einem Calvarienberg , eine steinerne Gruppe der Leidensgeschichte ... frisch übertüncht mit grünlichweißer Oelfarbe ... frisch vergoldet an den Heiligenscheinen und Gewändern ... Wie sie eben an der letzten Gruppe der Grablegung vorüber ist , wie sie quer über den den Dom umgebenden freien Platz zu der zweiten , niederwärts zu dem Park der Dechanei führenden Treppe kraftlos schreiten will , strahlt ihr plötzlich an dem im Schatten liegenden altehrwürdigen St.-Zenotempel ein magischer Lichtglanz entgegen . Von dem übrigen Mondschein weicht er völlig ab . Sie blickt noch einmal hin und wiederholt sich das Wunder von Damascus ? Lichtumflossen tritt ein Priester im Ornat auf sie zu ... Es ist Bonaventura , ihr Heiliger ... Lucinde verbirgt sich hinter der Grablegung ... Bonaventura kommt aus der Sakristeithür , die im Dunkel liegt und beim Geöffnetwerden den von der entgegengesetzten Seite , wo der Mond steht , durch ein buntes Fenster hereinfallenden Lichteffect verursachte . Es ist Bonaventura in Priestertracht , begleitet von einem weißgekleideten Knaben und einem Meßdiener . Alle drei kommen , nachdem der Meßdiener die Sakristeithür wieder verschlossen , still und schweigsam näher . Sich unbemerkt glaubend , schreiten sie die Stufen zur Stadt hinunter ... Bonaventura hält das Hochheiligste , der Meßdiener trägt Brevier und Rauchfaß , der Knabe klingelt ... Wer etwa in den Straßen noch verspätet ging , neigte sich . Wer es auf seinem Lager hörte , sagte : Das ist der Dechant ! Er geht unten an den Fall zur sterbenden Frau Ley ! Lucinden war es , als wenn sie jetzt Schutz gefunden hätte . Bonaventura mußte in die Dechanei zurück ! Konnte sie es nicht unter seinem Beistande thun ? Aber auch so und war dies alles auch nicht , doch zog es sie unwiderstehlich ... Sie mußte folgen . Es klingelte ... und klingelte ... Dahin ... dahin ... immer voraus schritt das Sakrament ... Endlich hörte man ein rauschendes Gewässer daherstürzen . Es war der Fall . Ueber ein Brücklein mußte man noch gehen , auf dem ein St.-Nepomuk den Gruß der Vorübergehenden empfing ... Die Zahl derselben mehrte sich ... Wol ein Dutzend Menschen aus dem Volke schloß sich dem klingelnden Knaben an , so spät auch die Stunde schon vorgerückt war ... Es kam ein ganz vertrockneter Lindenbaum und ein Haus , in das sie eintraten ... An der Wand neben dem Thorweg fand Lucinde die verrosteten Haken , von denen der Dechant erzählt hatte ... Noch stand der Hackeklotz im Gange ... Auf dem steinernen Estrich der Vorflur ging eine Rinne , durch welche sonst das Blut floß aus dem im Hofe befindlichen Schlachthause . Unter den Anwesenden , die der Hostie gefolgt waren , fiel Lucinde noch nicht auf . Meist waren es Frauen . Sie hielten sich in der Vorflur , während eine Thür geöffnet wurde , durch die man in ein hinteres Zimmer sah , wo die Sterbende lag . Bonaventura schritt durch einige Betten hindurch , wo ruhig die kleinern Kinder der sterbenden Mutter schliefen ... Treudchen Ley und ein Bruder , der den Dechanten nun doch noch gerufen hatte , lagen über dem Bette der Mutter ausgestreckt und schluchzten ... Der so überraschend statt des Dechanten gekommene geliebte Priester nahm von dem Ministranten das heilige Oel , um damit seine Finger zu netzen . Mit diesen berührte er die einzelnen Theile des Antlitzes der Sterbenden ... Für Bonaventura konnten Menschen zugegen sein , die noch heftigere Wallungen in ihm hervorgerufen hätten als Lucinde , er würde nicht auf sie geachtet haben . Er ließ die Sterbende , die ihn noch erkannte , mit einem matten Aufblick die ganze letzte Freude empfinden , an seiner Hand aus dem Irdischen hinausgeleitet zu werden . Mit groß und geisterhaft aufgeschlagenen Augen sah sie auf seine hohe Gestalt und zupfte mit den unruhigen Fingerspitzen an der Decke , bis ihre Tochter , wie wenn sie Wünsche hätte , sich ihr näher beugen mußte . Ihr Wunsch war nur , noch so viel Schärfe des Gehörs zu besitzen , die milde Stimme des geliebten Priesters zu hören . Bonaventura salbte die Sterbende mit leise begleitenden Worten an den von der Kirche vorgeschriebenen Theilen , an denen , welche die Organe unserer Sinne , unsers Willens und unserer Sünden sind . Mit Auge , Ohr , Geruch , Mund , Hand und Fuß sind wir an die Sinnenwelt gebunden : die Lösung von ihr , den Abschied und die Trennung bezeichnet die Berührung mit dem , wie man sagt , schmerzenstillenden Oel ... Bonaventura ' s Gebet übertönte das laute Weinen ... Herr , unser aller Gott , sprach er , erquicke die Seele , die du geschaffen hast ! Reinige sie von allen Sünden und Makeln , damit sie würdig werde , durch die Hände der Engel dir dargestellt zu werden ! Durch Jesum , unsern Herrn ! Die Seele der armen Metzgersfrau war schon vor dem Amen ! zu der ihr nun gelinderteren Pein des Fegfeuers entflohen . Treudchen benahm sich mit großer Standhaftigkeit . Daß auffallend schöne Kind war blaß , zart , tief verhärmt , tief erschüttert und doch blieb sie umsichtig ... Als die Sterbende geendet hatte , drückte der Leiche jemand von den Nähergekommenen die Augen zu . Es war eine hohe , kräftige weibliche Gestalt . Sie trug ein gelbrothes Tuch um den Kopf gewunden und mußte eine Jüdin sein ... Und dicht hinter ihr stand ein Protestant , Nachbar Grützmacher , der würdige Wachtmeister ... Er begrüßte Lucinden , die nun vortrat und jetzt erst von Bonaventura bemerkt und erkannt wurde ... Muß man erleben den Gegenstand ! sprach inzwischen mit lauter alles übertönender Stimme die Jüdin ... Eine Frau so sanft wie ein Lamm ! Ein Engel ! Muß ich sie noch sehen , wie sie ist gelaufen über Land und hat die Bauern gebitt ' t und gebettelt , daß sie bringen sollten ihren Mann wieder auf die Füße ! Wie hat sie die paar Thälerchen ,