Hand zu reichen . Ich wies ihn abermals zurück , wiewohl ich mich geneigt stellte , ihm als Schaffnerin zu dienen . Dabei beruhigte er sich , hoffend , die Zeit werde mich willig machen , und zog wieder in den Krieg . Hierauf hatte ich nur gewartet , entschlossen , sein Haus zu verlassen . Doch wohin mich wenden ? Dich hielt ich ja für tot , Verwandte hatte ich nicht mehr , und von Marianka war keine Spur zu finden . Wußte sonst niemanden , wo ich Zuflucht suchen konnte , als die Preislerin in Schreiberhau . Ging sie also brieflich an , mich bei sich aufzunehmen , damit ich vom Ritter Zetteritz nicht zu einer mir widerstrebenden Ehe gedrängt werde . Wenige Tage nachdem ich den Brief abgeschickt hatte , erhielt ich Botschaft , Zetteritz sei auf dem Heimwege und könne jede Stunde eintreffen . Unverzüglich raffte ich meine geringe Habe zum Bündel zusammen und wollte mit meinem Knaben eben aus der Wohnung gehen , als meine Magd meldete , es sei da ein Weib zu Pferd gekommen und habe Wichtiges mit mir zu reden . » Laß eintreten , « sagte ich , und es kam eine Jungfer , gut gekleidet , fein und schön von Antlitz und Gestalt ; hatte flächsern Haar und eine weiße Haut , jedoch , was selten dabei zu finden , kohlschwarze Augen ; die dunklen Brauen waren ob der Nase zusammengewachsen . Sie neigte sich und küßte mein Gewand ; sie komme von der Preislerin , sagte sie , mich nach Schreiberhau zu holen . Gab sich für eine Emigrantin aus , so glaubenshalber verfolgt , zu Schreiberhau ein ander Heim gefunden habe . Nannte sich Berthulde . Ungeachtet sie liebreich tat , entging mir nicht etwas Lauerndes , Wildes in ihrem Blicke . Doch ich beschwichtigte mein leis Mißtrauen , zumal sie alsogleich eine lebhafte Neigung für den Knaben zeigte . Als sie vernommen , es sei mein Kind , fragte sie , ob Zetteritz der Vater . » Nicht doch ! « entgegnete ich und konnte meinen Unwillen nicht ganz verhehlen . » Nichts für ungut , gnädige Gräfin , « bat die Jungfer ; » Ihr habt ja der Preislerin geschrieben , daß Ihr längst im Hause eines Ritters weilet , der Euch zum Weibe begehrt . Aber wollet mir sagen , wie Euer Knabe geheißen . « - » Johannes , « entgegnete ich . Da verschlang sie ihn mit lodernden Augen und nickte : » Wie sein Vater . « Ich stutzte : » Was weiß Sie denn von seinem Vater ? « Sie lächelte : » Ich habe nur sagen wollen , daß er seinem Vater ähneln muß , inmaßen die Frau Gräfin ja braune Augen und dunkles Haar , der kleine Johannes aber blaue Augen und güldene Locken hat . « Dabei kniete sie zum Kinde , schaute ihm zärtlich ins Gesicht und küßte es . Lieb war mir , von der Jungfer zu hören , daß sie Pferde für uns bereithalte . An einem Bachbrücklein unweit des Dorfes wollten wir uns treffen . Vor den Augen der Magd nahm Berthulde Urlaub und ritt davon , indessen ich mit dem kleinen Johannes in den Garten ging und durch ein Hinterpförtlein ins nahe Gebüsch schlüpfte . Auf einem Umwege gelangte ich zum Bachbrücklein und fand die Jungfer mit zwei Reisepferden . Unverzüglich stieg ich in den Sattel und ließ mir den Knaben reichen . Berthulde schwang sich gleichfalls aufs Pferd , und wir trabten los . Meine Führerin wählte lauter einsame Waldwege . Abends kamen wir in ein Dorf namens Altenhain und wollten daselbst herbergen . Die Jungfer besorgte im Gasthause für uns Quartier . Die Pferde wurden in den Stall gebracht , und wir aßen zu Nacht . Berthulde war gern um den kleinen Johannes beflissen und hätschelte ihn . Derweilen kamen andere Gäste . Ein Planwagen , mit zwei Pferden bespannt , ward von einem Mann soldatischen Aussehens in den Hof geführt . Herunter stiegen zwo Frauen mit einem Kinde . Als die Pferde eingestellt waren , kamen die Leute in die Wirtsstube und setzten sich . Des Kindes Mutter war bleich und krank . Der Mann bestellte beim Wirt zu essen . Die neuen Gäste sprachen nur leise mitsammen . Ich hörte , wie der Mann Heinrich genannt wurde und das gesunde Weib Schwester Sibylle anredete . Nach beendeter Mahlzeit suchten wir unsere Kammer , wo eine Streu mit Decken belegt war . Der kleine Johannes schlief sofort ein , wir aber beredeten noch dies und jenes . Berthulde brachte das Gespräch auf den Ritter Zetteritz , und mich überraschte ihr Wort : » Warum will die gnädige Gräfin nicht den Ritter heuren ? « Von neuem stieg mir Mißtrauen auf , und ich fragte , wie sie dazu komme , mir den Ritter Zetteritz zu empfehlen . » Es wäre doch für den kleinen Johannes gut , einen Vater zu haben , zumal wenn es ein Ritter ist , « antwortete sie . Ich schwieg , und wir legten uns schlafen . Ich fand aber wenig Ruhe , da ich mir Gedanken über der Jungfer verdächtige Art machte . Mitten in der Nacht ward ich inne , wie Berthulde sich aufrichtete und nach mir lauschte , wie sie dann behutsam sich erhub und aus dem Gemach schlich . Argwöhnisch folgte ich ihr und sahe , wie sie über den Hof in den Pferdestall ging . Nach einer Weile kehrte sie zurück , ich huschte vor ihr in die Kammer und stellte mich schlafend , während sie auf leisen Sohlen kam und sich niederlegte . Was hatte sie bei den Pferden zu schaffen ? Es ließ mir keine Ruhe , und wie ich bald darauf die Jungfer schnarchen hörte , schlich ich zur Kammer hinaus , die Treppe hinunter , zündete eine vorgefundene Laterne an und trat in den Pferdestall . Durchleuchtete ihn , um herauszufinden , was Berthulde Heimlichkeit getrieben