für sich und Susannen ; Güldenkamm sagte ihm , daß er mit Musika seine Überfahrt bei ihm freispielen wollte , und Anton bezahlte auch für ihn . Susanna aber , wie sie auf der Fähre saß , fing heftig an zu weinen ; sie hatte das Tier so lieb gehabt , sie warf sich ihren Unverstand vor , nicht besser dafür gesorgt zu haben . Anton suchte sie zu trösten und vergaß sich darüber , nannte sie bald Susanna , bald Kurt , und küßte sie zärtlich . Güldenkamm hatte das mit allerlei lustigen Liedern schon begleitet , sie hatten es aber nicht beachtet ; endlich hörte doch Anton darauf , als er ihnen näher trat und sang : O tiefer Strom , der alle Welt durchschnitten , An deinem Ufer ist ein harter Stand ; Der alte Fährmann weiß da nichts von Bitten , Er fordert Lohn und strecket aus die Hand ; Ihm lohnet für ein schönes Kind der Ritter , Ein armer Spielmann fleht ihn an mit Schall : Bezahl für mich , es klingt dafür die Zither , Sonst kenne ich kein klingendes Metall . Der Ritter hat bezahlt für ihn die Fähre , Der Spielmann singt zu seines Ritters Lust , Von Liebesschmerz und Not und süßer Zähre , Ihm ist das tiefe Herz im Wort bewußt . Der Ritter horcht und läßt die Küsse kühlen , Die auf den Lippen herzlich glühend stehn ; In leerer Luft kann er die Küsse fühlen , Ein schmerzlich Ende durch den Anfang sehn . Da kömmt die Fähre zu dem andern Strande , Das schöne Kind geht fort an fremder Hand ; Der Ritter ruft : » Du sprengst die falschen Bande , Ich hab mich heim zu meiner Frau gewandt ! « Der Spielmann schlägt mit Jubel in die Saiten : » Nur einer Liebe folge , der sei treu ; Der Sänger mag dich zu der einen leiten , Er spielte dich , er spielte sich auch frei . « Anton hatte diese Worte mit Bestürzung gehört , er fühlte , daß er nicht in dem Sinne an seine Frau denken konnte ; noch mehr war er aber verwundert , als der Spielmann leichtfüßig mit Susannen aus dem Kahne sprang , ohne daß sich beide nach ihm umsahen . Susanna hatte nichts von dem Liede vernommen , der Klang der Zither und das Wesen des Fremden hatte ihr gefallen ; sie nahm gern seinen Arm , denn er war mit ihr in gleicher Größe , dahingegen sie zu Anton auflangen mußte , der selbst über große Männer um eines Kopfes Länge hervorragte . Anton sah ihnen nach und sah zu gleicher Zeit ein Brot im Kahne liegen ; fast mit fortschreitendem Beine und halb aufgehobener Hand fragte er den Fährmann , was er für das Brot haben wollte . Der Fährmann sagte , es sei Hungersnot im Lande , unter zwanzig Kreuzern könne er es nicht lassen . » Aber so wartet doch « , schrie Anton den raschen Fußgängern nach ; » sind deine Blasen am Fuße schon geheilt , Susanna ? Wißt ihr schon , wohin ihr wollt ? « Susanna und Güldenkamm standen still . » Alter , da habt ihr das Geld , aber sagt mir noch , wie weit das nächste Dorf ist . « » Kann Er denn nicht sehen ? « sagte der Alte ; » liegt es ja ! « Anton sah erst jetzt in großer Entfernung ein paar schwarze Dächer , die vom Acker wenig zu unterscheiden waren . Güldenkamm kannte das Dorf ; es sei eine Hecke für Wanzen und Flöhe , die allein hätten dort gute Nahrung , meinte er . Anton hatte bei dem Brote seine Verwunderung über Susannen lachend vergessen ; er teilte es schnell und war mit dem seinen fast fertig , ehe die andern noch angefangen , die ihm nun zur Ausgleichung von dem ihren aufzwangen ; es wollte ihm aber alles nicht helfen , die Lücke in seinem Innern , durch die Zehrung der Bewegung vermehrt , ließ sich nicht füllen ; er nahm im Scherz kleine Steine , hüllte sie in Brotkrume und verschluckte sie ; das tat ihm wohl . Susanne fand diesen Scherz entsetzlich , sie mußte weinen ; aber wie ein unartiges Kind , das die Kirschkerne nicht hinunterschlucken soll , erst tut , als wolle es dieselben aus dem Munde nehmen , sie zeigt und dann doch verschluckt , so hatte er eine eigene Freude an den Besorgnissen der beiden und fühlte sich endlich so wohl gesättigt , wie damals , als er die erste Trappe seiner Frau aufzehrte . Gegen Abend erreichten die Wanderer ein armes , sehr ödes Dorf ; die Bauern waren gutmütig gegen sie , aber sie hatten nichts - Hungersnot herrschte überall ; das Brot war mit Rinden und Eicheln gemischt , die Hütten übelriechend , dunkel , ohne Fenster und schmutzig . Anton hatte kaum hineingeblickt , so hatte er sich schon über ein Heulager geworfen , um seinen ermüdeten Fuß zu ruhen ; Susanna blickte kaum hinein , so wurde ihr von dem üblen Geruche und heißen Dampfe schwindlig ; sie mußte zurücktreten , und Anton drang in sie , seinetwegen sich nicht mit dem Elende der Hütte zu plagen . Sie ging also mit Güldenkamm an das Ufer des Stromes und las einzelne Beeren für Anton ; dann setzten sich beide der Abendröte gegenüber ; der Bach flüsterte so freundlich ; alles was am Himmel und auf Erden geschah , war Susannen eine neue Welt . Ihre fremdartigen Fragen ergötzten den Spielmann ; sie hatte eine so vornehme Vorstellung von der Welt gehabt und ihren eigenen Zustand in Augsburg so allen andern nachgesetzt , daß sie sich jetzt nicht beruhigen konnte , wie so viel Menschen noch elender lebten als sie ; sie redete die Bäuerinnen mit einer Art Rührung an , diese aber äußerten herzliches Mitleiden mit dem jungen Burschen , der so durch die