geht diese ihre eigenen boshaften Wege . Der Jüngling stand vor ihr und hatte eine Arbeit für sie unter Händen . Er schnitt ihr nämlich eine Feder . Denn endlich , hatte das Mädchen gesagt , müsse sie doch Nachricht geben , wo sie geblieben sei und um Erlaubnis bitten , noch einige Tage im Oberhofe verweilen zu dürfen . Er stand an der andern Seite des Tischchens , und zwischen ihm und dem Mädchen duftete eine weiße Lilie und eine Rose , frisch abgeschnitten , im Glase . Mit der Arbeit übereilte er sich nicht , er fragte , bevor er das Messer anlegte , das Mädchen vielfältig , ob sie lieber mit weicher oder mit harter Spitze schreibe , fein oder stumpf , ob er die Fahne stutzen oder lang lassen solle ? und richtete noch mehrere dergleichen Fragen an sie , so gründlich , als solle ein Schreibmeister mit der Feder ein kalligraphisches Kunstwerk liefern . Auf diese umständlichen Fragen gab das Mädchen mit halber Stimme viele und unbestimmte Antworten , bald sollte die Feder so und bald sollte sie so geschnitten werden , und dann sah sie ihn zuweilen an und seufzte jedesmal , wenn sie das tat . Der Jüngling seufzte noch öfter , ich weiß nicht ob über die unbestimmten Antworten , oder über sonst etwas . Einmal gab er ihr die Feder in die Hand , damit sie an der zeigen sollte , wie lang sie die Spalte wünsche . Sie tat es , und als sie ihm die Feder zurückreichte , empfing er noch etwas mehr , nämlich ihre Hand . Diese wurde von der seinigen so ergriffen , daß die Feder darüber zu Boden fiel und eine Zeitlang ihnen aus dem Gedächtnisse kam , weil alles Bewußtsein in die beiden Hände gefahren war , die einander sanft streichelten oder drückten - darüber lauten meine Quellen verschieden . Ich will euch ein großes Geheimnis verraten . Der Jüngling und das Mädchen waren der Jäger und die schöne blonde Lisbeth . Und wenn ihr einmal recht freundlich gegen mich sein , mich nicht immer so bezweifeln und bemäkeln wollt , wodurch ihr manches Gute in mir , und euch manche Freude zerstört habt , so tue ich euch jetzt den Gefallen , und erzähle euch , wie es den beiden jungen Leuten im Oberhofe ergangen war , nachdem der Jäger die Lisbeth statt des Rehes geschossen hatte . Die Verwundete war in jener Nacht auf ihr Zimmer getragen worden und der Hofschulze , der ganz verstört , was ihm selten begegnete , aus seiner Kammer hervorkam , hatte sogleich nach dem nächsten Chirurgus geschickt . Dieser Mann wohnte aber anderthalb Stunden vom Oberhofe , er schlief fest und ging ungern bei Nacht aus . Der Morgen war daher schon angebrochen , als er endlich mit seinen notdürftigen Instrumenten anlangte . Er nahm das Tuch von den Schultern , betrachtete die Wunde und machte ein äußerst schwieriges Gesicht . Indessen müssen selbst die Bedenklichkeit eines Dorfchirurgen vor der offenbaren Geringfügigkeit eines Falls weichen . Der Schuß des jungen Schwaben hatte Lisbeth glücklicherweise bloß gestreift , nur zwei Schrotkörner waren in das reine , jungfräuliche Fleisch gedrungen , aber auch nicht tief . Der Chirurgus zog sie heraus , legte einen Verband auf , empfahl Ruhe und kaltes Wasser und ging mit dem stolzen Gefühle nach Haus , daß , wenn er nicht so schleunig herbeigerufen worden wäre und nicht so unverdrossen bei Nacht seine Pflicht getan hätte , unfehlbar der kalte Brand zu der Wunde hätte treten müssen . Lisbeth war während des Harrens auf die Hülfe gefaßt gewesen , und hatte kaum geklagt , obgleich ihr totenblasses Gesicht verriet , daß sie Schmerzen litt . Auch die Operation , welche durch die schwere Hand des Chirurgen peinigender wurde , als nötig , hatte sie mutig ausgehalten . Sie ließ sich die Schrotkörner geben und schenkte sie dem Jäger mit einem Scherze . Es seien Treffkörner , sagte sie zu ihm , er solle sie aufheben , er werde damit glücklich sein . Der Jäger nahm die Treffkörner , wickelte sie in Papier und ließ das Haupt seines schönen Wildes , weil es schlummern wollte , aus den sanft umfangenden Armen . In denen hatte Lisbeth seit dem Eintritte in die Stube des Oberhofes mit ihren Schmerzen geruht , wie droben am Freistuhl . Unverwandt hatte er mit kummervollem Auge in ihr Antlitz geschaut und war zuweilen einem freundlichen Blicke begegnet , welchen sie , wie um ihn zu beruhigen , zu ihm emporschickte . Er ging in das Freie . Unmöglich konnte er jetzt den Oberhof verlassen , er mußte , so sagte er , doch die Heilung der armen Verletzten abwarten , das erforderte die Menschlichkeit , fügte er hinzu . Im Baumgarten fand er den Hofschulzen , der , da er erfahren , daß keine Gefahr vorhanden sei , seinen Geschäften nachging , als habe sich nichts ereignet . Er bat den Alten , ihm noch länger Quartier zu geben . Der Hofschulze sann nach und wußte kein Gelaß für den Jäger . » Und wenn es auch nur ein Verschlag auf dem Speicher wäre ! « rief der Jäger , der auf die Entschließung seines alten Wirtes mit einer Ängstlichkeit harrte , als hange davon sein Schicksal ab . Nach langem Besinnen fiel diesem endlich ein solcher Verschlag auf dem Speicher ein , worin er Frucht bewahrte , wenn die Ernte für die gewöhnlichen Räume zu ergiebig ausgefallen war . Jetzt war er leer und diesen wies nun der Alte seinem jungen Gaste an , setzte aber hinzu , daß es ihm da droben wohl nicht gefallen werde . Der Jäger ging hinauf , und obgleich der kahle und verdrießliche Raum nur von einer Dachluke sein geringes Licht empfing , und zum Sitzen sich da nichts vorfand , als ein Brett und ein Kasten , so gefiel es dem Jäger doch dort oben wohl . » Denn « , sagte