sie richtete , beantwortet hatte , ging sie stille und demüthig mit der müden Agnes hinweg . Diether saß lange da , und konnte des Grollens in seiner verwundeten Brust nicht Herr werden . Der Groll wich endlich auf kurze Weile , und ein unsäglicher stummer Schmerz trat für ihn ein . Der Gedanke , von Weib und Sohn sich verrathen , von der tugendhaft geglaubten Wallrade entehrt zu sehn , preßte dem alten Manne dicke Tropfen der innersten Marter aus den Augen , und in solcher Niedergeschlagenheit fand ihn der Oberstrichter , welcher plötzlich in dem Gemache erschien . Der Eintritt desselben machte keinen unangenehmen Eindruck auf den Leidenden . In einer nicht unbedeutenden Reihe von Jahren durch die Geschäfte des Kriegs und des Friedens verbunden , hatten sich beide einander freundschaftlich genähert , ohne innige Freunde geworden zu seyn . Der Oberstrichter , dessen größter Fehler ein Jähzorn war , leicht zu wecken , schwer zu besänftigen , hatte keinen Grund gehabt , Diethern gehässig zu seyn , und dieses letztere Mißtrauen , von des höfelnden Schultheißen Bewerbungen um Margarethens Gunst aufgereizt , hatte den für Frauen nicht empfänglichen Oberstrichter unverwehrt dann und wann das Haus besuchen lassen . Sogar der verdrießliche Auftritt mit Dagobert auf Limpurg hatte Diether nicht von dem Richter entfernt , obschon der letztere unverholen auf des Schultheißen Seite gewesen . Gewohnheit hatte sie , die beide gegen Dagobert grollten , zusammen gehalten . Auch heute reichte Diether dem Gaste die Hand zur stummen Begrüßung . - » Gott walte im Hause ! « sprach der Oberstrichter : » Vergebt , Alter , daß ich einbreche wie ein Kundschafter . Von Eurer Wallrade ist noch keine Spur zu finden , und der Stadthauptmann in Verzweiflung , Euch nicht kräftiger dienen zu können . Die Aussagen des Knechts reichen nicht hin , und nicht die der Zofe , wie ich vernehme . Beide wissen nur , daß die Veste , in welche man sie geschleppt , weit von hier liegen muß , und aussieht wie ein jedes Schloß im Innern auszusehen pflegt . Man muß von der Zeit erwarten , was sich jetzo nicht fördern mag . Ein ander Geschäft bringt mich hieher . Ich suche Vollbrecht , Euers Sohnes Knecht . Sein ehemaliger Herr ist in den Handel des Juden verwickelt , und am Ende weiß der Knecht mehr davon , als wir alle . « - » Vollbrecht ist mit Dagobert auf die Streife gezogen , « erläuterte der Altbürger . - » Hm ! « brummte der Oberstrichter : » da werden wohl beide nimmer heimkehren . Euerm Sohne ist ' s schwerlich Ernst , die Schwester aufzusuchen , deren Gefängniß ihm bekannt genug seyn mag . Und das böse Gewissen wird schon das Übrige thun . Ich bedaure Euch , alter Freund , Ihr habt keine Freude an dem Erben Euers Namens , denn ... was den Johannes betrifft .... « - » Schweigt um ' s Himmelswillen ! « unterbrach ihn Diether : » Schmerz und Zorn zersprengen mein Herz . Nicht der leiseste Zweifel bleibt mir mehr . Dieß sey Euch genug . Mein lasterhaftes Weib ist aus meiner Liebe gestoßen , wie ich es schon aus meinen Armen stieß . « - » Und dennoch wollt Ihr nicht glauben , was die ganze Stadt glaubt ; « erinnerte der Oberstrichter : » das Laster geht riesengroß einher , sobald man es nicht im Wachsthum tödtet . Glaubt mir ; Ben David wollte Euch erwürgen ; Ben David wurde dafür von Margarethen gedungen . Schüttelt nicht das Haupt . Die Zeit trifft zusammen . Eitel , euer Knecht , glaubt in jenem Manne , der bei Nachtzeit aus dem Hause schlich , den mit Geld beladnen Juden entdeckt zu haben . Dagobert hatte dazumal schon den Freibrief von dem Papste erwirkt ; Dagobert sollte zurückkehren . Gatte und Vater war im Wege . « - » O daß ich es glauben muß ! « seufzte Diether trostlos : » aber , hörten meine Ohren nicht selbst , wie die Sünderin ihrem Buhler die Rettung des Juden so dringend empfahl ? Warum , wenn nicht .... ? « - » Hört ferner : « fuhr der Oberstrichter fort » In unserm Thurme liegt ein junger Bube , ein angehender Helfershelfer der Blutzapfer ; ein Lehrling des Webergesellen Borames . Ein einzigmal ist der Bube in der Mörder Genossame gekommen , ohne , wie er schwört - einen einzigen derselben zu kennen , noch den Ort wieder bezeichnen zu können , an den er damals in einer Schneenacht geführt worden . In jenem Mordwinkel jedoch , behauptet er gehört zu haben , daß ein Ritter mit dem Juden einen Handel abgeschlossen , Euch aus der Welt zu schaffen ; um zehn Pfund Heller glaubt er , seyet Ihr verkauft worden . « - » O der Niederträchtigkeit ! « rief Diether empört : » und dieser Ritter .... ? « - » Dagobert oder Euer Schwager von Leuenberg ; « antwortete der Freund achselzuckend . - » Schändlich ! « jammerte der trostlose Vater : » Ich bin Preis gegeben dem abscheulichsten Meuchelmord , und weiß es nicht , in welcher Hand der Dolch mich bedroht . « - » Das Mittel , hell zu sehen , « fuhr der Oberstrichter fort , » wäre , der Anklage freien Lauf zu geben , die ich gegen Euer Weib verhängen will , und die das Geständniß des Juden bekräftigen muß . Die Wahrheit muß alsdann durch Gottes Fürsicht an den Tag kommen . « - » Nimmermehr ; « erklärte Diether mit schneller Fassung : » nicht also beschimpfe ich selbst mein Haus . Das Weib , das ich einst liebte , sollte ich der öffentlichen Schande Preis geben , einem schmählichen Tode überliefern ? Nein ! ich will nicht klagen , und verbiete Euch , es zu thun . Ich werde die Sünderin von mir entfernen , über als eine letzte