herüberkam , aber keine Nacht , auch bei angebotener größten Bequemlichkeit , zu bleiben bewogen werden konnte . Bei solchen kurzen Zusammenkünften war seine Gegenwart jedoch höchst erfreulich , weil er sodann , als Welt- und Hofmann , nachgiebig und vermittelnd auftreten wollte ; wobei denn sogar ein Zug von aristokratischer Pedanterie nicht unangenehm empfunden wurde . Überdem ging diesmal sein Behagen von Grund aus , er war glücklich , wie wir uns alle fühlen , wenn wir mit verständig-vernünftigen Leuten Wichtiges zu verhandeln haben . Das umfassende Geschäft war völlig im Gange , es bewegte sich stetig nach gepflogener Verabredung . Hievon nur die Hauptmomente . Er ist drüben über dem Meere , von seinen Vorfahren her , Eigentümer . Was das heißen wolle , möge der Kenner dortiger Angelegenheiten , da es uns hier zu weit führen müßte , seinen Freunden näher erklären . Diese wichtigen Besitzungen waren bisher verpachtet und trugen , bei mancherlei Unannehmlichkeiten , wenig ein . Die Gesellschaft , die wir genugsam kennen , ist nun berechtigt , dort Besitz zu nehmen , mitten in der vollkommensten bürgerlichen Einrichtung , von da sie als einflußreiches Staatsglied ihren Vorteil ersehen und sich in die noch unangebaute Wüste fern verbreiten kann . Hier nun will sich Friedrich mit Lenardo besonders hervortun , um zu zeigen , wie man eigentlich von vorn beginnen und einen Naturweg einschlagen könne . Kaum hatten sich die Genannten von ihrem Aufenthalte höchst zufrieden entfernt , so waren dagegen Gäste ganz anderer Art angemeldet und doch auch willkommen . Wir erwarteten wohl kaum , Philinen und Lydien an so heiliger Stätte auftreten zu sehen , und doch kamen sie an . Der zunächst in den Gebirgen noch immer weilende Montan sollte sie hier abholen und auf dem nächsten Wege zur See bringen . Beide wurden von Haushälterinnen , Schaffnerinnen , sonst angestellten und mitwohnenden Frauen sehr gut aufgenommen : Philine brachte ein paar allerliebste Kinder mit und zeichnete sich , bei einer einfachen , sehr reizenden Kleidung , aus durch das Sonderbare , daß sie von blumig gesticktem Gürtel herab an langer silberner Kette eine mäßig große englische Schere trug , mit der sie manchmal , gleichsam als wollte sie ihrem Gespräch einigen Nachdruck geben , in die Luft schnitt und schnippte und durch einen solchen Akt die sämtlichen Anwesenden erheiterte ; worauf denn bald die Frage folgte : ob es denn in einer so großen Familie nichts zuzuschneiden gebe ? und da fand sich denn , daß , erwünscht für eine solche Tätigkeit , ein paar Bräute sollten ausgestattet werden . Sie sieht hierauf die Landestracht an , läßt die Mädchen vor sich auf und ab gehen und schneidet immer zu , wobei sie aber , mit Geist und Geschmack verfahrend , ohne dem Charakter einer solchen Tracht etwas zu benehmen , das eigentlich stockende Barbarische derselben mit einer Anmut zu vermitteln weiß , so gelind , daß die Bekleideten sich und andern besser gefallen und die Bangigkeit überwinden , man möge von dem Herkömmlichen doch abgewichen sein . Hier kam nun Lydie , die mit gleicher Fertigkeit , Zierlichkeit und Schnelle zu nähen verstand , vollkommen zu Hülfe , und man durfte hoffen , mit dem übrigen weiblichen Beistand die Bräute schneller , als man gedacht hatte , herausgeputzt zu sehen . Dabei durften sich diese Mädchen nicht lange entfernen , Philine beschäftigte sich mit ihnen bis aufs kleinste und behandelte sie wie Puppen oder Theaterstatisten . Gehäufte Bänder und sonstiger in der Nachbarschaft üblicher Festschmuck wurde schicklich verteilt , und so erreichte man zuletzt , daß diese tüchtigen Körper und hübschen Figuren , sonst durch barbarische Pedanterei zugedeckt , nunmehr zu einiger Evidenz gelangten , wobei alle Derbheit doch immer zu einiger Anmut herausgestutzt erschien . Allzu tätige Personen werden aber doch in einem gleichmäßig geregelten Zustande lästig . Philine war mit ihrer gefräßigen Schere in die Zimmer geraten , wo die Vorräte zu Kleidern für die große Familie , in Stoffen aller Art , zur Hand lagen . Da fand sie nun in der Aussicht , das alles zu zerschneiden , die größte Glückseligkeit ; man mußte sie wirklich daraus entfernen und die Türen fest verschließen , denn sie kannte weder Maß noch Ziel . Angela wollte wirklich deshalb nicht als Braut behandelt sein , weil sie sich vor einer solchen Zuschneiderin fürchtete ; überhaupt ließ sich das Verhältnis zwischen beiden keineswegs glücklich einleiten . Doch hievon kann erst später die Rede sein . Montan , länger als man gedacht hatte , zauderte zu kommen , und Philine drang darauf , Makarien vorgestellt zu werden . Es geschah , weil man sie alsdann um desto eher loszuwerden hoffte , und es war merkwürdig genug , die beiden Sünderinnen zu den Füßen der Heiligen zu sehen . Zu beiden Seiten lagen sie ihr an den Knieen , Philine zwischen ihren zwei Kindern , die sie lebhaft anmutig niederdrückte ; mit gewohnter Heiterkeit sprach sie : » Ich liebe meinen Mann , meine Kinder , beschäftige mich gern für sie , auch für andere , das übrige verzeihst du ! « Makarie begrüßte sie segnend , sie entfernte sich mit anständiger Beugung . Lydie lag von der linken Seite her der Heiligen mit dem Gesicht auf dem Schoße , weinte bitterlich und konnte kein Wort sprechen ; Makarie , ihre Tränen auffassend , klopfte ihr auf die Schulter als beschwichtigend , dann küßte sie ihr Haupt zwischen den gescheitelten Haaren , wie es vor ihr lag , brünstig und wiederholt in frommer Absicht . Lydie richtete sich auf , erst auf ihre Kniee , dann auf die Füße , und schaute zu ihrer Wohltäterin mit reiner Heiterkeit . » Wie geschieht mir ! « sagte sie , » wie ist mir ! Der schwere , lästige Druck , der mir , wo nicht alle Besinnung , doch alles Überlegen raubte , er ist auf einmal von meinem Haupte weggehoben , ich kann nun frei in die Höhe sehen , meine