigen Stimmen , welche dem Bilde einen Ausdruck von Seelenleben gaben , Orgelklang , Chorgesang , Glockenton - und über dem allen der starke Wind , der von den Gletschern kam und über den Wald sauste und die Spitzen der hohen Tannen umbog und mit ihren Ästen wie mit Fahnen wehte . Der Abt war zum Altare hinaufgestiegen und nun erklangen diese wunderbaren eucharistischen Hymnen , welche von den Heiligen geschaffen sind und vielleicht von den Engeln gesungen werden . Dann hob er hoch auf das goldene Haus , in welches die überhimmlische Dreifaltigkeit , verschleiert von der heiligen Hostie , sich herabgelassen hat , hielt es einige Augenblicke fest und hoch vor allem Volk und bewegte sich dann langsam , im Kreuzzeichen , segnend über die Menge . Alle Gebete waren verstummt ; die Orgel schwieg ; nur die Kanonen donnerten in den Choral der Glocken hinein ; alle Stirnen senkten sich zu Boden ; denn nicht der Priester - Gott der Herr segnete sein Volk . Und ich ? - o ich stand aufrecht , als der Abt die Monstranz erhob und hoch hielt und darzeigte ; und stand aufrecht , als die Kanonen krachten und die Menge auf die Knie fiel und der Abt die beiden ersten Bewegungen mit der Monstranz machte . Und als er sie nach meiner Seite wendete und ich sie fest und kalt ins Auge fassen wollte , da ging von ihrem Mittelpunkt ein goldener Strahl aus - und der traf mich , war ' s in ' s Herz , auf die Stirn , im Blick - ich weiß es nicht ! genug , er traf mich besiegend . Meine Stirn sank zur Erde , meine Seele flog in den Himmel , ich lag im Staube und ich betete an . « » Was ist das , Lelio ! « rief Judith gespannt und aufgeregt . » Was war das für ein Strahl ? « » Nichts Irdisches war ' s , Signora , nichts Materielles . Kein Blitzstrahl war es , und kein Spiel der Lichter auf den Diamanten der Monstranz . Aber auch eine Vision war es nicht , wie die Heiligen sie wohl haben ; kein Flammenpfeil , wie er der heil . Therese das Herz durchbohrt und zu seraphischer Liebe entzündet ... « » Nun denn , « rief Judith beinahe heftig , » was war ' s ? « » Die Gnade war es , Signora ! « sagte Lelio sanft . » Der Hebel war es , der seinen Stützpunkt im Herzen des Erlösers hat , und der ein elendes Menschenherz aus dem Abgrund der Sünde emporhebt . « » Das verstehe ich nicht , « sagte Judith kalt . » Ich prophezeihte es , « erwiderte er lächelnd . » Nun weiter ! « rief sie . » Ich bin zu Ende , Signora ! ich habe in der ganzen Zeit Einsiedeln nicht verlassen , gründlich in meinem Gewissen aufgeräumt und komme nun , um meine Vorsätze auszuführen . « » Aber Ihre unbekannte Beterin werden Sie doch erkundschaftet haben ? « » O nein ! die ist mir unbekannt geblieben . Komme ich aber einst in den Himmel , so werd ' ich sie schon erkennen - unter den Heiligen oder zwischen den Engeln . « Das Geschlecht , welches » das schöne « und » das fromme « genannt wird , hat eine Eigenschaft , welche seine Schönheit und Frömmigkeit sehr beeinträchtigt : es verträgt nicht gut das Lob einer anderen Frau . Bei Judith , die nicht den mindesten Anspruch an Frömmigkeit machen konnte , wird es also nicht auffallen , daß sie von ihrer Höhe herab entgegnete : » Nun was ist denn darin so großartig , einen armseligen Menschen zu verachten , der uns beleidigen will ? es fliegt Staub an den Saum unseres Kleides : wir schütteln ihn ab - und gehen weiter . Das ist doch eine allzu unbedeutende Handlung , um einen Paß in die Heimat der Engel zu erwirken . « Lelio machte eine lebhafte verneinende Geberde . » Tag und Nacht ! « rief er , » Himmel und Erde ! Sie verachten den Menschen , der Sie beleidigt : heidnischer Stolz ! die Unbekannte bittet ihn : Mein Sohn , bet ' ein Ave für mich : katholische Demut ! « » Und gaben Sie sich gar keine Mühe , diesem Mirakelwesen auf die Spur zu kommen ? Schade , daß