schreit es Ihnen da nicht zu , was man von Ihnen und Ihren Freunden flüstert , lächelt . - Nein , man spricht , man schreit es laut auf dem Markt ! - Man schilt Sie Verräther am Vaterlande . Mehr noch , man glaubt Sie gewonnen vom Feinde , bestochen . Für Napoleons Geld gäbe diese Verrätherklique dem Könige Rathschläge , die das Vaterland ins Verderben stürzen . « » Ich kenne unsere Feinde . « » Sie kennen sie ; das ist mir lieb . Verachten Sie die giftigen Zungen , so wünsche ich es . Aber nicht durch stummes Achselzucken , nicht indem Sie die Hände vornehm in den Schooß legen . Dazu ist nicht mehr die Zeit . Sie können sie nur verachten durch helles , offnes Handeln . Hier ist ein Moment ; hier gilt es rasch handeln . Was der Courier gebracht , ist kein Geheimniß ; morgen weiß es Jeder , er weiß auch , daß er verschlossene Thore fand , daß die Minister schliefen , oder schlafen wollten . Der Lieutenant Schmilinsky , ein Soldat von rohem Schrot und Korn , nimmt kein Blatt vor den Mund , ja er speit schon Feuer und Flamme . Er weiß jetzt , daß seine Depeschen in Ihren Händen ruhen , daß es an Ihnen wäre , die Minister zusammen zu rufen . Geschieht es nicht , so fallen , mein Vater , die Verwünschungen , die Jene treffen , auf Ihr Haupt zuerst . « » Das hast Du gethan ? « » Ich , und mit freiem Willen - « » Louis - Deinen Vater in eine Lage zu bringen , die - « » Ihm Gelegenheit verschafft , den Makel abzuwaschen . Ich freue mich , ich bin stolz darauf . - Zum Minister - befehlen Sie , daß der Kutscher anspannt - befehlen Sie , ich begleite Sie , befehlen Sie , was Sie wollen , ich bin zu Allem bereit . Nur keinen Augenblick gezaudert - « » Und nach alledem , was ich Dir - nur Dir - vertraute - « » Will ich meinen Vater rein sehen von der Anklage , wie von der Schuld . « - Er griff nach des Vaters Hand . - » Enterben Sie mich , aber das thun Sie mir zu Liebe . Beim allmächtigen Gott , ich glaube nicht , was der Argwohn spricht , nicht von Ihnen auch nicht von Andern - aber ich lechze , ich sehne mich nach Beweisen , nach einer schlagenden That , damit , was ich wünsche und glaube zur Ueberzeugung wird , damit ich stolz Jedem die Stirn weisen , damit ich ihm ins Gesicht schauen , und ihn einen Lügner strafen kann , der meinen Vater - schilt . « Der Geheimrath war in einer Aufregung , die sich nicht verbergen ließ , auf- und abgegangen . Jetzt plötzlich riß er an der Schelle . Er ergriff das Portefeuille , er drückte Louis ' Hand : » Rufe den Courier , wir fahren zum Grafen . « Achtunddreißigstes Kapitel . Gewitterschläge am schwülen Kimmel . Im Hause der Geheimräthin war es seit jenem glänzenden Abend still hergegangen ; aber es war eine Stille , die von sich sprechen machte . Sie litt an Kongestionen des Blutes , Beklemmung des Herzens , und klagte über Visionen . Im Kreise der ihr liebsten Menschen sah sie oft andere Gesichter . Sie redete eine Person an , und meinte eine andere ; aber sie betheuerte , sie wisse sich darüber genau Rechenschaft , wenn der Zustand vorüber . Es wären nur nervöse Affektionen , über die die Aerzte keine Auskunft geben könnten . Sie sprach bitter von den Doktoren , und wollte nicht mehr von ihnen behandelt sein . Die Gevatterinnen urtheilten verschieden über ihren Zustand . Sollte auch die Lupinus sich der Schwärmerei , dem Mysticismus , in die Arme geworfen haben , sie , auf deren Tisch man immer Moses Mendelssohn aufgeschlagen fand ! Zwar etwas clairvoyant war sie schon in letzter Zeit gewesen , aber nicht mehr , als die Mehrzahl der zarter gebildeten Frauen es dazumal waren , oder sein zu müssen glaubten . Es waren bei ihr nur momentane Wallungen , und sie deutete dieselben nur für das Aufblitzen unbewusster Naturkräfte . Sie wollte keine Geisterseherin sein und erklärte sich gegen den Aberglauben . Aber die Zungen waren fertig , über sie zu richten , und es giebt in einer großen Stadt böse Zungen . Wir übergehen das , was die Boshaften sich zuzischelten : es sei nur Aerger , weil ihre Gesellschaften nicht die Anziehungskraft geübt , die sie gewünscht , und die Exklusiven sich zur russischen Fürstin zögen , weil Prinz Louis durchaus nicht kommen wollen , und es möchte wohl einen besonderen Grund gehabt haben , warum sie den Prinzen so gern an sich gezogen . Worauf Andere hinzusetzten , der Prinz müsse auch wohl einen besonderen Grund haben , warum er nicht gekommen . Wir heben lieber heraus , was die mild Gesinnten zur Erklärung vorbrachten : sie sei zu fein , und weil ihr alles Rohe widerstrebe , wirke es afficirend , gewissermaßen revolutionirend in dem zarten Körper . Andere : sie , die für einen kranken , wunderlichen Mann zu sorgen , habe nun noch die Last für die Erziehung einer Pflegetochter aufgeladen . Was koste das nicht ! Und ob es denn auch recht anerkannt würde ! Demoiselle Adelheid sei wohl gut und schön , aber sie habe ein eigensinniges Köpfchen . Habe sie es nicht durchgesetzt gegen Aller Willen , daß sie mit ihrem Lehrer halb verlobt sei , einem jungen Menschen , der nichts hat und alle vernünftigen Aussichten von sich stößt . Nicht ihre Eltern hätten es gewünscht , die jetzt auch höher hinaus dächten , noch der Vater des jungen Mannes , der geradezu erklärt , er werde nie solche Schwiegertochter in sein Haus lassen . Um zu einer solchen