Kreischen der Wuth schien eine verneinende Geberde der Leidenden zu erwidern , dann kam der herrische Befehl einer Weiberstimme . Er vernahm die seines Führers dazwischen sprechen , aber der Befehl wurde gleich heftig wiederholt . Plötzlich fühlte er die Hand und den Arm , so weit er vor ihm lag , krampfhaft erbeben und ringen , wie als wollten sie sich gewaltsam befreien - minutenlang dauerte diese schreckliche Bewegung - eine grauenhafte , entsetzliche That schien auf Armeslänge von ihm vor sich zu gehen , und rasch faßte seine Hand die Klingel , um auf jede Gefahr hin der Marter ein Ende zu machen . Da streckten sich der Arm und die Hand - das wilde Ringen hörte auf , mehrere Personen schienen um die Gemarterte beschäftigt , die Frauenstimme sprudelte Verwünschungen aus , wie er nach einzelnen ihm bereits verständlichen Worten zu schließen vermochte . Darunter hörte er wiederholt die Benennung : Moskaw . Eine zweite Frauenstimme mischte sich drein und zugleich die des Effendi , dann schwieg der Lärmen und eine schwache , selbst in ihren gebrochenen Tönen noch süße Stimme sagte einige Worte . Wiederum fragte der Effendi dazwischen . Die Stimme sagte noch Einiges - dann stockte sie und verstummte endlich ganz . Die Frage wurde dringend wiederholt , auch die Weiberstimmen mengten sich hinein - Welland glaubte dazwischen , dicht neben seinem lauschenden Ohr ein lateinisches Gebet , - das Ave murmeln zu hören . Er spannte alle Nerven an , um zu hören , sich zu überzeugen - Todtenstille ! Zwei Worte , schneidend , befehlend , unterbrachen sie . Diesmal schien der Henker es verschmäht zu haben , den Knebel der Leidenden erst wieder einzuzwängen . Ein Nerven und Mark erschütternder Ton wie von zermalmenden Knochen - zugleich ein herzzerreißender , wilder Schrei , ein zweiter - Welland ließ wie wahnsinnig die Klingel ertönen , aber die gellende Stimme eines Befehls fuhr dazwischen und Schrei auf Schrei erscholl fort in ersterbendem Jammer . Mit beiden Händen hatte der Deutsche die Vorhänge gefaßt und riß die befestigten gewaltsam auseinander : das schreckliche Schauspiel bot sich jetzt seinen zornfunkelnden Blicken dar . Auf einem Ruhebett dicht an seiner Seite , lang ausgestreckt und befestigt , lag die nackende , kaum über den Hüften mit einem Tuch bedeckte Gestalt einer jungen , selbst in der Entstellung des Schmerzenskampfes noch reizenden Frau . Aschblonde , wild umherfallende Haare umgaben das blasse Gesicht , aus dem die schwarzem halbgebrochenen Augen auf ihn emporstarrten . Wer sie gesehen , die junge , reizende Odaliske , als sie vor wenig Abenden noch an der Brust des Großherrn ruhte , Liebe spendend und empfangend - Mariam , die Beneidete des Harems , die Gebieterin des Gebieters in drei Welttheilen - wer hätte ahnen mögen das schreckliche Schicksal , das ihr der finster schleichende Haß bereitete ! Die Anklage auf den gefundenen Brief hatte ihr Ziel nicht verfehlt , der Großherr hatte die Geliebte aus seiner Nähe verbannt . Aber ahnte er wohl , während er im selben Augenblick vielleicht in den Armen Nausika ' s , der verlockenden Tochter des Rächers von Chios , schwelgte , ahnte er wohl , wie verstümmelt der süße Leib , der sein Lager getheilt , in den Zuckungen grausamer Schmerzen sich wand ? Nimmermehr ! Ein Blick genügte dem Arzt , die furchtbare Marter zu ermessen , die das zarte Weib mit Heldenmuth ertragen hatte . Von den halb verkohlten Fußsohlen stieg noch der widrige Geruch empor , die Mitte der Brust zeigte ein tiefes Brandmal , in dem noch die dunkle Asche der verglühten Kohle lag . Die zwei schwarzen Henker - Stumme mit teuflisch grinsenden Mienen , die dem Winke ihres Meisters gehorchten , der in der Mitte des Gemachs an einem Tandur die Eisenzange glühte , von schrecklichen Instrumenten umgeben , - an der Seite der Unglücklichen stehend , waren eben mit jener einfach höllischen Maschinerie beschäftigt , dem Knebel , der zwischen Holzstücken die Gelenke der Glieder zermalmt . Auf dem Divan gegenüber , Furien , der Hölle entstiegen , saßen in ihre Yaschmaks verhüllt , zwei reichgekleidete türkische Frauen , in den Augen grausamen teuflischen Triumph ; in kurzer Entfernung von ihnen mit finsterm bleichem Gesicht , wie einer furchtbaren Nothwendigkeit gehorchend , der türkische Würdenträger , die Feder , in der Hand , das Papier vor sich auf dem Schoos , um die Geständnisse der Unglücklichen aufzuzeichnen . Mit einem Sprung war der deutsche Arzt über das Schmerzenslager der Gemarterten hinweg , und schleuderte die schwarzen Henkersknechte zur Seite . Sein flammender Blick scheuchte den Tschannador zurück , der nach dem Handjar im Gürtel griff . » Mörder , blutdürstige Mörder , die Ihr seid ! - Seht Ihr nicht , daß diese Frau stirbt in den wahnsinnigen Martern , die Ihr derselben bereitet ? « » Nieder mit dem Gjaur ! schlagt ihn zu Boden ! « schrie die Eine der Frauen den drei Verschnittenen zu , doch der Effendi warf sich zwischen sie und vor den Arzt . » Haltet ein , Sultana ! Dieser Ungläubige wird das Weib vom Tode retten , und Du weißt , daß dies nothwendig ist . Ihr Tod könnte uns doppeltes Verderben bereiten . « Sein Befehl wies die Henker aus dem Gemach , nach einigem Widerreden fügten sich auch die Frauen , ihnen zu folgen , während Welland bereits mit der Unglücklichen , Bewußtlosen beschäftigt war und sie zum Leben zurückzurufen suchte . Zum Glück hatte er eine jener kleinen tragbaren Apotheken bei sich , welche die Aerzte auf Reisen mit sich zu führen pflegen ; ein flüchtiges Salz regte die Lebensgeister der Gemarterten wieder auf , und er versuchte alsbald einen Verband auf ihre Wunden zu legen . Seine Erfahrung belehrte ihn jedoch bald , daß das Leben des armen Wesens in höchster Gefahr schwebte und ihre Kraft immer mehr ermattete . Um ihr wenigstens Ruhe zu sichern , bedeutete er energisch den Effendi , welcher besorgt an