Hedwig vollführte an ihrem Nachbar das Vorhergesagte glücklich und schlüpfte leise zwischen den schlafenden Gestalten hin , hier über ein Bein , dort über einen Arm hinwegschreitend - plötzlich entstand ein Geräusch vor der Scheune , und mehrere Kosaken fuhren in die Höhe ; Hedwig , die just neben Valerius angekommen war , kauerte sich zusammen ; die Kosaken riefen hinaus , und man antwortete von draußen ; Hedwigs Lage war peinlich , und wenn ihr eigentlicher Wächter erwachte , so wurde sie mehr als dies . Dennoch schnitt sie in Eile die Stricke um Valerius Hände durch und gab ihm das Messer , damit er Joel ein Gleiches tue . Mit Entsetzen gewahrte sie , daß auch ihr Wächter jählings sich aufrichtete und seine Stimme zu einigen unverständlichen Lauten erhob - aber wie bewußtlos und vom Schlaf überwältigt fiel er sogleich wieder zurück ; es ward still . Schweigend verharrten die drei zur Flucht Fertigen ; Joel ergriff im Drange seines Gefühls Hedwigs Hand , um sie zu küssen , sie zog dieselbe aber rasch zurück , und Valerius bei der seinigen ergreifend eilte sie vorsichtig über die Schläfer hinweg nach dem Tore . Dort schlüpften alle drei durch die Öffnung , welche durch losgerissene Planken geboten war . Sie standen im Freien , der Wald lag nur etwa zwanzig Schritt entfernt , die Nacht war schwarz und finster , wenige Kohlen glühten noch in den Haufen . Es mußte aber darauf gerechnet werden , daß an mehreren Punkten eine reitende Schildwacht aufgestellt sei , die man umgehen müsse ; die schwere Aufgabe blieb auch noch übrig , sich durch den Knäuel von Pferden und Lanzen und auswärts Schlafenden ohne Geräusch hindurch zu schleichen ; Hedwig riß eine Pike aus der Erde , die beiden Folgenden taten ein Gleiches , sie waren glücklich den gefüllten Kreis passiert , da hörten sie dicht neben sich den langsamen Tritt eines Pferdes . Dies war der patrouillierende Kosak ; sie bückten sich rasch zur Erde , sein Auge aber , schon mehr an die Nacht und Dunkelheit gewöhnt , schien doch etwas gesehen zu haben , er hielt sein Pferd an und streckte wie prüfend und untersuchend die Lanze nach der Gegend , wo sie kauerten . Hedwig , welche zunächst damit in Berührung kam , schlug sie fort , sprang auf und stieß ihre Pike mit aller Anstrengung nach dem Reiter . Ein Schrei , eine lebhafte Bewegung des Pferdes war die nächste Folge . Die Fliehenden eilten jetzt rücksichtslos schnell nach dem Walde , hinter sich hörten sie den schnellen Pferdetritt und ein paar hin und her fliegende Kosakenworte , zuverlässig war es der zweite Wachtposten , welcher zu dem ersten , getroffenen heransprengte , das Nötige hörte , das Pferd nach ihnen wendete und schreiend hinter ihnen dreinsetzte . Sie waren eben bis zwischen die Bäume gekommen , ein Ruck verriet , daß der Lanzenstich des Kosaken gegen einen Stamm geprallt war , wenige Momente darauf knallte ihnen aber ein Schuß nach , und sie hörten den Lärm der aufgeschreckten Schläfer . Hedwig , welche wieder die Hand von Valerius ergriffen hatte , zuckte heftig zusammen , sie war getroffen . Nur eine kleine Strecke konnte sie noch vorwärts , dann brach sie zusammen ; der Wald war ein dichtes Gestrüpp ; Valerius trug sie noch einige Schritte mit Hilfe Joels , der bei Erkennung des Unglücks in Jammer ausbrechen wollte und nur mühsam von Valerius zur Ruhe gebracht wurde . Mitten in dem dichten Gestrüpp kamen sie auf einen kleinen lichten Fleck , etwa von der Größe eines Zimmerchens ; dort ertasteten sie einen mit der Wurzel herausgerissenen Baum ; durch die ausgehobenen Wurzeln hatte sich unten eine Art Höhlung gebildet , da hinein brachten sie das arme Mädchen . Unterdessen entstand rings im Walde ein brausendes Getümmel der nacheilenden Kosaken , die in den eng stehenden Bäumen nicht wohl fortkamen ; bald sahen die Flüchtlinge über das Gestrüpp herüber auch Kienspäne leuchten ; aber man glaubte die Fliehenden schon weiter , es hielt sich kein Verfolger damit auf , durch das dichte Gesträuch einen beschwerlichen Weg zu suchen . Der Lärm und die Gefahr hörten aber keinen Augenblick auf , und man mußte des Schlimmsten gewärtig sein . Der Schuß war in den Rücken des Mädchens gedrungen , die Sprache wurde immer schwächer , der Tod näherte sich schnell . Und noch in diesem Zustande wies sie die beflissenen Dienstleistungen Joels zurück . Als der weiter spähende Teil der Kosaken wieder am Versteck vorüber zurückzukehren schien , starb die arme Hedwig in Valerius ' Armen . Die Freunde saßen erstarrt und schweigend bei der Leiche bis zum Morgen ; der Gedanke an den nahen Feind schien ganz vergessen zu sein ; wenigstens ging Joel ohne weitere Vorsicht , sobald es Tag geworden , hinüber nach dem Heidedorfe , um ein Grabscheit zu leihen . Die Kosaken waren glücklicherweise fort , er fand den Spaten , grub auf der kleinen Lichtung seiner Geliebten , die bis in den Tod seine Liebe abgewiesen hatte , ein tiefes Grab und bestattete sie mit dem ebenfalls schweigenden Freunde in schauerlicher Waldesstille . - Sie waren später auf dem Wege nach Joels Vaterstädtchen , wo der alte Manasse schwerkrank daniederliegen sollte . Valerius konnte den Versuch nicht mehr wagen , durch die verfolgenden Russen hindurch bis zu Ramorinos Korps zu dringen , er mußte Joels Vorschlag annehmen . Dieser war Tag und Nacht mit ihm durch die Wälder gewandert , zehnmal hatten sie seitab sich bergen müssen , um den russischen Truppen zu entgehen ; Joel hatte nur das Allernotwendigste gesprochen ; am nächsten Morgen war ihm der starre Schmerz in strömende Tränengüsse aufgegangen , und damit war ihm denn auch die Sprache wiedergekommen , und er konnte in einem gewissen Zusammenhange folgendes vorschlagen : Valerius solle mit zu Manasse kommen , von dort wollte ihn Joel nach Krakau bringen . » Dort , « sagte er , » werden wir diese