sein Ergeben in meinen Rath , in meine Leitung gewann bald bei dieser seiner rüstigen Jugendkraft , etwas so unaussprechlich Rührendes , daß ich mich seiner hätte annehmen müssen , und hätte es mich auch das höchste Opfer gekostet . Und so entstand denn eine Verbindung , die mir jetzt gegen das Ende meiner irdischen Laufbahn die höchste Freude gewährt . Denn was kann belohnender seyn , als der Anblick einer edlen kräftigen Natur , die aus geistiger und irdischer Verirrung mancherlei Art sich tapfer loswindet , und dabei das selige Bewußtseyn , ihr hülfreich und schützend zur Seite zu stehn . Sie , Gabriele ! mögen immer das schöne Gefühl mit mir theilen ; Sie haben mir kräftig vorgearbeitet , so kräftig , daß ich oft Sie zu sehen und zu hören glaube , wenn er recht aus dem Herzen spricht oder handelt . Und so ist es billig , daß auch Sie sich Ihres Werks erfreuen mögen . « Still und ruhig hatte Ottokar indessen seit mehreren Jahren in Rom gelebt , in selbsterwählter Zurückgezogenheit von öffentlichen Geschäften und Ehrenbezeugungen , nur mit sich , seinem Knaben , der Natur , der Kunst , und wenigen auserwählten Freunden . Tausend sehr ernste Erfahrungen hatten ihn endlich überzeugt , daß nur in der Kunst , entsagen zu können , der ächte Stein der Weisen verborgen liegt . An Aureliens marmor-glatter und kalter Natur waren alle seine Versuche fruchtlos abgeglitten , sie sich und dem ächten Genuß des Lebens zu gewinnen . So hatte er sie denn endlich aufgegeben , und begnügte sich damit , seine Gemahlin nach der von ihr selbst gewählten Weise das Glück suchen zu lassen , indem er ihr Geld und Freiheit gab , so viel sie bedurfte oder verlangte . Ersteres machte sein großes Vermögen und eigne Genügsamkeit ihm möglich , und daß Aurelia ihre unumschränkte Freiheit nie auf eine , seine Ehre verletzende Weise mißbrauchen könne , dafür bürgte ihm ihr Stolz auf die einzige Frauentugend , die sie eigentlich anerkannte , und zu deren strenger Richterin sie sich überall aufwarf . Der kleine Herrmann , Ottokars sehr anmuthig heranwachsender Knabe , gewährte ihm wenigstens einen Theil des häuslichen Glücks , nach dem er sich stets gesehnt und das er leider an Aureliens Seite nie hatte finden können . In der Freude über ihn , vergaß er gern alles , was die Welt sonst noch ihm versagt hatte . Er näherte sich jetzt dem Alter , in welchem die Stürme in der Brust , denen er früher mit Muth und Kraft entgegen kämpfen mußte , allmählig von selbst sich beschwichtigen . Seine Jugend lag hinter ihm , wie ein halb schöner , halb ängstlicher Traum , aus dem Gabrielens kurze Erscheinung gleich einem hellen Sterne hervorleuchtete . Er gedachte ihrer , wie einer himmlischen Gestalt , die auf irdischem Pfade ihm einst segnend vorüberschwebte und von höhern Sfären Kunde und Gewißheit verlieh . Von ihrem fernen Leben auf Erden seit jener Stunde wußte er nur wenig . Ernesto hatte immer vermieden , ihm genaueren Bericht davon zu geben ; er wollte gern dem ohnehin auf mancherlei Weise Verletzten unnütze Schmerzen ersparen , und konnte es schweigend nur , da er ihm so wenig Erfreuliches zu melden hatte . Ottokar wußte nur daß Gabriele vermählt sey , daß sie mit diesem Schritte ihrem Vater und ihrer Pflicht ein schweres Opfer freudig und willig gebracht . Dieß war ja einst sein eignes Loos auch gewesen , und nach der ihn dafür beseligenden Ruhe seines eignen Bewußtseyns mußte er auch sie für beglückt halten . Freilich vergaß er dabei der Verschiedenheit des Verhältnisses , welches den Frauen das als eine sehr schwere drückende Last aufbürdet , was das freie glücklichere Loos der Männer diesen auf tausendfache Weise erleichtert . So fand ihn Ernesto als er gegen Weihnachten mit seinem jungen Freunde in Rom anlangte . Denn die Reise nach Sicilien war aus mehreren bewegenden Gründen einstweilen aufgegeben . Bis jetzt hatte Ernesto sich von innerem Bangen immer abhalten lassen , Hippoliten mit Ottokar bekannt zu machen . Von diesem Gefühle geleitet , hatte er sogar die Reise nach Rom so weit hinausgeschoben und Ottokars nur immer in sehr allgemeinen Redensarten gedacht . Eigentlich fürchtete er , daß Gabrielens Name , zur Unzeit genannt , bei Beiden Gefühle und Erinnerungen aufregen , ja vielleicht Scenen herbeiführen könne , die wenigstens ihrer mühsam errungenen Ruhe neue Gefahr brächten . Doch jetzt mußte er sich endlich entschließen , den Schritt zu wagen , den er nicht länger schicklicher Weise zu vermeiden wußte . Er führte beide einander zu , und hoffte dabei , weil er es wünschte , daß jeder von ihnen das heiligste Geheimniß seiner Brust wohl zu bewahren wissen werde . Hippolit fühlte sich gleich in den ersten Minuten ihres Beisammenseyns von Ottokars Erscheinung mächtig ergriffen . Kein sterbliches Wesen , selbst Gabriele nicht , hatte sein Herz mit so unaussprechlicher Ergebung , mit so ganz rücksichtsloser reiner Neigung beim ersten Anblick erfüllt , als der schöne , ernste und dabei so unsäglich milde Mann , aus dessen hell leuchtendem Auge jugendliche Kraft und Wärme sprach , während er , ausgerüstet mit aller Würde und allen Vorzügen des reifern Alters vor ihm stand . Auch Ottokar ward von Hippolits liebenswürdigem und bescheidnem Wesen angezogen , dieser kam ihm , wie ein jüngerer Bruder vor , zu dessen vollendeter Bildung mitzuwirken , er mit der lebendigsten Theilnahme sich verpflichtet fühlte . Und so erbot er sich , mit Ernesto sein steter Begleiter zu allen jenen Wundern der Vorwelt zu werden , welche keine feindliche Macht dem heiligen Boden entführen konnte , der eine lange Reihe von Jahrhunderten hindurch sie treu aufbewahrte und aufbewahren wird . Innigst erfreut über Hippolits reges und richtiges Gefühl , schwelgte er an seiner Seite im frohen Nachempfinden jener Tage , in denen er selbst zuerst dieß klassische Land betrat . Dafür theilte Hippolit Ottokars Freude an dem kleinen Herrmann , der sich sehr schnell