dem Lager stand , die Kranke müsse wenigstens einige Stunden ungestörte Ruhe haben und er selbst werde bei der auf ' s Aeußerste Gefährdeten wachen . Nach einigem Zögern fügte sich der Staatsbeamte mit der Erklärung , er wolle im Vorzimmer bleiben . Der Vorhang der Thür fiel hinter ihm , Welland befand sich mit dem Opfer grausamer Verfolgung jetzt allein . Er betrachtete wehmüthig , schmerzlich das schöne blasse Gesicht mit den in Lethargie geschlossenen Augen , auf das der Todesengel bereits seine grauen Schatten zu verbreiten begann . Die Wunden und Verletzungen , die das Mädchen empfangen , waren allerdings nicht absolut tödtlich , aber ihr ganzer innerer Organismus schien so verletzt , so zerrissen , daß er den Leiden schwerlich zu widerstehen vermochte . Was konnte dies junge schöne Wesen gethan haben , das eine so grausame Strafe nöthig machte ? was konnte das schwache Mädchen mit den Geheimnissen wichtiger Reiche zu thun haben ? Er hatte sie mit einem Teppich bedeckt und saß im schmerzlichen Nachdenken an ihrer Seite , ihren Puls in seiner Hand . Da erklang wieder der stöhnende geheimnißvolle Seufzer , den er schon früher gehört und für das Echo des Schmerzenrufs der Dulderin gehalten hatte . Diesmal überzeugte er sich , daß er sich geirrt , daß der jammernde Laut von einem andern Wesen kommen mußte . Sie schien ihn gleichfalls gehört zu haben , denn ihre Augen erschlossen sich , erst irrten sie starr umher , dann fielen sie mit dem Verständniß und dem Ausdruck des Dankes auf den Arzt , und einige Momente nachher schienen sie ihm zu winken und auf den zerrissenen Vorhang zur Seite nach dem Nebengemach zu deuten . Er sah , wie die Leidende sich anstrengte , zu sprechen , und beugte den Kopf an ihre blassen Lippen . Er hörte endlich , wie diese in französischer Sprache flüsterten : » Rettung ! - dort ! « War denn noch ein unglückliches Wesen in der Nähe , das seiner Hilfe bedurfte ? Er zog rasch sein Taschenfeuerzeug hervor , zündete das Endchen Wachslicht an und stieg über das Lager hinweg in das Gemach , in dem er so eben die furchtbare Scene miterlebt hatte . Unfern von seinem Sitz , an den Polstern des Divans , regte und bewegte sich ein dunkler Knäuel , - er hob den bedeckenden Teppich hinweg , - ein schwarzes Weib lag dort am Boden , zusammengeschnürt gleich einem leblosen Bündel , den Knebel im Munde . Ihre großen Augen starrten ihn an mit unbeschreiblichem Ausdruck ! Mit einigen raschen Schnitten seiner Lanzette hatte er die Bande gelöst und die Mohrin sprang elastisch mit der Schnellkraft der Jugend empor und stürzte sich dann , wie eine Tigerin auf ihr gefährdetes Junge , auf die bleiche Gestalt der Gepeinigten . Kaum vermochte Welland , rasch hinzuspringend , sie davon abzuhalten , sich auf die Leidende zu werfen , und zugleich das Jammergeschrei zu ersticken , das auf ihren Lippen schwebte und das unfehlbar die Würger auf ' s Neue herbeigerufen hätte . Mit Zeichen machte er ihr die Gefahr , die sie bedrohte , so gut als möglich begreiflich . Sie verstand , - sie hatte das Leiden der Gebieterin ja wenigstens mit dem Sinn des Gehörs mitempfunden , - einem Ballen gleich zur Seite geworfen , um , wenn das Schicksal der Herrin entschieden war , wahrscheinlich als unnütze und gefährliche Last in den Fluthen des Bosporus begraben zu werden . Es war eine herzzerreißende Scene für den Arzt , als sich die Schwarze mit all ' dem leidenschaftlichen Wahnsinn des Volkes heißer Zone bald am Schmerzenslager der Herrin das Haar raufte , bald sich vor ihm niederwarf , die Hände zu ihm emporgestreckt , wie um Rettung flehend für die Sterbende . Und das Alles ohne Laut , - stumm , still , - aller Schmerz , alle Angst und Pein in die leidenschaftlichen Geberden zusammengepreßt ! Jeder allzu hörbare Laut wäre Tod gewesen , - selbst die Gemarterte schien dies zu empfinden und zu fürchten . Ihre Augen suchten wieder den Arzt und riefen ihn herbei . » Bei dem Kreuz des Erlösers , an das ich glaube wie Du , Fremdling , beschwöre ich Dich , rette das Mädchen hier ; der Mund einer Sterbenden muß durch sie eine Botschaft senden , die mit meinem Leben erkauft ist . « Welland starrte sie an , - wie sollte er helfen , befreien , hier , in den Mauern des Serails , unter den Augen von hundert Wächtern ? - er blickte rathlos umher . » Dort - dort - das Fenster nach dem Meer ! « - ihr Auge deutete nach dem Seitengemach ; - zum dritten Male betrat es der Arzt und schaute prüfend und vorsichtig umher . An der entgegengesetzten Wand befand sich der Kiosk , Fenster ringsum , mit dichten Jalousieen geschlossen . Es gelang ihm , eine zu öffnen , durch das vergoldete Holzgitter schaute er hinaus , dicht unter ihm lag das Meer , der Pavillon reichte bis nahe an die Mauer , die das Serail und seine Gärten auch von der Seeseite einschließt . Er strengte alle seine Kräfte mit aller Vorsicht an und es gelang ihm , einen Theil des Gitters ohne merkliches Geräusch mit seinem Dolchmesser herauszubrechen ; - als er den Kopf aus der Oeffnung streckte , bemerkte er zu seiner Freude , daß eine Flucht wenigstens in die öden Gärten möglich war , denn wilde Weinreben schlangen sich um die Bogen und Pfeiler , die den abgelegenen Pavillon trugen , fast bis über die Fenster hinauf . Als er zurückkehrte an das Schmerzenslager Mariam ' s , sah er die Mohrin neben der Herrin knieen , das Ohr auf ihre bleichen Lippen geneigt , die leise dringende Worte zu ihr zu sprechen schienen . Aber die Schwarze schüttelte heftig den Kopf , gleich als verweigere sie , um was die Herrin sie flehte . Da röthete sich deren