an meine Frau ! Er hatte das bestimmt und lebhaft gesprochen ; nun hielt er plötzlich inne . Sagen Sie selbst , rief er , habe ich mich in dieser Darstellung beschönigt ? Nicht eigentlich , entgegnete der Caplan , nur möchte ich Sie daran erinnern .... Das nachher ! Das nachher , mein Freund ! fiel der Freiherr ein . Lassen Sie mich vollenden . Es genügt mir , daß Sie mir gerecht sind . - Er sammelte sich darauf abermals und fuhr fort : Wir leben allerdings in einer schweren Zeit , in welcher , wie Sie vorhin sehr richtig bemerkten , der Adel die Pflicht hat , sich in seiner ganzen angestammten Würdigkeit zu behaupten . Dieser Pflicht zu genügen , öffnete und bot ich einer flüchtigen und edeln Verwandten mein Haus und meinen Beistand ; aber auch bei uns ist das Unheil , ist der Uebermuth der unteren Classen so weit gediehen , daß selbst meine Diener urtheilen , wo sie zu gehorchen hätten , und sich Vorstellungen erlauben , die über ihre Befugnisse hinausgehen . Der Amtmann , welcher sich als Herrn fühlt , weil unsere Nachsicht seinen Voreltern die Möglichkeit gegeben hat , sich in unserem Dienste zu bereichern , unterfängt sich seit einiger Zeit , mir Vorhaltungen wegen meiner Ausgaben zu machen - während ich seine Einnahmen nicht controlire - und fühlt sich beleidigt , wird aufsässig , wie das ganze Volk , weil ich nicht darein willige , seine Schwester mit einem jungen Manne zu verheirathen , der , ebenfalls in meinen Diensten , frech genug war - er unterbrach sich und sprach dann schnell und bitter - sein Auge und seine Wünsche bis zu der Baronin von Arten zu erheben , und von dem die Baronin , welche mich einst , ohne daß ich es begehrte , und vielleicht mehr als ich ' s verdiente , liebte , jetzt , nach achtjähriger Ehe , nach acht Jahren eines vollen , unbedingten Zutrauens in ihre Ehre und Tugend , mir eingesteht , daß sie ihn liebe , ihn schon lange geliebt habe , und daß ich ziemlich der Einzige sei , der dieses noch nicht wisse ! Er ging wieder umher ; die Lust , sich im Spiegel zu betrachten , mußte ihn verlassen haben . Er schöpfte tief Athem , nahm die Dose heraus und hielt sie mechanisch in der Hand , ohne sie zu öffnen . Als er die Dose wieder eingesteckt hatte , sagte er : Solchen Ereignissen gegenüber giebt es für einen Mann wie ich nur Einen Weg . - Ich habe der Baronin nichts zu verzeihen , denn ich kann sie nicht dafür verantwortlich machen , daß sie nicht stärker ist , als ihr Geschlecht , und daß ich thöricht genug war , sie für eine Ausnahme zu halten . Aber erinnern Sie sich , was ich Ihnen oftmals sagte : meine Sinne haben mich niemals beherrscht , wo mein Herz mit ihnen nicht im Bunde war , und mein Herz hat sich der Baronin abgewendet . - Um Gottes willen , Herr Baron , wie ist das möglich ? Wie darf ein flüchtiger Irrthum das Vertrauen , die Neigung , die Liebe langer Jahre unwiederbringlich vernichten ? Wie dürfen Sie in solcher Weise richten , Herr Baron ? Lassen Sie das , mein Freund . Ich richte , ich verdamme nicht , aber Sie kennen das Geheimnißvolle in der Liebe nicht , Sie haben nie ein Weib geliebt , niemals Ihr Herz einem Weibe anvertraut ! entgegnete der Baron mit dem Tone der Empfindung , und so beschäftigt und hingenommen war er von sich selbst , daß er das sanfte , traurige Lächeln nicht bemerkte , welches wie ein Schein des Abendlichtes über des Caplans mildes Antlitz glitt . Es giebt keine Wiederkehr in der Liebe , fuhr der Freiherr fort , oder glauben Sie , ich könnte es vergessen , was die Baronin mir gestanden hat ? Würde nicht , so oft sie mir von Liebe spricht , jenes : ich liebe Herbert , ich , die verheirathete Frau , die Gattin des Freiherrn von Arten , liebe diesen Herbert - mir in das Ohr klingen ? Er ergriff abermals des Caplans Hand , und mit zusammengepreßter Stimme sprach er : Das ist nicht die Eitelkeit des älteren Mannes , Freund , die es nicht ertragen kann , neben einem geliebteren Manne zurückzustehen ! Es ist das nicht zu besänftigende Ehrgefühl des Edelmannes , und die Baronin kennt meinen Entschluß ! Unsere Kirche , welche stets die Schwäche und Hülfsbedürftigkeit des Menschen im Auge behält , hat uns auch für den Fall , in dem ich mich befinde , das Mittel an die Hand gegeben ! Erkennt sie doch in dringendem Falle auch dem Laien eine priesterliche Machtvollkommenheit zu ! Ach , Herr Baron , rief der Caplan erschreckt und schmerzlich , Sie haben sich der Herzogin vertraut , Sie sprachen mit der Herzogin davon ! Der Baron stutzte . Was soll der Ausruf ? Sie bitten , Sie beschwören , dies nicht zu thun ! Entfernen Sie die Herzogin nur wenig Wochen , nur wenig Tage ! Um alles Guten , um Ihrer und Ihres Sohnes willen flehe ich Sie darum an ! Nicht doch , mein Freund ! Wozu sollte das führen ? versetzte der Freiherr ; ich bin fest entschlossen und mir völlig klar . Ich habe mein Leben von dem der Baronin in meinem Herzen ein für alle Mal geschieden . Sie weiß das seit diesem Abende , und ich habe ihr gesagt , daß ich Sie , mein Freund , und die Frau Herzogin , die das Geheimniß kennen , deß zu Zeugen nehme ; im Uebrigen soll kein Mensch davon erfahren . - Und wie ich hier gethan , was dem Manne und dem Edelmanne gebührt , so denke ich überhaupt mein Recht zu wahren . - Es bleibt dabei , daß Adam fortgeht ! Ich kann keine Beamten