eine rechte Schadenfreude daran haben , wenn sie wider einen solchen christlichen Bruder können böses Zeugniß reden , es sei wahres oder falsches . Und zumal nun eine christliche Schwester gegen christliche Schwestern - diesmal bin ich ganz gewiß meiner Sache . Hab ' ich Euch nicht einmal gesagt , daß die Frau Katharina Hallerin , da der letzte Reichstag hier war , hat bei mir gehabt versetzt silberne und goldene Armleuchter , damit ich ihr Geld darauf leihe - könnt ' ich der erweisen einen größern Dienst als ihr Gelegenheit zu geben , die Scheurlin zu verderben sammt dem Baubruder , der Gnade gefunden vor ihren Augen , wie sie vor den des Königs ? « Wohl mußte Jacobea dem Juden zu einer solchen Verbündeten Glück wünschen , deren Vertrauen sie freilich sich verscherzt , da es ihr mißlungen war , den Goldschmied Albrecht Dürer zur Anfertigung einer Nadel für sie , wie die war , welche Frau Scheurl vom König geschenkt erhalten , zu veranlassen . Katharina Haller , die Gattin des Bürgermeisters und die Tochter des Loosunger Holzschuher , die hatte freilich Einfluß genug , einer Anklage , die sich auf Thatsachen stützte , wenn sie auch aus dem Mund eines Juden kam , Gewicht zu verleihen und Zeugen für sie zu schaffen , wenn auch ihr Gatte eher zu den Männern gehörte , welche ihre Frauen kurz hielten und die Hausfrau gern zu einer Hausmagd herabwürdigten , als zu denen , welche sich selbst ehrten durch die Ehre , die sie ihren Frauen erwiesen . Eben diese Beschränkung und dieses Kurzhalten , welches Katharina Haller von ihrem Gatten erfuhr , war die Ursache , welche sie in die Hände des Juden führte . Haller setzte theils eine Ehre darein zu sparen und sein Gut zu mehren - theils glaubte er sich für berechtigt , Alles an sich und nichts an seine Frau zu wenden , theils hielt er auch streng darauf , daß diese nicht selbst die Luxus- und Kleidergesetze überschritt , welche der Rath gegeben hatte , da sich dies für die Frau eines Bürgermeisters am wenigsten gezieme . Aber Katharina , im Bewußtsein , daß die Mitgift einer Holzschuher viel reicher gewesen , als die einer Behaim , fand es unerträglich von Elisabeth Scheurl wie in allen andern Dingen , auch in Kleiderpracht und Putz übertroffen zu werden . Da ihr Gatte ihre Wünsche hierin nicht erfüllte , so suchte sie dieselben auf allerlei Schleichwegen zu befriedigen , und als der Reichstag kam , wußte sie für sich keinen andern Rath , als von dem Trödlerjuden , der auf Pfänder lieh , sich Geld zu verschaffen . Natürlich durfte ihr Mann nichts davon ahnen und darum war die Verschwiegenheit des Juden die erste Bedingung . Er hatte sie treu erfüllt und dadurch sich mehr und mehr in ihr Vertrauen geschlichen . Daß sie von Eifersucht und Neid gegen Elisabeth Scheurl erfüllt war , wußte der Jude wie fast die ganze Stadt . Das war so gewesen von der Stunde an , wo Elisabeth neben ihr vom Kaiser war erwählt worden , als die schönste Nürnbergerin Konrad Celtes zu krönen , und hatte sich mit jedem Triumph derselben gesteigert , wie viel mehr nicht da , als König Max bei seiner zweiten Anwesenheit in Nürnberg in Scheurl ' s Hause Wohnung nahm . Alle gehässigen Gerüchte , welche über Elisabeth im Umlauf kamen , gingen theils von der Hallerin aus , theils wurden sie doch von ihr begierig aufgefangen und mit den abscheulichsten Zusätzen weiter verbreitet . Wie triumphirte sie jetzt , da Scheurl ' s plötzlicher , unerklärbarer Tod einen schrecklichen Verdacht auf Elisabeth warf . Wie bestrebte sich die Hallerin ihn zu verstärken , so viel sie vermochte , und mit ihrer bösen Zunge die Feindin als das strafbarste und verabscheuungswürdigste Geschöpf darzustellen , das es je in Nürnberg gegeben . Hatte sie vorher doch schon tausendmal bereut , daß sie vor zwei Jahren dem Ritter von Weyspriach nur um einen Preis , den er sich vergeblich bemüht hatte ihr zu gewähren , versprochen hatte , Elisabeth zu sich und damit in das Netz des Ritters von Streitberg zu locken , und daß sie es trotzdem nicht gethan ; nun aber wollte sie gewiß keine Gelegenheit wieder vorübergehen lassen , Elisabeth zu demüthigen , unglücklich zu machen , wo möglich ganz zu verderben . Schon war es ihr gelungen , ihrem Gemahl die moralische Ueberzeugung beizubringen , daß Elisabeth den Gatten vergiftet habe , indem sie sagte : » Diesen alten Geck hat das eitle Weib doch nur geheirathet , weil er reich war und sie an seiner Seite übertriebenen Aufwand machen konnte . Mit andern Männern , wie mit dem Ritter von Streitberg und dem Poeten Konrad Celtes hat sie nur freche Buhlschaft getrieben , ohne an ' s Heirathen zu denken : jener hatte schon eine Frau und dieser konnte keine ernähren ; aber das hinderte sie nicht , sich mit ihnen einzulassen und dann schnell den Scheurl zu heirathen , damit sie nicht etwa noch in Schande käme . Der hat es nun geduldet , daß Künstler und Gelehrte in seinem Haus ein- und ausflogen wie in einem Taubenschlag , um der gefallsüchtigen Frau die Zeit zu vertreiben und ihm auf einmal den Ruf eines kunstfreundlichen Mannes zu geben , und da der König ein Auge warf auf die üppige Frau , bei der er gewiß war , in allen Stücken eine zuvorkommende Wirthin zu finden , da drückte der Mann wieder ein Auge zu , weil seine Schande ihm die Ehre des adeligen Wappens einbrachte , und so lange hat vielleicht das Paar im besten Einvernehmen gelebt . Aber als Scheurl dahinter gekommen , daß ihr auch ein Steinmetzgesell nicht zu schlecht ist und sie sich nicht scheut , ihn zur Brechung seines Gelübdes zu verführen , da ist ihm doch die Geduld gerissen . Elisabeth aber , die nie einen Widerspruch dulden mag und die wieder nur so