lange den alten Herrn als Gemahl sich gefallen ließ , als sie ihn ganz beherrschen und nach ihren Lüsten leben konnte , mag nun das Loos einer reichen Wittwe besser gefunden haben , als einer abhängigen Ehegattin , und hat den Gemahl auf die Seite geschafft . Du hast selbst gesagt , daß er Nachts immer betrunken aus Euren Zechgelagen heimgegangen , da mag es leicht gewesen sein , ihm einen Gifttrunk beizubringen - und das Gift mag sie auch bei der Hand gehabt haben - sagt man doch , daß ihr Bruder Martin ein neues Schlangengift mitgebracht hat . « Wußte Haller auch recht gut , daß ein gut Theil Neid und Eifersucht aus diesen Darstellungen sprach , so gehörte er doch auch zu den Männern gemeinen Schlages , die an keine Keuschheit und Tugend , am wenigsten bei schönen Frauen glauben , eben weil sie theils selbst weit entfernt sind und in der Verführungsmacht des andern Geschlechtes eine Entschuldigung für die eigene Unmoralität suchen , theils auch weil sie die Frauen zu weiter nichts fähig oder berechtigt halten , als den Männern zur Unterhaltung oder Pflege zu dienen . Es schien ihm darum nicht ganz unwahrscheinlich , daß seine Frau über Elisabeth ziemlich richtig urtheilte , und er säumte nicht , unter den Rathsherren und Schöppen diese Ansichten zu verbreiten . Als nun Ezechiel mit seinen Anklagen und Mittheilungen über Ulrich zur Hallerin kam , so fand er natürlich bei ihr nicht nur Gehör und Glauben , sondern sie wußte auch einen ihrer Vettern Bernard Holzschuher , den sie schon immer in ' s Vertrauen gezogen , der selbst Schöppe und einer der einst von Elisabeth abgewiesenen Freier war , zu bewegen , daß er die Anklage wider Ulrich von Straßburg und Hieronymus erhob und zwar zuerst bei dem Hüttenmeister der St. Lorenzhütte ; waren die Baubrüder aus dieser ausgestoßen , so konnte dann weiter gegen sie verfahren werden . Für Katharina Haller war es auch beschämend und quälend , daß der Ritter Axel von Weyspriach , auf dessen Aufmerksamkeiten einst sie und Beatrix Immhof stolz gewesen , jetzt als ein Placker , Straßenräuber und Reichsfriedenbrecher verhaftet war , und daß man ihn , um ein Beispiel zu geben und die Macht der freien Reichsbürger diesem herabgesunkenen Adel gegenüber zu zeigen , unfehlbar zum Tode verurtheilen und hinrichten werde . Beatrix hatte wohl persönliches weibliches Mitleid für ihn - Katharina kannte solche bessere Empfindungen nicht , aber sie schämte und ärgerte sich , mit einem Straßenräuber , der nun den Tod für seine Verbrechen leiden sollte , getanzt zu haben , und haßte den Ritter doch doppelt , weil er sie zu einem Bubenstück verleitet hatte , dessen Ausführung doch nur an Meister Dürer ' s Ehrlichkeit und Vorsicht gescheitert war . Wenn diese Geschichte vielleicht noch an den Tag kam , so war sie zugleich der Verachtung und Lächerlichkeit Preis gegeben - sie , die sich immer so ihrer Tugend und Unbescholtenheit rühmte , gewissenhaft auf die Befolgung der kleinlichsten Regeln der hergebrachten Sitten hielt und unbarmherzig über Alle den Stab brach , welche auch nur in den kleinsten Dingen davon abwichen , geschweige denn , wenn sie sich ein wirkliches Vergehen dagegen zu Schulden kommen ließen . Katharina sagte sich , daß , wenn es möglich sei , daß sie jetzt eine derartige Demüthigung erfahre , sie doch zuvor an Elisabeth noch eine größere erleben oder ihr bereiten müsse - es koste was es wolle . So arbeiteten die sittenstolze Patrizierin , der schmutzige Jude und die verrufene alte Kupplerin gleichzeitig an dem Untergange der edelsten Menschen , die damals in Nürnberg lebten , und die eben darum nur in feindliche Conflikte mit ihren Nebenmenschen geriethen , weil sie über die Vorurtheile derselben erhaben und ihrer Zeit vorausgeeilt waren . - Indessen hatte die Untersuchung über den Tod Christof von Scheurl ' s vor den geschworenen Schöppen ihren Gang . Elisabeth selbst hatte vermuthet , daß ihr Gemahl am Abend vor seinem Tode bei dem Propst Kreß zum Nachtmahl gewesen sei . Auf Befragen bestätigte dies derselbe , und weder für ihn noch die andern Gäste hatten die aufgetragenen Speisen und Getränke eine schädliche Wirkung gehabt , so daß man etwa auf eine zufällige Vergiftung oder ein sonst gewaltsam herbeigeführtes Unwohlsein hätte schließen können . Martin Ketzel war mit Scheurl bis an dessen Straßenecke nach Hause gegangen und erklärte , daß derselbe zwar etwas angetrunken gewesen sei , aber nicht mehr als gewöhnlich , und daß ihm sonst nichts an ihm aufgefallen ; übrigens gehörten beide Herren zu denen , welche versicherten , daß Elisabeth gewiß vollkommen unschuldig sei , daß Scheurl ihr in allen Stücken vertraut und mit ihr einig gewesen sei - er habe ihr nie etwas in den Weg gelegt und sie ihm nicht . Die gefangene Magd Katharina gab in der Angst ausweichende und widersprechende Antworten . Sie schwor hoch und theuer , an dem Mord unschuldig zu sein ; die Frau Scheurl aber sei auf sie eifersüchtig gewesen und wolle nun deshalb die Schuld auf sie wälzen . Die Inquisitoren mußten bei dieser Antwort lachen , da das Alter und das wenig Anziehende , welches die Inquierentin noch besaß , einen solchen Fall sehr zweifelhaft erscheinen ließen - zumal im Vergleich mit der schönen Frau Scheurl . Katharina antwortete zwar auf dieses Gelächter , dadurch empört mit der Behauptung , daß sie beweisen und beschwören könne , wie Herr Scheurl ihr zugethan gewesen - war aber dabei auch nicht so schlecht , Elisabeth der That zu beschuldigen , sondern betheuerte nur ihre eigene Unschuld . Man hatte in ihrer Kammer den Beutel mit Gold gefunden , welchen sie von Scheurl erhalten ; Elisabeth und andere Hausbewohner erkannten diesen als den Scheurl ' s , und Katharina versicherte , daß er ihr eben diesen gegeben , weil er Gefallen an ihr gefunden . Auf die Frage , wann dies geschehen sei , antwortete sie ausweichend , daß sie das nicht genau mehr