ihm diese Helden erzeugen halfen , mit so vielem Wohlbehagen erinnert . Indessen , weil du bei einer scharfen Untersuchung am Ende doch wohl Recht behalten möchtest , gebe ich den Wolkenversammler mit seiner stieräugigen Gemahlin , und meinethalben alle andern unsterblichen Olympier der verdienten Züchtigung preis . Aber wenigstens hättest du der holden Musen , die uns aus dem Stande der rohen Thierheit gezogen und den Keim der Humanität in uns entwickelt haben , schonen sollen . Wie ? ( rief er in angenommenem komisch-zürnendem Tone ) haben sie ihre Strafe nicht schon dadurch allein reichlich verdient , daß sie dem alten blinden Sänger so viel tolles und ungebührliches Zeug auf Kosten der armen Götter weiß gemacht haben ? Denn , da er uns nichts singt als was sie ihm vorgesungen , fällt nicht billig alle Schuld auf sie ? Doch , wenn auch dieser Vorwurf nicht träfe , um eurer Allegorien willen kann ich keine Ausnahmen machen ; nicht einmal zu Gunsten der Grazien , die der feile Pindar den Orchomeniern zu Gefallen66 so hoch erhebt , und die du dort , nicht weit von der hochgeschürzten Austernymphe von Cythere , in Gestalt böotischer Kühmägde sich mit Faunen und Bocksfüßlern herumdrehen siehest . Hier ist nichts zu schonen ! Ich bin meines Daseyns nicht gewisser als der traurigen Wahrheit , daß der bloße Aberglaube dem Menschengeschlecht mehr Schaden zugefügt hat , als alle unsre übrigen Schwachheiten , Narrheiten und Laster zusammen genommen . Ich habe also Göttern und Priestern ewige Fehde angekündiget , und ich wundre mich nicht , daß mir , wiewohl ich nur ein Pfuscher in der Kunst bin , diese Zerrbilder so wohl gerathen sind : denn ich habe ( was vielleicht ohne Beispiel ist ) zugleich mit Liebe und mit Grimm daran gearbeitet , mit Liebe zum Werke selbst , und mit immer steigendem Grimm über die Gegenstände . Alles dieß , lieber Aristipp , wird dich nicht länger befremden , sobald ich dir sage : daß der Mann , den du vor dir siehst , Diagoras der Melier67 ist , von dem du , bei Gelegenheit , in der ganzen Hellas als einem Atheisten mit Abscheu und Schaudern reden gehört haben wirst , und der doch wahrlich diesen ehrenvollen Beinamen , so viel in seinen Kräften ist , zu verdienen suchen muß . Wie ? Ist ' s möglich ? rief ich : du Diagoras ? eben dieser Diagoras , der seit mehr als zwanzig Jahren für todt gehalten wird , und , wie die gemeine Sage geht , von der Rache der Götter überall verfolgt , in einem Schiffbruch unterging ! Sprich , versetzte er , von der Rache der Priester verfolgt , so hast du die Wahrheit gesagt ; ihrer Götter halben wollt ' ich mich in einem Kornsieb auf den Ocean wagen . Was ich dir sage ; ich , wie du mich hier siehest , bin dieser von den Athenern geachtete und durch ein fürchterliches Decret in allen Theilen Griechenlands verfolgte Diagoras von Melos , der , auf seiner Flucht nach Thracien , an der Küste der Abderiten Schiffbruch litt , und , zum redenden Beweise wie mächtig die Götter der Griechen sind , allein am Leben blieb , als das Schiff mit allen übrigen , die es am Bord hatte trotz der heißen Gelübde , die sie dem Erderschütterer Poseidon und Zeus dem Retter zuwinselten , ohne Rettung zu Grunde ging . Jetzt ward mir alles klar , was mich bisher an meinem Wirthe befremdet hatte , und nun erst erinnerte ich mich , was mir gestern nicht aufgefallen war , daß er bei Tische die gewöhnliche Libation vorbeiging , die kein Grieche , bevor er trinkt , aus der Acht läßt . Diagoras erzählte mir nun , mit welcher Mühe , Gefahr und Noth er sich in allerlei Verkleidungen von einer Insel des Aegeischen Meeres zur andern bis nach Lemnos geflüchtet , wo er zufälligerweise erfahren , daß die Athener eine große Belohnung für den , der ihn todt oder lebendig liefern würde , durch ganz Griechenland ausrufen lassen ; wie er , aus Furcht zu Lemnos entdeckt zu werden , etliche Monate sich in Wäldern und Bergklüften verbergen , und sein Leben kümmerlich mit rohen Wurzeln und wilden Früchten habe fristen müssen , und wie er endlich unverhofft in einem Schiffe aufgenommen worden , das für Byzanz befrachtet war , aber das Unglück hatte , von einem Sturm an die Thracische Küste geworfen zu werden , und nicht weit von Abdera zu scheitern . Diagoras , der sich durch Schwimmen ans Land gerettet hatte , erinnerte sich jetzt seines Freundes Demokritus , bei welchem er Rath und Unterstützung zu finden gewiß war : als er sich aber zu Abdera nach ihm erkundigte , hieß es , er sey schon vor geraumer Zeit weggezogen , ohne daß man wisse was aus ihm geworden sey . Zu gutem Glücke traf er auf einen seiner ehmaligen Jugendfreunde , der indessen ein bedeutender Mann in Abdera geworden war , und sich seiner sehr lebhaft annahm . Das Decret der Athener war auch hier bereits angekommen , und von den Abderiten , zum Beweis ihres Eifers für die Sache der Götter , öffentlich bekannt gemacht worden . Da sich nun leicht jemand finden konnte , der die ausgesetzte Belohnung hätte verdienen mögen , so verbarg ihn sein Freund sorgfältig auf einem seiner Landgüter im Macedonischen ; und weil Diagoras keinen andern Wunsch mehr hatte , als sein übriges Leben in gänzlicher Verborgenheit zuzubringen , kamen sie nach Verfluß einiger Zeit auf den Gedanken , ihm in Thessalien , auf einem der wildesten und unzugangbarsten Theile des Ossa , wo ihn niemand suchen würde , eine Wohnung zu verschaffen . Es fand sich eine geräumige Felsenhöhle , welche mit geringer Mühe zu einer Einsiedlerei , wie er sie nöthig hatte , zugerichtet werden konnte , und in ein von steilen Klippen umgürtetes Thal auslief , wo er sich mit Anpflanzung und Wartung