er sagt , ist wie die Rebe , in die der Saft steigt einstiger Begeisterung - und ich weiß nichts mehr von Veralten , Verwelken , seit ich diesen Mann angeschaut hab ; jeder Tag auf Erden ist ein Steigern der Blütebegeistigung , so nenn ich ' s , in der Eil weiß ich ' s nicht anders auszudrücken - und der letzte Tag ist immer noch lebentriebvoller wie der vorletzte . Wie es auch sei , es ist ein ewig Vorrücken in den Frühling ; - und unser ganz Leben glaub ich , hat keinen andern Zweck . - Die Sterne haben mir ' s gesagt für Dich . - An die Günderode Es ist ja noch gar nicht so lang , daß Du mir geschrieben hast , es sind jetzt vierzehn Tage , und wenn ich Deinen Schreibetag hinzurechne und die Reise und das Abgeben des Briefs , so sind es sechzehn oder siebzehn Tage ; - Du bist nicht Herr Deiner Zeit wie ich - denn ich hab gar nichts anders zu tun , als alles Leben zu Dir hinzuschicken , ich wollt auch lieber gar nicht denken , wenn ich Dir ' s nicht wiedergeben könnt , mir kommt expreß alles in den Sinn wegen Dir . Aber ich weiß , daß es Dummheit ist , sich immer ängstigen zu wollen . Nur das eine kann ich nicht ausstehen , wenn sie mir schreiben , die Günderod läßt Dich grüßen . - Ich kann noch eher leiden , wenn sie sagen , man sieht die Günderod nicht . - Aber das eine nur , es ist mir wie ein Nebel zwischen mir und Dir , ich glaub Dich an meiner Seite und sprech mit Dir immerfort und der Nebel ist so dicht , daß ich Dich nicht seh , und auf einmal ruf ich : Bist Du noch da ? - Du gibst keine Antwort . - Da ängstige ich mich und weiß nicht , wo mich hinwenden . Da mein ich als , alles , was ich Dir gesagt hab , sei nur ein Abirren von Dir , statt daß es mich hätt an Dich ziehen sollen ; und da denk ich , deswegen hättst Du Dich von mir entfernt , weil ich Dir so manches sag , was Deine Seele nicht hören will , was sie stört . - Ach , Deine Seele , ich bin einmal geboren dazu , daß ich sie umflattere . Es ist mir zwar jetzt nicht mehr so heimlich auf dem Turm , weil mir immer zuerst einfällt , ob das , was mir da oben in den Sinn kommt , Dir auch recht sein mag , aber ich geh doch hinauf - nein , es treibt mich hinauf , - wie der Wind da oben als geht , das glaubst Du nicht , er könnt einen gleich forttragen , das jagt alles , - Wolken und Mond aneinander vorbei - jedes seinen Weg , - recht zwieträchtig , ich weiß nicht , was ich dazu sagen soll . - Der Weg hinauf wird mir täglich ängstlicher . Ich war schon beinah dran gewöhnt und freut mich auf den Weg , und jetzt ist ' s wieder wie ein Stein , der auf mir liegt , manchmal bin ich so zerstreut , daß ich ' s gar vergeß und erst dran denk , ganz spät , und jeder Schatten macht mir bang . Aber wo soll ich hin , ich muß doch hinauf , ich mein , ich muß da oben die Welt helfen festhalten . - Was das heut für ein Gestürm war ! - Es wächst da oben auf der Mauer ein Vogelkirschbaum , der hatte bis jetzt noch seine roten Beeren an sich hängen , ich hatte recht meine Freud dran , und ich dacht , das soll mir ein Zeichen sein , daß es zwischen uns beiden heiter ist und fröhlich . - Und die Beeren sollen hängen bleiben den ganzen Winter , ich hab sie auch zusammengebunden , daß sie der Wind nicht so leicht forttragen konnt ; aber da war kein Halten , er drehte sich wie eine Kriegsfahne im Sturm , ich sprang auf die Mauer und wollte ihn schützen und nahm ihn in ' Arm und hab das Äußerste gewagt , ihn festzuhalten , bis der Wind sich legen wollt , und hätt ihn gehalten , wenn ' s bis zum Morgen gedauert hätt , aber da flogen mir die Beeren über den Kopf weg , einzeln - und ganze Trauben , bis die letzte fort war , da hab ich ihn losgelassen . Da legte sich der Wind und war ' s ganz hell und ruhig am Himmel - daß ich noch eine Weile so dasaß , wieder - ganz ruhig , und mich verwunderte , wie ich eben noch so mit stürmen konnt , und warum mir doch das Herz so geklopft hatte , da grade sonst ich und Du immer so heimlich und so lustig waren , wenn wir manchmal auf freiem Feld einen Sturm mitmachten . - Aber ich mag Dir ' s gar nicht sagen , was mir alles vorkommt und sich mir weismachen will , und an was für Dingen es hängt , daß meine Fröhlichkeit sich in Trübsinn verwandelt , oder daß der sich wieder zerstreut . - Oft im Sommer , wenn ich einen Vogel singen hörte , war ich wie von einer freudigen Botschaft belebt . - Und oft , wenn ich die reifen Kornähren so vom Wind durchstürmt und geknickt sah , mußt ich in tiefen Gedanken stehen , mich besinnen , wie ich soll einen Boten schicken , der sich den Winden ins Mittel lege . So wollen wir auch meinen jetzigen Aberglauben auf diese Rechnung schreiben . - Es wird vergehen und wird wieder ruhig werden . Am Sonntag hat der Bang hier gepredigt , ich versprach ihm zuzuhören , wenn er wollt von den Juden predigen , wie