s in Fetzen und teilt es unter sich , so daß , wenn er auf dem Römer ankommt , so ist nichts mehr von der Scharlachbahn zu sehen . So scheint mir auch aller Lebenseingang wie die rote Kaiserbahn , gleich nach jedem Schritt aufgehoben und nichts sein , bis das Leben Dich wie den Kaiser in so große Verpflichtung nimmt , daß kein Augenblick mehr Dein gehöre , sondern Du ganz im Leben aufgehest , da kannst Du erst Deines Lebens Anfang rechnen , dann aber hebt sich das Sterbenwollen von selbst auf . Alles Leben , was sich mit Dir berührt , hängt von Dir ab , aber Du bist kein abgesondertes Leben mehr , - und wirkliches Leben ist ein Ausströmen in alles , das läßt sich nicht aufheben , - wie ' s mich verwundert hat , wie Du sagtest , viel lernen und dann sterben , jung sterben ! - Es kam mir in den Sinn , als hätt ich wohl meine Zeit sehr vernachlässigt , daß ich nun schon so alt sei und noch gar nichts gelernt , so würd ich wohl das Jungsterben bleiben lassen müssen , oder lieber gar nichts lernen . - Aber die kaiserliche Scharlachbahn ! - Ich sag Dir , alles , was Du Dir vom Leben abschneiden kannst , ist bloß das Präludium dazu , und das hebt sich von selbst auf , es ist vielleicht ein idealischer Voranfang ; - willst Du mit diesem das Leben aufheben ? - Das heißt den Kaiser mit samt dem Tuch zerrissen . - Und doch ist das ganze Leben nur , daß Du eine Ehrenbahn durchwandelst , die Dich wieder ins Ideal ausströmt . Ich fühl ' s , wie kann man zu was Höherem gelangen , als daß man sich allen Opfern , die das Leben auferlegt , willig hingebe , damit der Wille zum Ideal sich in das Leben selbst verwandle - wie kann man Selbst werden als durch Leben ? - Und so muß man auch willig das Alter ertragen wollen , und die ganze Lebensaufgabe muß aufgenommen sein und kein Teil derselben verworfen . - Wenn Du früh sterben willst , wenn Du es unwürdig achtest , weiterzugehen , wirst Du damit nicht jeden schmähen , der seine Lebensbahn nicht aufhob ? - Die da mühselig ihre Last tragen , sind die zu schmähen ? - Heldentum ist höher als Schmach ! - Vor der Philisterwelt , die meinen Geist doch nicht begreift , schäm ich mich nicht , für sie nicht Jugend zu sein , die von den heiteren Frühlingstagen nichts weiß , welche der Geist durchlebt . - Weißt Du , was schlecht ist im Alter ? - Wenn es ein Aufbau , ein Übereinandertürmen rumpliger Vorurteile geworden , durch das die heilige Anlage der Jugend nicht mehr durchdringt , aber wo der Geist durch alles gehäufte Elend des Philistertums , dieser ganz unwahren aber wirklichen Wahnwelt , durchdringt zur Himmelsfreiheit , zum Äther und dort aufblüht , da ist Alter nur das kräftigste Lebenszeichen der Ewigkeit . - Mir scheinen alle Menschen um mich wie nichts oder doch eine geringe und unzuverlässige Gattung von Naturen , eben weil der Geist nicht in ihnen liegt , die höchste Blüte im Alter zu erreichen , - eine zernagte Blüte . - - Aber der Ephraim deucht mir eine vollkommne Geistesblüte , die jetzt im Frühlingsregen steht ; die Tage sind lau , aber trüb - aber die Ahnung ist voll himmlischem Jugendreiz , die andern fühlen und sehen ihn nicht , wo steht aber auch je ein Philister bei der knospenden Zeit still , voll Schauer , voll Gebet zur erwachenden Blüte ? - Was war ' s also mit Deinem Frühsterbenwollen ? - Wem zu gefallen willst Du das ? - Dir selbst zulieb ? - Also rechnest Du die scharlachne Kaiserbahn für Deine Jugendblüte , bloß weil sie so glanzvoll schimmert , aber sieh doch , die Welt achtet sie ja nicht , sie zerreißt sie in Fetzen , und Du stehst an ihrem End , und ist nicht mehr eine Spur davon , und da willst Du Dich mit zerreißen ? Aber der Trieb zu blühen ist erst dann wahre Geisteseingebung , wenn jene Scheinblüte Dich nicht mehr täuscht , wenn Du die Blüte ganz aus Dir selbst erzeugst , dann will ich sagen : » Ja , Du bist der Geist des Frühlings « - aber mutlos das Leben verwerfen ist nicht Jugendgeist - , ach ich fühle wohl , daß ich hier weit mehr recht hab wie Du , und daß ich Dir Trotz bieten kann ; aber ich weiß auch , daß Du die tiefere Geisteswahrheit , die in meinem Vergleich liegt , deutlicher wahrnimmst als ich , und daß Du gewiß Gewaltigeres ahnest , als ich begreife . Es geht immer so zwischen unseren vertrauungsvollen Reden , daß ich stottere , und daß Du mir dann reiner begreiflich machst , was ich wollte . - Mir steht hier nur der Jude vor Augen , der über die sinkende Blüte der Eltern hinaus die schweren Lebensbedingungen erfüllt , jeden mühevollen Weg zur Erhaltung der Enkel macht , keinen Tag mehr als den seinen verlebt , nicht um sich selber sich kümmert , in der Tagshitze zu den Seinen hinwandernd , sich mühsam beugt , um die Brosamen zu sammeln auf dem Weg und sie den verwaisten Kindern zu bringen . - Sein Weg war sonst Wissenschaft , Studium der alten Sprache , Philosophie ; und nun ! - Wirft ihn das Geschick hinaus aus der Bahn , durch seine Aufgaben , die mehr mit dem wirklichen Leben zusammenhängen ? - Mir deucht nicht , - mir deucht , es sei die erste heilige Blütezeit seines jugendsprossenden Geistes , - so ist er auch friedevoll und ruhig im jungen Sonnenlicht keimend und treibend , lebenswarm ist der Boden , die Luft und sein Wille und sein Denken - und was