hielt , erst jenen vornehmen Herrn , bei dem sie schon früher einmal gewesen , um Rat zu fragen ; denn sie dachte , derselbe werde jedenfalls wissen , ob Römer wirklich der geachtete und berühmte Künstler sei , für welchen ich ihn so eifrig ausgab . Doch man zuckte die Achseln , gab zwar zu , daß er als Künstler talentvoll und in der Ferne renommiert sei ; über seinen Charakter jedoch hüllte man sich ins Unklare , wollte nicht viel Gutes wissen , ohne etwas Näheres angeben zu können , und meinte schließlich , wir sollten uns in acht nehmen . Jedenfalls sei die Forderung zu groß , unsere Stadt sei nicht Rom oder Paris , auch hielte man dafür , es wäre geratener , die Mittel für meine Reisen aufzusparen und diese desto früher anzutreten , wo ich dann selbst sehen und holen könne , was Römer besäße . Das Wort Reisen war nun schon wiederholt vorgekommen und war hinreichend , meine Mutter zu bestimmen , jeden Pfennig zur Ausstattung aufzubewahren . Daher teilte sie mir die bedenklichen Äußerungen mit , ohne zuviel Gewicht auf die den Charakter betreffenden zu legen , welche ich auch mit Entrüstung zunichte machte ; denn ich war schon dagegen gewaffnet , indem ich aus verschiedenen rätselhaften Äußerungen Römers entnommen , daß er mit der Welt nicht zum besten stehe und viel Unrecht erlitten habe . Ja , es hatte sich schon eine verständnisvolle eigene Sprache über diesen Punkt zwischen uns ausgebildet , indem ich mit ehrerbietiger Teilnahme seine Klagen entgegennahm und so erwiderte , als ob ich selbst schon die bittersten Erfahrungen gemacht oder wenigstens zu erwarten hätte , welche ich aber festen Fußes erwarten und dann zugleich mich und ihn rächen wollte . Wenn Römer hierauf mich zurechtwies und erinnerte , daß ich die Menschen doch nicht besser werde kennen als er , so mußte ich dies annehmen und ließ mich mit wichtiger Miene belehren , wie es anzufangen wäre , sich gehörig zu stellen , ohne daß ich eigentlich wußte , worum es sich handelte und worin jene Erfahrungen denn beständen . Ich entschloß mich kurz und sagte zur Mutter , ich wolle das Gold , welches in meinem ehemals geplünderten Sparkästchen übriggeblieben , für die Sache verwenden . Hiegegen hatte sie nichts einzuwenden und schien eher froh zu sein , diesen Mittelweg zu sehen , auf welchem ich wenigstens meine Selbstbestimmung betätigen konnte . Ich nahm also die Schaumünze und einige Dukaten , welche dabei waren , und trug alles zu einem Goldschmied , welcher mir acht Louisdors in Silber dafür bezahlte , brachte das Geld zu Römer und sagte , das sei alles , was ich verwenden könnte , und ich wünschte wenigstens vier Monate dafür seines Unterrichtes zu genießen . Zuvorkommend sagte er , das sei gar nicht so genau zu nehmen ! Da ich tue , was ich könne , wie es einem Kunstjünger gezieme , so wolle er nicht zurückbleiben und ebenfalls tun , was er könne , solange er hier sei , und ich solle nur gleich morgen kommen und anfangen . So richtete ich mich mit großer Befriedigung bei ihm ein . Den ersten und zweiten Tag ging es noch ziemlich gemütlich zu ; allein schon am dritten begann Römer einen ganz andern Ton zu singen , indem er urplötzlich höchst kritisch und streng wurde , meine Arbeit erbarmungslos heruntermachte und mir bewies , daß ich nicht nur noch nichts könne , sondern auch lässig und unachtsam sei . Das kam mir höchst wunderlich vor , ich nahm mich ein wenig zusammen , was aber nicht viel Dank einbrachte ; im Gegenteil wurde Römer immer strenger und ironischer in seinem Tadel , den er nicht in die rücksichtsvollsten Ausdrücke faßte . Da nahm ich mich ernstlicher zusammen , der Tadel wurde ebenfalls ernstlich und fast rührend , bis ich endlich mich ganz zerknirscht und demütig daranmachte , mir bei jedem Striche den Platz , wo er hinsollte , wohl besah , manchmal ihn zart und bedächtig hinsetzte , manchmal nach kurzem Erwägen plötzlich wie einen Würfel auf gut Glück hinwarf und endlich alles genauso zu machen suchte , wie Römer es verlangte . So erreichte ich endlich etwelches Fahrwasser , auf welchem ich ganz still dem Ziele einer leidlichen Arbeit zusteuerte . Der Fuchs merkte aber meine Absicht und erschwerte mir unversehens die Aufgaben , so daß die Not von neuem anging und die Kritik meines Meisters schöner blühte denn je . Wiederum steuerte ich endlich nach vieler Mühe einer angehenden Tadellosigkeit entgegen und wurde nochmals durch ein erschwertes Ziel zurückgeworfen , statt daß ich , wie ich gehofft , ein Weilchen auf den Lorbeeren einer erreichten Stufe ausruhen konnte . So erhielt mich Römer einige Monate in großer Unterwürfigkeit , wobei jedoch die mystischen Gespräche über die bitteren Erfahrungen und über dies und jenes fortdauerten , und wenn die Tagesarbeit geschlossen war oder auf unseren Spaziergängen blieb unser Verkehr der alte . Dadurch entstand eine seltsame Weise , indem Römer mitten in einer traulichen und tiefsinnigen Unterhaltung mich jählings andonnerte » Was haben Sie da gemacht ! Was soll denn das sein ! O Herr Jesus ! Haben Sie Ruß in den Augen ? « so daß ich plötzlich still wurde und voll Ingrimm über ihn und mich selbst meine Arbeit mit verzweifelter Aufmerksamkeit wieder aufnahm . So lernte ich endlich die wahre Arbeit und Mühe kennen , ohne daß mir dieselbe lästig wurde , da sie in sich selbst den Lohn der immer neuen Erholung und Verjüngung trägt , und ich sah mich in den Stand gesetzt , eine große Studie Römers , welche schon mehr ein ganzes Bild mit den verschiedensten Bestandteilen vorstellte , vornehmen zu dürfen und dieselbe so zu kopieren , daß mein Lehrer erklärte , es sei nun genug in dieser Richtung , ich würde ihm sonst seine ganzen Mappen nachzeichnen ; dieselben seien sein einziges Vermögen , und er wünsche bei aller Freundschaft doch nicht