erwarten , daß ich meinen heiligsten Überzeugungen untreu werde , indem ich den entscheidendsten Schritt meines Lebens tue . “ „ Und dennoch forderst Du dasselbe von mir ? “ „ Das Weib hat keine Überzeugung , Ernestine , es hat nur Gefühle für oder gegen eine Sache . Wo es sich aber um Gefühle handelt , muß das stärkere das schwächere verdrängen . Du hattest bisher nur Empfindung für die Leiden Deines Geschlechts , weil Du selbst nichts Anderes kanntest . Wenn Du liebst , wirst Du auch seine Freuden kennen lernen und den Wünschen des Gatten um so leichter den nutzlosen Kampf für dasselbe zum Opfer bringen . “ „ Glaubst Du ? “ fragte Ernestine mit ungewöhnlicher Schärfe . „ Ich hoffe es , denn nur so könnten wir glücklich werden . Ich bin ein ehrlicher Mann , ich sage Dir im Voraus , was Dich an meiner Seite erwartet . Ich will Deinen Entschluß nicht durch Schmeicheleien und falsche Nachgiebigkeit bestimmen . Du sollst ihn fassen mit dem vollen Bewußtsein der Pflichten , die er Dir auferlegt — sonst ist er wertlos . Du wirst denken , dies sei eine allzu barsche Art der Brautwerbung und Du magst Recht haben . Ich will aber mein Weib nicht durch Künste der Galanterie gewinnen , durch welche die Eitelkeit jeder Frau zum mächtigen Bundesgenossen des Werbenden wird . Ich will mein Weib keiner Schwäche verdanken und Eitelkeit ist eine solche . Deine Liebe für mich soll Deine Stärke sein . Groß möchte ich Dich sehen , wenn ich Dich zum ersten Male in meine Arme schließe und wann ist ein Weib größer , als indem es sich seiner selbst entäußert und seinen Stolz bezwingt , um sich dem Manne dahinzugehen . Sich selbst zu bezwingen , ist eine Tat , die Helden zu schwer fanden , welche ganze Völker bezwungen hatten , ist eine Tat der höchsten menschlichen Vollendung . Freilich die Welt wird Dir nicht Beifall klatschen , die größten Taten sind es oft , die sich den Augen der Menge entziehen , denn schon in dem Verzichten auf Anerkennung liegt eine Hoheit , deren sich Wenige erfreuen . Wie viel irdische Erhabenheit verbirgt sich nur zum Beispiel hinter den Mauern eines Klosters , an denen die Welt gedankenlos vorüberflutet , — wie manches Herz feiert da still verblutend den letzten schwersten Sieg , — den über alles Menschliche und es hat Niemanden , der ihm lohnt , Niemanden , der ihm den Lorbeer auf die Stirne drückt . — Was wartet seiner nach all den unermeßlichen Schmerzen ? — Das Grab ! Du , Ernestine , sollst ungleich leichtere Entsagung üben und für Dein Opfer den schönsten Beifall ernten , den ein Weib fordern kann , die Glückseligkeit eines liebenden Gatten . Kannst Du noch zaudern , mußt Du noch kämpfen ? — Kann sich diese königliche Seele nicht befreien aus der Knechtschaft einer ihr aufgedrungenen falschen Ehrsucht ? O , Ernestine , laß mich nicht länger stehen , sprich ein Wort , wem willst Du ferner gehören , Deinem Oheim — oder mir ? “ „ Mir selbst , — denn kein Mensch kann eines andern sein ! “ und sie maß Johannes mit einem fast feindlichen Blick . „ Ja , jetzt sehe ich , daß Du der Sohn Deiner Mutter bist — ich sehe ihre strengen Züge , ich höre ihre tadelnde Stimme , ich sehe mich zwischen Euch als ein willenloses Wesen , das nicht mehr selbstständig denken und fühlen , noch weniger es wagen darf , vor der Welt etwas zu bedeuten . Ich sollte den leitenden Gedanken meines Lebens , die Sehnsucht meiner Tage und Nächte von mir werfen wie ein Kleid , sollte jetzt mit Dir vor diese Mutter hintreten , mich auf Gnade und Ungnade ergeben , mich wie ein Kind entschuldigen und versprechen , mich zu bessern , um demütig den Kuß herablassender Verzeihung von ihren kalten Lippen zu empfangen ? Nein , nochmals nein ! Was berechtigt denn Deine Mutter , mich wie eine Missetäterin bessern und retten zu wollen ? Wem habe ich noch je etwas zu Leide getan , gegen welches Gesetz der Sitte gefehlt , daß sie mich behandelt , wie ein gemeinschädliches Übel ? Ich habe still und abgeschieden für mich gelebt , kein Glück gefordert , als das der Arbeit . Was befugt sie , mir ein anderes aufzudrängen und mir zu zürnen , wenn es mir nicht als solches erscheint ? Habe ich sie aufgesucht , bin ich Dir nicht mit Widerstreben auf Deine dringenden Bitten zu ihr gefolgt , was veranlaßte sie , mich wie eine Überlästige fortzutreiben und mir Bedingungen für eine Wiederkehr zu stellen , nach der ich gar nicht Verlangt ? O , Johannes ! Wenn Du mich großherzig , wie Du mir zuerst erschienen , geliebt hättest , nicht wie ich sein sollte , sondern wie ich bin , mit all meinen Fehlern und Seltsamkeiten — ich hätte für Dich getrachtet , das vollkommenste Wesen zu werden . Und wenn Du mir gesagt hättest : Sei mir Gefährtin , ich werde Dir helfen , für die Ehre Deines Geschlechts zu kämpfen , was Dir heilig ist , soll es auch mir sein , — wenn Du so meiner Individualität Rechnung getragen , mir Dein Glück , Deine Ehre vertraut hättest ohne weitere Bürgschaft , als die , welche Dein Herz für mich leistete , — ich hätte mich gebeugt vor der Gewalt eines solchen Gefühls , — ich hätte Dir freudig meine Freiheit zum Opfer gebracht , — ja sogar das schwerste : ich hätte mich Dir zu Gefallen — vor Deiner stolzen Mutter gedemütigt ! — So aber Du kommst als ihr verstärktes Echo — nun Du es als unerläßliche Grundlage unseres Glückes betrachtest , daß ich sei , wie sie es will . Dich im Voraus ängstlich versicherst , ob ich mich auch allen Deinen Anforderungen unterwerfen werde , auf daß Du mit