dann die links daneben gelegene große Rajewskischanze zu nehmen . Aber schon begann es an den Kräften dazu zu fehlen , wenigstens in der Front . Die Divisionen des Davoustschen Corps waren nur noch Schlacke , die des Neyschen kaum minder , und nur die Division Friant war noch intakt . Sie erhielt Befehl zum Vorgehen und nahm jetzt die Tête , während die schon im Feuer gewesenen Divisionen aufschlossen . Die Bravour des Angriffs schien einen Augenblick einen großen Erfolg versprechen zu sollen ; aber in demselben Moment , wo die vordersten Bataillone den jenseitigen Rand des Semenowskagrundes erstiegen , wurden sie von einem auf nächste Distance hin abgegebenen Massenfeuer in langen Reihen niedergemäht ; die nachrückenden Bataillone stutzten , wandten sich und suchten diesseitig der Schlucht in Ravins und Einschnitten eine Zuflucht zu gewinnen . Der Sturmversuch war als gescheitert anzusehen , und in unserer ganzen Front , sowohl unmittelbar vor uns wie auch nach beiden Flügelpunkten hin , standen keine frischen Infanteriekörper mehr , denen eine Wiederholung des Sturmes zuzumuten gewesen wäre . In diesem Augenblicke kam Befehl an König Murat , es mit seinen Reitermassen zu versuchen . Zu diesen Reitermassen gehörten auch wir . Murat , nach Empfangnahme der Ordre , zog sofort vom linken Flügel her seine vier Kavalleriecorps staffelweise vor , erst Grouchy , dann Nansouty , dann Montbrun , dann Latour-Maubourg , und ließ sie , das letztgenannte Corps vorläufig noch zurückhaltend , mit nur kurzen Pausen gegen die Positionen des feindlichen Zentrums vorbrechen . Grouchy führte , Nansouty und Montbrun folgten . Das Schlachtfeld donnerte unter dem Hufschlag von mehr als 6000 Pferden ; selbst der Donner der Geschütze wurde momentan übertönt . Aber der ungeheure Reitersturm vermochte nicht mehr , als die wiederholten Angriffe der Infanteriedivisionen vermocht hatten ; am diesseitigen Rande des Semenowskagrundes stürzten die vordersten Reihen , und was übrigblieb , riß die nachfolgenden Regimenter mit in die Flucht der in Front gestandenen hinein . Ein neuer Mißerfolg ; tausend reiterlose Pferde stoben über das Feld hin . Grouchy , Nansouty , Montbrun hatten versagt ; nur unser 4. Kavalleriecorps , Latour-Maubourg , hielt noch unberührt am rechten Flügel , in seiner Front unsere Kürassierdivision unter General de Lorges . Wir nannten ihn scherzhaft , aber zugleich auch in Anerkennung seiner chevaleresken Tugenden , unseren » Ritter de Lorges « , und in der Tat , der Moment war nahe , wo die Division , die seinen stolzen Namen führte , den » Handschuh aus dem Löwengarten « holen sollte . Eine Staubwolke wurde von links her sichtbar , und König Murat selbst , der bis dahin am anderen Flügel gehalten hatte , sprengte bis in unsere Front . Er war prächtiger und phantastischer gekleidet denn je , und wahrnehmend , daß wir , trotz der von Zeit zu Zeit einschlagenden Kugeln , in vollkommener Ruhe Linie hielten , warf er uns im Vorüberreiten Kußhändchen zu und salutierte mit seiner Reitgerte , die er statt des Säbels führte . Zugleich gab er Befehl zum Angriff , und in zwei großen Reitermassen jagten wir über das Feld hin , die eine dieser Massen die sechs Regimenter starke polnische Ulanendivision unter General Rozniecki ( wir verloren sie bald darauf aus dem Gesicht ) , die andere , von der ich ausschließlich zu erzählen habe , unsere Kürassierdivision de Lorges . Aber auch diese teilte sich wieder , und wie sich eben erst aus unserer gesamten Latour-Maubourgschen Corpsmasse die polnische Ulanendivision herausgelöst hatte , so löste sich jetzt , nur wenige Minuten später , aus unserer Kürassierdivision de Lorges die westfälische Brigade von Lepel heraus . General von Lepel galt als der schönste Offizier der westfälischen Armee ; er war der Liebling Friederike Katharinens , der Gemahlin König Jérômes . Wir sahen ihn eben noch mit erhobenem Pallasch vor der Front seiner Brigade , als eine Paßkugel ihn vom Pferde warf . Auf den Tod verwundet , nannte er den Namen seiner Königin und starb . Seine Brigade aber stutzte , wandte sich seitwärts und griff erst später wieder in den Gang des Gefechtes ein . So waren wir denn allein : sächsische Brigade Thielmann , achthundert Reiter der Regimenter Garde du Corps und von Zastrow . War unsere Stellung ohnehin am äußersten rechten Flügel gewesen , so gebot es jetzt unsere Lage , wie General von Thielmann in Beobachtung der voraufgegangenen Gefechtsmomente klar erkannt hatte , uns immer weiter nach rechts zu ziehen . Woran waren alle bisherigen Angriffe gescheitert ? An der immer sich gleichbleibenden Schwierigkeit , den steil abfallenden Semenowskagrund angesichts der feindlichen Geschützreihe zu passieren . Eine Möglichkeit des Gelingens war also nur gegeben , wenn sich am Flußbett hin Übergangsstellen finden ließen , wo die Böschung minder abschüssig und das feindliche Feuer minder heftig war . Solche Stellen lagen flußaufwärts nach Utiza zu , und durch immer weiteres Ausbiegen uns mehr und mehr aus dem Kanonenbereich herausziehend , entdeckten wir endlich , keine tausend Schritt mehr von dem genannten Flügelpunkt entfernt , eine flach abfallende , vom russischen Geschütz kaum noch erreichte Stelle , die uns ein bequemes Hinabreiten in den Semenowskagrund zu ermöglichen schien . Das war , was wir suchten . Eine Minute später hielten wir in dem ausgetrockneten Flußbett , dessen Ränder , je mehr wir uns , links einschwenkend , dem feindlichen Zentrum wieder näherten , immer höher und steiler wurden . Aber diese höher und steiler werdenden Ränder waren zunächst unser Schutz , und das Feuer der um Dorf Semenowskoi her in Batterie stehenden hundert russischen Geschütze ging über unsere Köpfe hinweg . Wir waren schon bis dicht an das Dorf heran , ohne nennenswerten Verlusten ausgesetzt gewesen zu sein ; General Thielmanns geschickte Führung hatte uns davor bewahrt . Aber nun kam der entscheidende Moment , und dieselben steilen Böschungen , die bis dahin unsere Rettung gewesen waren , waren nun unsere Gefahr . Und doch mußten wir sie hinauf . Unser Regiment Garde du Corps führte : » In