, zu so einer fixierten Verdrehung alles Kunstsinns gelangen könne ; » wunderten wir uns doch oft « , sagte er , » über unerklärliche leidenschaftliche Liebe zwischen ganz Ungleichartigen , die in ihrer Verbindung noch ärger wie dieser Palast erschrecken , aber keiner läßt sich träumen , welche geistige Zwischenglieder sie ganz natürlich verbinden ; es ist nichts heiliger in der Welt als die Gedanken und nichts muß heiliger gehalten werden ; manche Sünder erscheinen da schuldlos gegen die scheinbar guten und frommen Seelen , so entzieht ihnen auch der Heilige Geist ihre Kunstgaben nicht , während jene in sich aussterben und verarmen . « - Diese Äußerung des Grafen , ganz ohne Beziehung auf die Umgebenden , zog die Gräfin sich zu Gemüte ; sie glaubte die Fürstin , deren frühere Verbindung mit ihrem Vater und anderen sie kannte , als jene öffentliche Sünderin zu erkennen , und sich in der heimlichen wieder zu finden ; wie sie durch ihre Kinder von aller Äußerung ehemaliger Kunstanlage abgehalten , wie jene ihren ganzen Stolz in die Ausbildung ihres Talents gesetzt , das vermischte sich in ihrer tiefen Demütigung mit den Äußerungen des Grafen über die Austeilung des Heiligen Geistes ; sie wollte ihre Tränen zurückhalten , aber die gewaltsame Wirkung dieser Verzweiflung an sich , in ihrem Innern zusammengepreßt , störte den ruhigen Zusammenhang des Äußeren mit dem Inneren ; sie sank in einer Ohnmacht nieder . Der Graf schrieb es der ungewohnten Fahrt zu , und trug sie in den Garten . Erst nach einer Viertelstunde erwachte sie an der freien Luft in den Armen ihres Mannes , unter seinen Küssen und Tränen , die kühlend auf ihre Schläfe gefallen ; die Kanarienvögel sangen über ihr in dem Rosengebüsche . Sie wußte nicht wie ihr geschehen , es war ihr wie beim Erwachen nach dem Hochzeitfeste , noch einmal so selig , denn der Graf war ihr so viel teurer ; es schien ihr dasselbe und ein andres Leben , alle Besorgnisse dieser Tage wurden für eine Stunde von dem wunderlichen Schlosse beschworen . Der Graf drang aus Besorgnis wegen der Gräfin auf die Rückfahrt ; den Kindern tat es sehr leid , sie erzählten ohne Aufhören von dem Schlosse ; die Reise endete heitrer und traulicher , als das Ereignis mit dem Ringe erwarten ließ . Wer vermag es Ahndungen zu deuten ? Am Abende nach ihrer Rückkehr , wo in Gegenwart eines Mönchs aus dem nahen Franziskanerkloster , von dem Prinzen von Palagonien wieder gesprochen und verschieden gemutmaßt wurde , erregte er mit der Versicherung alle Rätsel lösen zu wollen , die allgemeine Aufmerksamkeit . » Habt ihr nie « , sagte er , » von dem alten Geschlechte der Stauffenberge in eurem Vaterlande gehört ? Peter von Stauffenberg war der letzte und schönste seines Geschlechts im deutschen Lande , von ihm stammen die Prinzen von Palagonien . « Die Fürstin fiel hier ein und erinnerte , daß freilich der echte männliche Stamm aus gültiger Ehe entsprossen , in Deutschland erloschen sei ; daß aber eine Tochter Sigelindens , die ihm nach einer alten Fabelgeschichte von einer Meerfeie geboren sei , also wahrscheinlich ein Kind , das er von einer Meerfahrt mitgebracht , die Stammutter ihres Hauses wäre . - Der Mönch meinte , sie würde in Hinsicht dieser Verwandtschaft sehr begierig sein den Prinzen kennen zu lernen ; die Fürstin aber versicherte , daß sie genug blödsinnige Vettern in ihrem Hause besäße , und der Mönch fuhr in seiner Geschichte fort : » Sie werden vielleicht nicht wissen , hohe Fürstin , wenn Sie gleich nach heutigem Welttone daran zweifeln , was die allgemeine Sage von diesem schönen Stauffenberge erzählt , der in aller Welt herum reiste , seine Schönheit und sein Geschick und ritterliche Tugend zu zeigen ; ich will seine Geschichte ganz kurz erzählen . Kein Mann konnte ihn weder im Ernste noch im Scherze bestehen , den Frauen war er eben so gefährlich , aber allen ihren Blicken , Sendungen und Verführungen blieb er verschlossen , als hätte die Natur alle seine Lust zum Schrecken , zur Gewalt aufgezehrt , daß der Liebe nichts geblieben . Als sich aber einst die Tochter des Kaisers Otto , Helena mit Namen , bei einem feierlichen Gestech in ihn verliebte , der Kaiser sie ihm zur Gemahlin bot und er sie öffentlich ausschlug , da mußte er bei Ritterpflicht dem Kaiser bekennen , was ihn im ehelosen Stande halte . Der Ritter von Stauffenberg bekannte , daß er mit einer schönen Meerfeie seit Jahren verheiratet sei , deren Name Nixe , nachher allgemein für die Geister der Wasser gebraucht worden ; ihr sei er mit seinem ritterlichen Handschlage verpflichtet , den er ihr einst bei seinem ersten Auszuge in die Fremde gegeben , als sie ihm Liebe und Schutz gegen alle Fährlichkeit seines Lebens zugesagt hätte . Wann er es wünsche und er allein sei , erscheine sie ihm in ewiger Jugend wie das erstemal , herrlich gekleidet aber mit nassen Haaren ; sie wäre dann gefällig seinem Willen als einer ehelichen Frau gezieme und habe ihm ein Mädchen Sigelinde geboren ; in allem öffentlichen Verkehre und was er denke und dichte , erscheine sie dagegen nie , aber sie flüstere ihm oft , wo er in Not sei , guten Ratschlag ein , und habe ihm erst den Morgen zugerufen , sich stumm zu stellen , was er aber aus Ritterpflicht unterlassen . Die Geistlichkeit erklärte die Meerfeie für einen Teufel , dem der Ritter entsagen müsse nach seiner ritterlichen Ehre , und der Kaiser schwor , daß er zum offenen Zeugnisse dieser Entsagung seine schöne Tochter Helena , die aus Liebe zu ihm sterbe , sogleich heiraten müsse . Der Ritter versicherte , daß die Meerfeie ihm heilig zugeschworen , er müsse nach dreien Tagen hinsterben , nachdem er die Treue zu ihr gebrochen ; aber die Ritter riefen einmütig , daß solche Furcht vor dem Teufel keinem Ritter gezieme , der Leib