dem dieser den Hut abnahm und drei Schritte zurücktrat . Dann sagte er : » Wenn ich mich nicht menagieren müßte , absonderlich heute , so kriegtest du diesen Stock hinter die Ohren , daß du das Aufstehen vergessen solltest . Hölscher kommt nicht , das weiß ich , ich kenne ihn darin , er ist einer , der sich nicht vernegligieren läßt . Und wenn ich selbst zu ihm ginge , was sich aber auch durchaus nicht schickt , er würde es abschlagen . Jedermann wird nun nach Hölscher fragen , das wird ein Kujonieren geben , ei ! ei ! ei ! - Was für einen Schaden hast du mir an der Hochzeit gestiftet ! Könnt ihr denn das verruchte Zechen nicht lassen ? Denkt ihr immer , ohne das gediehet ihr nicht ? Sieh mich an , ich werde zu Martini neunundsechzig und fasse alles noch stramm mit an , und doch soll der noch auftreten , der mir nachsagen kann , er habe mich anders wie gewöhnlich gesehen . « » Ihr seid auch was Apartes , mit Euch kann sich niemand in Vergleichung stellen « , sagte der junge Bursche schüchtern . » Ei was ! « fuhr der Hofschulze auf . » So wie ich bin , hat der liebe Herrgott alle Menschen haben wollen , und es ist nur Eure Schlemmerei und Liederlichkeit , die Euch nicht so werden läßt . « Während dieses rauhen Auftrittes hatten die Knechte mit den Packen und Laden auf der Treppe und im Flur ein großes Geräusch gemacht , und es war sonach die frühere Stille des Oberhofes sehr unterbrochen worden . Jetzt trat die Braut , geführt von den beiden Brautjungfern , in die Türe , das Haupt fest und steif unter der zitternden Goldkrone haltend , als ob sie fürchte , den Ehrenschmuck zu verlieren . Sie reichte dem Vater die Hand und bot ihm , ohne aufzusehen , den guten Morgen , worauf der Alte ohne alle Rührung » Schön Dank « versetzte und seine frühere Positur wieder annahm . Die Braut setzte sich an die andere Seite der Türe , nahm ihr Spinnrad vor sich und begann eifrig zu spinnen , in welcher Arbeit sie observanzmäßig bis zu dem Augenblicke , wo der Bräutigam sie zum Brautwagen führte , fortfahren mußte . Der nachlässige Hochzeitbitter hatte sich unterdessen verstohlen entfernt . Die zweite Brautjungfer unterrichtete den Hofschulzen von dem Ausbleiben der Sibylle , woran , wie sie hinzufügte , keine Unpäßlichkeit , sondern das boshafte Wesen schuld sei , weil sie nämlich selbst ein Auge auf den Wilhelm , den Bräutigam , gehabt habe . Die Glocke begann eben zum ersten Male zu läuten , und es war nun durchaus keine Zeit zu verlieren . Der Hofschulze , der seit einer Viertelstunde aus einer Verdrießlichkeit in die andere gestürzt wurde , murmelte tiefsinnig vor sich hin : » Wenn nur alles klug geht bei dieser Hochzeit ! - Alle die Scherereien - hm ! hm ! ei ! ei ! - Indessen muß der Mensch seine Kontenance behalten . « - Er gab , wiewohl sehr ungern die Erlaubnis , anstatt der boshaften Eifersüchtigen Lisbeth als dritte Brautjungfer einzukleiden , mit welchem Bescheide sich die zweite entfernte , um den Putz zu Lisbeth zu tragen . Auch die erste ging , im Baumgarten den Strauß für den Bräutigam zu pflücken . In der Ferne ließen sich schon einzelne Töne der Musik hören , welche das Herannahen des Brautwagens verkündigten . Aber auch dieses Zeichen , daß der entscheidende Augenblick bevorstehe , der ein Kind vom Hause der Eltern löset und den Vater bei dem Kinde in den Hintergrund der Anhänglichkeit schiebt , brachte keine Regungen in den Personen hervor , welche wie Musterbilder alter Bräuche an den beiden Seiten der Hoftüre saßen . Die Tochter spann , hochrot aber gleichgültig aussehend , unverdrossen fort , der Vater sah gerade vor sich hin , und beide . Braut und Brautvater , wechselten miteinander kein Wort . Die Brautjungfer suchte unterdessen im Baumgarten den Strauß für den Bräutigam zusammen . Sie wählte spätblühende Rosen , Feuerlilien , orangegelbe Sternblumen , Blumen , welche sie dort Jelängerjelieber , an andern Orten Jesublümlein nennen , und Salbei . Groß , daß man drei Hochzeiter höherer Stände damit hätte ausstatten können , geriet dieser Strauß , denn bei den Bauern muß alles in das Gewicht fallen . Auch nicht ganz lieblich duftete er , denn die Salbei verbreitete einen starken , die Sternblume sogar einen übeln Geruch ; indessen durfte beides , insbesondere die Salbei , nicht fehlen , sollte der Strauß herkömmliche Vollständigkeit besitzen . Als sie ihn fertig hatte , hielt ihn das Mädchen mit stolzer Freude vor sich hin , und verknüpfte ihn dann mit einer breiten dunkelroten Schleife . Darauf ging sie ihren Posten bei der Braut einzunehmen . Viertes Kapitel Der Jäger und sein Wild Während das Zeremoniell so durch den ganzen Oberhof waltete , waren auf dem Zimmer , welches der wilde Jäger früher bewohnt hatte , zwei junge Leute ohne alles Zeremoniell beisammen . Vier warme Wangen hielten keine bestimmte Farbe , sondern spielten bald in Purpur , bald in Rosenröte , bald in einem fliegenden Bleich ; vier blaue Augen suchten einander , und wenn sie sich gefunden , zogen sie , wie erschrocken über ihr Wagnis , den Vorhang der Wimpern vor sich nieder ; zwei Lippenpaare hätten gern gemeinsame Beschäftigung vorgenommen ; da diese ihnen aber noch versagt war , so zuckten sie für sich in wundersamer , unruhiger Tätigkeit , die des eigentlichen Ziels entbehrte . Das junge Mädchen saß am Fenstertischchen und säumte ein schönes Tüchlein , welches der Jüngling für sie in der Stadt gekauft und ihr zum Festputz verehrt hatte . Sie stach sich heute noch öfter in die Finger als an dem Abende , da sie der Braut am Linnen nähen half , denn wenn die Augen die Nadel nicht überwachen , so