werde nicht zu sterben wünschen , bis unser Sohn erzogen , bis des Vaters vielgeliebtes hohes Bild in seiner Seele noch ein Mal dargestellt ist . Ich werde Muth haben zu leben , und den Entschluß , den du gefaßt hast , zu billigen . Du sollst mich nicht umsonst deinen einzigen Freund nennen . Ich werde dein Zutrauen rechtfertigen , es erhebt mich über meinen Schmerz , über mich selbst , über mein Geschlecht . Ja , Agathokles ! du hast recht gethan - ich klage nicht . Was ich fühlen muß , wie öde mein Leben ist , weißt du . Du kennst mich , vor dir lag von jeher meine ganze Seele offen , ich könnte dir diese Gewißheit nicht entziehen , selbst wenn ich es aus falscher Großmuth wollte ; aber ich gelobe dir bei unserer Liebe , bei unserm Kinde , bei Gott , der unsere Herzen für einander gebildet hat , und dessen heiligen Willen ich selbst in dieser Trennung erkenne , daß ich dies öde Leben ertragen werde . Mit fester Zuversicht erwarte ich von Gott die Kraft , welche mir hierzu nöthig seyn wird . Er hat sie dem redlichen Willen , der kindlichen Unterwerfung noch nie versagt , und ich werde viel brauchen ! Noch ein heißer Wunsch liegt in den Tiefen meines bekümmerten Herzens . Ich möchte dich noch ein Mal sehen , nur ein Mal , ein Mal noch auf dieser Erde ! Ich habe etwas Wichtiges , sehr Ernstes mit dir zu sprechen - Etwas , was schlechterdings keinem Briefe , keinem , auch noch so treuen fremden Munde anzuvertrauen ist . Gern würde ich zu dir kommen , es ließe sich leicht thun , in Männerkleidern , als Tiridates Sclave , dem ja deines Kerkers Thore sich stets öffnen ; aber - ich weiß , ich erschrecke dich nicht , und sage dir auch nichts Unerwartetes - meine Gesundheit hat etwas gelitten , und ich sehe nicht ohne Besorgniß der Erscheinung eines Wesens entgegen , das unter solchen Umständen geboren , entweder das Licht gar nicht sehen , oder ein trauriges Daseyn nicht lange genießen wird . So sagen es mir die Aerzte vor , und ich gehorche ihnen , denn ich gehorche dir , deinem Wunsch nach meiner Erhaltung . Es ist aber gewiß nicht unmöglich , selbst von dem grausamen Galerius die Erlaubniß zu erhalten , unter allen möglichen Vorsichtsmaaßregeln , die deine Henker nach Gefallen nehmen mögen , dein Weib , dein Kind , vielleicht deine Kinder , von denen du keinen Abschied nahmst , nur ein Mal noch zu sehen . Ich habe Tiridates gebeten , sich für diesen heißen Wunsch zu verwenden , ich habe an meine Valeria geschrieben , diese Bitte ihrem Vater vorzutragen ; vielleicht erhalten wir sein Fürwort . Dem Vater , dem Wohlthäter so vieler Cäsarn , wird doch der begünstigte Sohn , dem er erst das ungeheure Geschenk der unumschränkten Herrschaft machte , diese Nachgiebigkeit nicht verweigern . Fürchte diese Zusammenkunft nicht , auf meine Gesundheit wird sie gewiß keine nachtheilige , auf mein Gemüth die beste Wirkung haben ; auch sollst du keine zaghaften Klagen , keine unerschöpflichen Thränen sehen . Nur sehen , nur sehen muß ich dich noch ein Mal , noch ein Mal die theuern Züge mit heißen Blicken betrachten , in mich aufnehmen , noch ein Mal den Ton deiner Stimme in meinem Innern wiederhallen hören , noch ein Mal Stärke , Freudigkeit , Ruhe und Kraft , ach ! für eine lange , einsame Zukunft aus deinem Umgange schöpfen ! Schlage mir diese letzte Bitte nicht ab , sie ist heilig , wie die Bitte einer Sterbenden . Ist es denn nicht Tod , nicht mehr als Tod , wenn unser besseres Selbst von uns scheidet ? Und über dies , es hängt davon eine Erfüllung ab , die mir unendlich theuer , so theuer wie meine Seligkeit ist . Du kömmst gewiß , ich weiß es , du kömmst . Aber noch Eins , geliebter Freund ! Ich habe besondere Ursachen , um zu wünschen , daß du nicht ohne heilige Vorbereitung kommest , ich wünschte , daß du deine reine Seele auch von dem kleinsten irdischen Flecken vorher reinigen , und dich in die Verfassung setzen möchtest , um das Abendmahl würdig zu empfangen . Forsche nicht um die Ursache dieser Bitte ; du wirst Alles erfahren , und du trauest mir zu , daß ich nichts Unbilliges fordern werde , nichts , was deiner und derjenigen unwürdig wäre , die den Stolz genießt , dein Weib zu seyn . Leb ' wohl - Leb ' wohl ! 112 . Valeria an Theophanien . Byzanz , im Mai 305 . Unglücksgefährtin ! Empfange den einzigen Trost , den ich dir geben kann , diesen Brief meines Vaters an den Galerius ! Mein unendliches Mitleid , meine Thränen hattest du seit dem Augenblick , als Constantin auf seiner Flucht durch diese Gegenden heimlich und unerkannt zu meinem Vater kam . O gütiger Gott ! Was ist das für eine Welt , was sind das für Menschen ! Ist es denn der Mühe werth zu leben , um unter Larven zu wandeln , die die hohlen Gesichter nach Gefallen auf diese oder jene Seite wenden , wie es die Rolle fordert ? Ich war so glücklich , ehe ich diese Welt kannte , die mich nun auf ein Mal mit ihren kalten feindlichen Armen ergreift und drückt , und peinigt . Constantin sprach mit aller Macht der Beredtsamkeit für seinen unglücklichen Freund bei meinem Vater . Er hat , er beschwor ihn , sein Ansehen dahin zu verwenden , daß ihm Galerius Freiheit und Leben schenke . Er stirbt für mich ! rief er ein Paar Mal in einem Ton , der mir durch die Seele drang . Sein Schmerz war unverstellt , und der Schmerz eines Mannes , eines Feldherrn wie Constantin , erschüttert tiefer , als das Leiden gewöhnlicher