zum Weiterleben , wie ein Verbannter , der fern von dem Boden der Heimat , wo sein Glück und seine Lieben wohnen , an der fremden Stelle nichts sucht und erwartet , und als ein stiller theilnahmloser Gast , als ein neid- und freudloser Beobachter die Schätze der Erde nicht mehr für sich vorhanden glaubt . Oft geht der Unglückliche diesen Weg , ohne zu ahnen , daß es der Weg zu einer lichtvolleren Erkennung des Lebens ist . Lady Maria stand nach einigen Stunden erschöpfenden Schmerzes von ihren Knien auf , und blickte sich kalt und gleichgültig an , als ihr blasses , leidendes Gesicht aus dem Spiegel zurücksah . Sie hätte keine Fremde gefunden , die ihr gleichgültiger geschienen hätte , als sie sich selbst . Nur eine dumpfe Vorstellung des Erlebten und der augenblicklichen Lage war ihr nach so vielen Anstrengungen und Erschütterungen geblieben , nur eine klagenlose Ergebung , eine völlige Muthlosigkeit , gegen ihr Schicksal anzukämpfen ; und hätte man jetzt den Schleier der Ursulinerinnen über sie geworfen , sie würde ihn lächelnd als eine Wohlthat empfangen haben . Diese Stimmung hatte Zeit um sich zu greifen , denn ob absichtlich oder zufällig , ihre Einsamkeit ward bis zur Mittagszeit nicht gestört . Margarith meldete ernst und schüchtern , daß das Mittagessen aufgetragen sei , und sie folgte ohne Erwiderung der Meldung . Aber der alte Diener , der heute in ein festes Schweigen gehüllt sie bediente , mußte voll Erstaunen die leidenden Züge des schönen Fräuleins und ihr gänzlich verändertes Wesen betrachten . Sie grüßte mit dem müden Haupte , ohne daß ein Lächeln den stummen Gruß belebt hätte ; unberührt blieben die Speisen vor ihr stehn , und sanft wies ihre Hand den kleinen goldnen Becher zurück , dessen Inhalt sie noch gestern so wohl zu schätzen gewußt . Miklas und seine Tochter wechselten Blicke , und auch der Vater konnte die Theilnahme nicht unterdrücken , die sich in einzelnen Tropfen aus den Augen der Tochter stahl . Längst hatte man auch die letzte Schüssel unberührt hinweggenommen , und harrte , daß Maria sich erheben würde ; aber in tiefes Sinnen verloren , gab sie kein Zeichen , daß sie sich ihrer Lage bewußt war . Mit der ganzen Geduld wohlerzogener Diener hielt der Alte diese Probe aus ; doch ehe er es verhüten konnte , kniete Margarith neben dem Fräulein nieder . Liebe , theure Lady , wollt Ihr Euch niederlegen , sprach sie weinerlich , Ihr müßt sehr krank sein . Als ob ein Schuß an ihr Ohr gefallen , so schreckte die gebeugte Gestalt Maria ' s bei diesen Worten empor , und schnell aufstehend rief sie hastig und tonlos : Was willst Du ? Wie ? Wo soll ich hin ? Wollt Ihr nicht ruhen , liebes Fräulein ? sprach Margarith , noch schüchterner durch die Aufnahme ihrer ersten Worte . Ihr scheint der Ruhe zu bedürfen . Ja , Ruhe , Ruhe ! seufzte Maria , die habe ich nöthig , sehr nöthig ; wo aber sagst Du , daß ich sie finden soll ? Auf Euerm Bette , erwiederte die Kleine ermuthigt , laßt mich Euch dahin führen . Träumerisch blickte Maria die geschäftige Dienerin an , und mit einem Seufzer , der ihre Brust zu sprengen schien , ließ sie sich hinwegführen . Der Abend breitete schon seine Schatten über das Schlafzimmer Maria ' s , auf dessen Bette sie unruhig athmend lag , in jenem Zustande von Fühllosigkeit , womit wir oft einen Zeitraum füllen , in dem geistige und körperliche Ermüdung uns wohlthätig gegen den Schmerz abstumpfen , dessen Opfer wir wurden . Maria dachte wenig , und die tiefe Stille , die sie umgab , da Margarith , ob aus eigenem oder fremdem Antrieb , schweigend in einem Eckchen ihrer Befehle harrte , ließ sie eine Abfindung mit dem Leben träumen , eine Trennung von der Welt , an die sie mit Befriedigung dachte . Sie schauderte daher erschreckt auf , als ein dunkler Schatten vor dem Fenster vorüber nach ihrem Bette glitt , denn sie fühlte Furcht vor neuen Erschütterungen , und ihr erster Gedanke war , das grauenhafte Wesen der Nacht zu sehn . Beschwichtigend drangen daher die sanften Sprachlaute der Schwester Electa zu ihr nieder . Der Friede des Herrn sei mit Euch , Mylady , so redete die feine Gestalt sie an , indem sie , über den Fußboden hinschwebend , dem Bette nahte . Ich wollte Euch meine Dienste anbieten , fuhr sie fort , und Euern Arm verbinden . Maria richtete sich mühsam auf , erwiederte leise den ersten Gruß und gab sich willig den Bemühungen hin , welche der weibliche Arzt mit großer Geschicklichkeit übernahm . Als dies Geschäft beendigt , zögerte die Schweigende noch einen Augenblick und betrachtete das bleiche Gesicht ihrer Pflegebefohlenen mit Theilnahme . Ihr seid auch im Uebrigen leidend , liebe Lady , und Eure Hände haben Fieberwärme ; soll ich Euch einen kühlenden Trank bereiten ? - Habt Dank , erwiederte Maria , mir ist ganz wohl , und nur mein Kopf entbehrt Ruhe , Ruhe ! es ist schwer , sie zu finden , daher bin ich geduldig , daß sie mir fehlt . Ruhe , hob Electa an , Ruhe kehrt nur ein , wo wir mit frommem Vertrauen , was außer uns liegt , an die Regierung dessen verweisen , der über alle Erscheinungen der Erde wacht . Ich hoffe , sagte Maria , ich befinde mich noch auf dem Wege des Vertrauens , den Ihr bezeichnet , aber ich bin jetzt keines klaren Bewußtseins fähig . Eben mein Kopf hindert mich ; es ist Alles abgerissen , ohne Folge und Ausdauer ; nur hier , setzte sie seufzend hinzu , ihre Brust berührend , hier fühle ich eine niederbeugende Last . Nichts beugt uns tiefer , erwiderte die ernste Gefährtin mit Sanftmuth , als wenn wir von der unruhigen Begierde , das Leben nach unserm Willen zu