einem Dienstboten fehlte , so hatte er sich auch der Mutter zu trösten ; sie schlief um seinetwillen manchmal nicht und stand ungsinnet an seinem Bette mit einem Kacheli . Und wenn er schon brummte innerlich über den Trank , so tat ihm doch die Sorge wohl und das Bewußtsein , daß er nicht vergessen sei , wenn er schon nur ein Knecht sei . Der Anfall war sehr stark für eine ältere Frau , und der Doktor machte sehr bedenkliche Gesichter , befahl großen Fleiß und hatte selbst auch großen . Das müsse einander helfen , sagte er . Am Morgen früh war er schon da und abends kam er meist wieder , und noch größern Fleiß hatte die ganze Familie , sie kam nicht aus den Kleidern ; wenn schon nicht alle in der Stube waren , es zog doch Keines seine Kleider aus , und wenn eins schon schlief , die Unruhe weckte es doch bald wieder , um vor der Mutter Türe zu horchen , was drinnen vorgehe , oder in die äußere Stube , wo Botschaft zu vernehmen war , wenn jemand aus dem Stübli kam . Der Doktor hatte verboten , daß man nicht alles in die Stube lasse , weil das der Kranken nur Angst mache , und namentlich bei dieser Krankheit , wo man immer aufmüsse und die Leute dabei einem hinderlich seien . Damit hatten sie große Not . Sobald es bekannt wurde , die Bäurin sei krank , so kamen die Leute weitherum her und wollten sie besuchen . Die Stube wäre nie leer geworden , eins hätte gesagt : » Herr Jesis , wie sieht die aus , die erlebt den Morgen nicht « ; jemand anders hätte gesagt : » Nein aber , wie hat die gleidet , aber es ist schon mancher Mensch wieder zweg gekommen und ist doch noch viel schröcklicher zweg gewesen « . Ein Schauerfall hätte den andern gejagt , und dazu hätten sie brav pläret , arme Weiber hätten gejammert , und wenn eins Abschied genommen , so hätte es gesagt : » He nu so de , umegseh wirde ih dih nümme , aber bete will ih , daß dr öppe Gott dyner Sünde vrgeb « , und ein Anderes hätte gesagt : » Ih mueß hey , su leb de wohl , u we mr enangere hie öppe nümme gseh sötte , su wey mr hoffe , daß mr dert öppe wieder zsäme chöme . « Sie hatten große Not , die Menge abzuhalten ; es meinte jedes das Recht zu haben , hineinzugehen , und Leute sind , die halten es für eine eigentliche Sünde , wenn man nicht alles zum Kranken läßt , oder meinen , er liege in großen Sündenängsten und rede Sachen , die niemand hören solle ; eine Krankenstube , meinen sie , solle öffentlich sein wie die heutigen Kammern oder Großratssitzungen . Wir verhehlen es nicht , daß manchmal sicher mehr Erhebung und Erbauung zu finden wäre in einer Krankenstube als in einem Großrats , oder Tagsatzungssaal . Indessen kömmt es hier auf das Heil der Kranken an , und wenn man Säle als Krankenstuben betrachten wollte , so wäre es den Patienten darin zu ihrer Genesung vorteilhafter , sie wären geschlossen , von wegen , es macht der Kranke sich gerne vor den Leuten forsch und sollte eigentlich auf den Nachtstuhl oder der größten Ruhe sich befleißen und fleißig einnehmen und abführen . Mit lieblichem Wesen und Essen und Trinken däselete man die Leute ab und schützte den Doktor vor . Das begriffen Wenige . Die Einen meinten , die Bäurin werde gewiß schon gestorben sein und z ' grüslig aussehen , als daß sie sie dürften sehen lassen ; Andere sagten , sie seien zu vornehm , öppe sonst an allen andern Orten hätte man sie hineingelassen , und die Dritten flüsterten endlich , die Bäurin möchte gerne was offenieren und ihre Leute begehrten lieber , daß es nicht gehört würde und vor die Leute käme , vielleicht , daß sie auch diesem oder jenem was geben möchte , sie sei notti eine gute Frau gewesen , aber die Kinder möchten es ihnen nicht gönnen . So redeten die Leute auf ihre gewohnte Weise , in der sie nie denken , was sie reden , so daß man von den Meisten hoffen muß , der Grund sei besser als der Mund . Änneli aber redete nichts von Sterben , und das machte den Seinen gute Hoffnung ; sie dachten , es müsse selber am besten wissen , wie es ihm sei , und wenn es neuis gspürte , so würde es es sagen ; sie hofften wieder , da der Tod nicht einsmal kam . Und eines Morgens schien der rote Schaden aufgehört zu haben , da hatten sie große Freude , und daß es nach sövli Leiden schwachs sei , düechte sie nichts anders . Es strengte selbst sie an , auf den Acker zu gehen , allesamt , Resli könne bei ihm bleiben . Er hätte die ganze Nacht gewachet , da könne er vielleicht ein wenig schlafen . Wenn es etwas geben sollte , so sei es ja nicht weit , man hätte sie plötzlich . Es war so heiter und schön draußen und allerdings Arbeit not , daß sie gingen , obschon es sie düechte , sie könnten nicht fort , und es war Keins , das nicht noch vorgab , etwas vergessen zu haben , und nachsah , ob es der Mutter nicht noch was tun könnte . » Sind sie alle fort ? « frug die Mutter . » Ich glaube es « , sagte Resli , » ich höre keinen Menschen mehr . « » So komm und sitz da neben mich , ich habe mit dir zu reden , und öppe laut mag ich nicht mehr . Los , Kind , lang macht es nicht mehr mit mir , und da möchte ich ab dem