vollkommen recht , « erwiderte mein Freund , » wir fühlen das alle mehr oder minder klar , außer denen , welchen alles gleichgültig und unwesentlich ist , was nicht unmittelbar zum Erwerbe führt ; darum sind auch allerlei Versuche gemacht worden , und werden noch gemacht , die Fassung zu vergeistigen . Sie gelingen in so ferne mehr oder weniger , je nachdem es größere oder kleinere Künstler sind , welche die Entwürfe machen . Hierin liegt aber eine mehrfache Schwierigkeit . Zuerst sind die , welche in Juwelen und Perlen arbeiten , sehr selten Künstler , sie können es nicht leicht werden , weil die Vorbereitung dazu zu viel Zeit und Kräfte in Anspruch nehmen würde ; werden sie es aber , so bleiben sie gleich Künstler , verfertigen Kunstwerke , und arbeiten nicht in Edelsteinen , was ihrem Geiste und ihrem Einkommen abträglich wäre . Müssen nun Künstler um Entwürfe angegangen werden , so bietet sich zweitens der Übelstand , daß der Künstler die Juwelen zu wenig kennt und die Fassung daher zu wenig auf ihre Natur berechnen kann , wozu sich noch gesellt , daß die großen Künstler schwer zugänglich sind , Entwürfe für Edelsteinfassungen auszuarbeiten , es müßte denn dies eine besondere Liebhaberei sein ; und wenn sie es tun , so kömmt die Fassung sehr teuer . Deshalb muß man zu geringeren Künstlern seine Zuflucht nehmen , welche dann auch wieder geringere Entwürfe liefern . Wir haben die Sache in unserer Handelsstube ganz im Klaren . Wir versuchen auch von Zeit zu Zeit ein wirkliches Kunstwerk in Perlen und edlen Steinen darzustellen , und warten , ob ein Kenner komme und es übernehme ; denn der Leute , welche Edelsteine brauchen , sind viel mehr , als welche Kunstdinge suchen . Solche Werke in großer Zahl ausführen zu lassen hindert uns der Mangel an zahlreichen trefflichen Entwürfen und der Mangel an Käufern , da der Juwelenverkauf doch endlich unser Erwerb ist . Da unsere gewöhnlichen Kunden aber doch so viel Geschmack haben , daß sie eine unedle Fassung beleidigen würde , so wählen wir den natürlichsten Weg , die Fassung im Stoffe edel und in der Gestalt auf das einfachste zu machen , so daß die Schönheit der Steine oder der Perlen allein es ist , was herrscht , und der Anker , an dem es haftet , sich verbirgt . Was deinen Gedanken von mittelalterlichen Gestaltungen anbelangt , so ist er nicht neu ; man hat schon solche versucht , und der Freiherr von Risach hat bei uns nach beigebrachten Zeichnungen Dinge ähnlicher Art verfertigen lassen . « Mir leuchtete die Sache sehr ein , und ich konnte sie nicht weiter beregen . Ich betrachtete von nun an mit noch größerer Sorgfalt und Genauigkeit die Arbeiten , welche mein Freund in den verschiedenen Werkstätten der Stadt machen ließ . Sie waren meistens sehr schön , ja ich glaube , schöner , als man sie irgendwo zu sehen gewohnt ist . Desungeachtet mußte ich behaupten , daß , wenn nur überhaupt ein edlerer und höherer Sinn für Kunst vorhanden wäre , diejenigen Leute , welche große Summen für Schmuck ausgeben , dieselben Summen oder vielleicht noch größere dahin verwenden würden , daß sie gleich wirkliche Kunstwerke in Juwelen bestellten . Dagegen erwiderte mein Freund , daß , wie hoch der Kunstsinn auch stehe , und wie weit er sich verbreite , doch die Zahl derer immer größer bleiben würde , welche bloß Schmuck als Schmucksachen kaufen , als derer , welche Kunstwerke in Kleinodien entwerfen und ausfahren lassen , was er allerdings als die höchste Spitze seines Berufes ansehen würde . Dazu komme noch , daß mancher , der Kunstsinn habe , von der Schönheit der Steine sich gefangen nehmen lasse , und zuletzt nichts begehre als diese einzige Schönheit . In dem letzten Grunde hatte mein Freund ganz besonders recht ; denn je mehr ich selber die Steine betrachtete , je mehr ich mit ihnen umging , eine desto größere Macht übten sie auf mich , daß ich begriff , daß es Menschen gibt , welche bloß eine Edelsteinsammlung ohne Fassung anlegen und sich daran ergötzen . Es liegt etwas Zauberhaftes in dem feinen samtartigen Glanze der Farbe der Edelsteine . Ich zog die farbigen vor , und so sehr die Diamanten funkelten , so ergriff mich doch mehr das einfache , reiche , tiefe Glühen der farbigen . Meinen Beruf , den ich im Sommer bei Seite gesetzt hatte , nahm ich wieder auf . Ich machte mir gleichsam Vorwürfe , daß ich ihn so verlassen und mich einem planlosen Leben hatte hingeben können . Ich tat das , wozu der Winter gewöhnlich ausersehen war , und setzte die Arbeiten der vorigen Zeiten fort . Das Regelmäßige der Beschäftigung übte bald seine sanfte Wirkung auf mich ; denn was ich trotz der freudigen Stimmung , in welcher ich aus meinen Erringungen in der Kunst und in der Wissenschaft war , doch Schmerzliches in mir hatte , das wich zurück und mußte erblassen vor der festen , ernsten , strengen Beschäftigung , die der Tag foderte , und die ihn in seine Zeiten zerlegte . Ich besuchte auch , wie im vergangenen Winter , meine Kreise , dann Musik- und Kunstanstalten . Daß das alles vereinigt werden konnte , mußte eine genaue Zeiteinteilung gemacht werden , und ich mußte die Zeit richtig verwenden . Dazu war ich wohl von Kindheit an gewöhnt worden , ich stand sehr früh auf , und hatte manches für den Tag schon an der Lampe fertig gemacht , wenn die allgemeine Frühstunde in unserm Hause heran rückte und man sich zu dem Frühmahle versammelte . Dazu brauchte ich nicht viel Schlaf und konnte manche Stunde von der beginnenden Nacht nehmen . Die Tätigkeit stärkte , und wenn ein Schwung und eine Erhebung in meinem Wesen war , so wurde der Schwung und die Erhebung durch die Tätigkeit noch klarer und fester . Einer meiner ersten Gänge war nach