wenn sie verschluckt sind . « Lachend nickte der Herzog und spähte wieder in die nördliche Ferne , in der die Staubwolke deutlicher wurde . » Der Mann ist dein . « Er zitterte heftig , und immer heißer brannte das Fieber auf seinen Wangen . Hauptmann Seipelstorfer guckte verdutzt den Fürsten an , stellte aber keine Frage . Und Runotter , mit den Fäusten den Schwertgriff umklammernd , hatte um den harten Mund ein ruhiges Lächeln ; nichts anderes sah er als die graue , wachsende Wolke in der Ferne . Er hörte auch nicht an seiner Seite diesen mühsamen Atemzug , der wie das zerbissene Stöhnen eines unerträglichen Schmerzes war . Nur Malimmes vernahm diesen Laut . Mit ein paar flinken Sätzen sprang er zu Jul hinüber , ließ sich neben dem gebeugten Buben nieder und legte ihm den Arm um die Schultern . Jul beugte das Gesicht noch tiefer gegen die stahlgeschienten Knie . Da rüttelte ihn Malimmes und flüsterte : » Eine Nacht und einen Tag noch ! Und du leidest nimmer . Oder wir alle liegen da drunten im Dachauer Moos . So oder so , die Ruh finden wir allweil . « Langsam hob Jul das Gesicht . Malimmes erschrak vor diesen irrenden , von Gram und Sehnsucht verbrannten Augen und preßte ungestüm mit seinem eisernen Arm das junge Menschenkind an sich , das kränker an seiner Seele war als Herzog Heinrich in seinem Fieber . Einer von den Trabanten sah die beiden spöttisch an , gab seinem Nebenmann einen Puff mit dem Ellbogen und zwinkerte gegen Jul und Malimmes hin . In der näher kommenden Staubwolke , deren graue Schleier über die Wiesen und Felder auseinanderflossen , war schon das Waffengefunkel der Reiterschwärme zu erkennen ; bald sah man einzelne Banner , unterschied die langen Klötze des geschlossen marschierenden Fußvolkes und den endlos scheinenden Schwanz , den hinter dem mächtigen Heerhaufen die Troßwagen bildeten . Herr Heinrich , dem die Zähne schauerten , beugte sich kichernd gegen den Hauptmann Seipelstorfer hin . » Jetzt frage , wo Regensburg liegt ! « » Herr ? « » Weißt du noch immer nicht , wer da kommt ? Eine große , große Maus . Die hungrig ist , aber das Schlageisen nicht wittert . Gott ist gerecht , lieber Seipelstorfer ! Da drunten zwischen dem Dachauer Moos und dem Haspelmoor ? Weißt du , was da den starken Loys erwartet ? Die Vergeltung für Marzoll und Piding . « Der Herzog lachte . » Und der da drunten hat keinen Galgenvogel , der morgen in fünfthalb Stunden vom Dachauer Moos nach Ingolstadt reitet . « Mit leisen Worten , die immer langsamer wurden , sprach er vor sich hin : » Er ist klug , dieser starke Loys ! Sehr klug ! Aber die Schwachen sind zuweilen noch klüger . Und Krüppel gibt es , die zu hilfreichen Vipern werden . Was sagst du , Seipelstorfer ? War das nicht ein feiner Gedanke des Loys : die Münchener Vettern zu zwicken , während die friedsame Laus von Burghausen nach Regensburg zum König kriecht ? « » Herr ? « fragte der Seipelstorfer unwillig und deutete gegen den von Staubwolken umdampften Heerhaufen . » Wissen das die Fürsten zu München ? « Lächelnd schüttelte der Herzog den Kopf . » Die schlafen den Schlaf der Biederen . Sie werden erwachen heut nacht , derweil sie von Frieden träumen . « Er kicherte in einem Schauer seines Fiebers . » Der Wessenacker - der Beste , den der Loys noch hat - ist gestern am Abend mit siebenhundert Gäulen da drunten durchgezogen . Jetzt liegt er an der Würm . Wenn der Abend dunkelt , wird er München überrumpeln . « Seipelstorfer sprang erschrocken auf und rief : » Einen Boten ! Einen flinken Boten ! Malimmes - « Da faßte ihn der Herzog , dessen brennendes Gesicht sich verzerrte , mit krallender Faust am Saum des Waffenrockes . Der Hauptmann wollte reden . Doch beim Anblick der zornglühenden Augen seines Fürsten verstummte er . Und Herr Heinrich zog an dem Waffenrocke , bis der Seipelstorfer sich wieder ins Gras setzte . » Du ? Bist du ein Kind ? Ich denke , du bist ein Mann ! Und der meine ! Da solltest du rechnen können . Für deinen schwachen Herrn . Ein geschröpftes München ist mir tauglicher als ein blutstrotzendes , das mir den Ellbogen und die Lende bedrückt . Grob werden sie dreinschlagen , diese biederen Münchener , heute nacht , wenn sie aufwachen aus ihrem friedlichen Bierschlummer . Aber Blut werden sie lassen . Und der starke Loys wird an Mark und Knochen verlieren . Sehr merklich . Und dann klopfen wir ihm den müden Rücken . « » Gnädigster Herr ! Das wird Euch der König übel vermerken . « » Meinst du ? Ich glaube , es gibt für seinen Groll ein beruhigendes Pflaster . Herr Sigismund ist wieder in der Klemme . Ich will ihm dreißigtausend Dukaten borgen . Die reisen heute von Burghausen nach Regensburg . « Herr Heinrich wollte lachen . Aber da machte er plötzlich mit dem Oberkörper einen sonderbaren Tunker gegen den Boden hin . Erschrocken griff der Hauptmann mit beiden Händen zu , und auch Malimmes sprang zu dem Fürsten hin . Der Herzog hatte sich schon wieder aufgerichtet . Mit der Hand wehrte er die Besorgten von sich ab . Seine Augen hatten den ziellosen Blick eines halb Bewußtlosen , doch seine Stimme klang fest und ruhig : » Seipelstorfer ! Paß auf ! Am Abend wird der Loys da draußen sein Lager machen , vor dem schmalen Hartboden , der zwischen dem Haspelmoor und dem Dachauer Moos gegen Bruck und Alling zieht . Da wird er warten , bis ihm von München her vier Feuersäulen künden , daß die Stadt genommen ist . Manches wird gehen , wie Gott will . Eins wird kommen nach des Teufels Wunsch . Zuweilen ist er hilfreich