Herzen einnisteln , wenn Du wolltet : wider Deinen Willen ergriffen wirst Du der Hand ausweichen , wie eine geistige Essenz - Du wirst verschwinden , ehe ich Deinen Duft einhauche . O ! komm , Johanna , komm ! ” Als er dies sagte , ließ er mich aus seinen Händen los und sah mich nur an . Dem Blicke war weit schwerer zu widerstehen , als dem verzweifelten Drucke ; doch nur eine Wahnsinnige hätte jetzt unterlegen . Ich hatte seiner Wuth getrotzt und sie zurückgeschlagen ; ich mußte auch seinem Kummer ausweichen und zog mich zur Thür zurück . " Du gehst , Johanna ? ” " Ich gehe , mein Herr . ” " Du verlässest mich ? " “ Ja . ” " Du willst nicht kommen ? - Du willst nicht meine Trösterin , meine Retterin sein ? Meine innige Liebe , mein wildes Weh , meine wahnsinnige Bitte , ist Dir denn Alles Nichts ? ” — Welcher unaussprechliche Pathos lag in seiner Stimme ! Wie schwer war es , mit Festigkeit zu wiederholen : “ Ich gehe . " " Johanna ! " " Herr Rochester . " " Entferne Dich denn — ich willige ein — aber bedenke , daß Du mich hier der Qual überlässest . Geh auf Dein Zimmer und überdenke Alles , was ich gesagt , und , Johanna , wirf einen Blick auf mein Leiden denke an mich . ” Er wendete sich ab und warf sich mit dem Gesichte auf das Sopha . " O Johanna ! meine Hoffnung - meine Liebe-- mein Leben ! ” entfuhr qualvoll seinen Lippen . Dann kam ein tiefes heftiges Schluchzen . Ich hatte bereits die Thür erreicht : aber , Leser , ich kehrte zurück — kehrte eben so entschlossen zurück , als ich mich entfernt hatte . Ich kniete neben ihm nieder ; ich wendete sein Gesicht von dem Kissen zu mir ; ich küßte seine Wange ; ich glättete sein Haar mit meiner Hand . " Gott segne Sie , mein lieber Herr , " sagte ich . “ Gott schütze Sie vor Leid und Unrecht - lenke und tröste Sie — belohne Sie reichlich für ihre frühere Güte gegen mich . ” " Der kleinen Johanna Liebe wäre meine beste Belohnung gewesen , " antwortete er , " ohne sie ist mein Herz gebrochen . Aber Johanna will mir ihre Liebe schenken , ja — edel und großmüthig . " Das Blut stieg in sein Gesicht ; Feuer flammte aus seinen Augen ; er sprang auf : er breitete seine Arme aus ; aber ich entschlüpfte der Umarmung und eilte sogleich aus dem Zimmer . " Lebe wohl ! " war der Schrei meines Herzens als ich ihn verließ . Die Verzweiflung fügte hinzu : " Lebe wohl auf ewig ! ” In jener Nacht dachte ich nicht schlafen zu können ; aber der Schlummer bemächtigte sich meiner , sobald ich mich zu Bette legte . Ich sah mich in Gedanken unter die Scenen meiner Kindheit versetzt : ich träumte , ich läge in dem roten Zimmer in Gateshead ; die Nacht war dunkel und mein Geist von seltsamer Furcht befangen . Das Licht , welches mich vor langer Zeit in eine Ohnmacht versetzt hatte , kam mir im Traume vor , schien langsam an der Wand aufzusteigen und bebend im Mittelpuncte der verdunkelten Decke zu verweilen . Ich erhob den Kopf , um zu sehen : die Decke glich hohen und düsteren Wolken , der Schimmer glich dem , den der Mond den Dünsten mittheilt , die er zu zertheilen im Begriff ist . Ich wartete , daß er hervorkommen sollte — wartete mit mächtiger Ahnung , als müßte ein Urtheilswort auf seiner Scheibe geschrieben stehen . Er brach hervor , wie noch nie der Mond aus den Wolken hervorgebrochen : zuerst streckte sich eine Hand aus den schwarzen Falten hervor und winkte den Wolken sich zu entfernen , dann erschien nicht der Mond , sondern eine weiße menschliche Gestalt in dem Azurblau und neigte die Strahlenstirne erdwärts . Sie blickte und blickte mich an . Sie sprach zu meinem Geiste : und unermeßlich fern war der Ton , und doch flüsterte er so nahe in mein Herz : " Meine Tochter , fliehe die Versuchung ! “ Mutter , ich will es . ” So antwortete ich , als ich aus der Verzückung des Traumes erwacht war . Es war noch Nacht , aber die Julinächte sind kurz : bald nach Mitternacht kommt schon die Dämmerung . “ Es kann nicht zu früh sein , die Aufgabe zu beginnen , die ich zu vollführen habe , " dachte ich . Ich stand auf : ich war angekleidet , denn ich hatte nur meine Schuhe ausgezogen . Ich wußte , wo ich in meinem Schranke einige Wäsche , eine Haarlocke und einen Ring finden werde . Als ich diese Gegenstände suchte , kam mir das Perlenhalsband in die Hände , welches ich vor wenigen Tagen von Rochester hatte annehmen müssen . Ich ließ es zurück ; es war nicht mein : es gehörte der Braut meiner Träume , die in Luft zerflossen war . Die andern Gegenstände packte ich zu einem : Bündel zusammen : meine Börse , die mein ganzes Vermögen enthielt , welches in zwanzig Schillingen bestand , steckte ich in die Tasche , setzte meinen Strohhut auf , steckte meln Tuch fest , nahm das Packet und meine Schuhe , die ich noch nicht anziehen wollte , und schlich mich aus meinem Zimmer . " Leben Sie wohl , gute Mistreß Fairfax ! ” flüsterte ich , als ich an ihrer Thür vorüberschlüpfte . “ Lebe wohl , Adele , mein Liebling ! ” sagte ich , als ich die Thür der Kinderstube anblickte . Es war nicht daran zu denken , hineinzugehen und sie zu umarmen Es galt , ein feines Ohr zu täuschen und vielleicht mochte es jetzt horchen .