Ihr Oheim Geld und Land , und verlor die Frau . Mir , die ich ihn seit dem Beginne dieser Dinge herzlich haßte , war es recht erquicklich , zu sehen , wie der Mann , welcher sonst das Gräschen wachsen hörte und die Sonnenstäubchen zählte , in betreff der nächsten Angelegenheiten taub und blind war . Seine Neigung zu der Tante wuchs , je weiter diese in ihrem Herzen von ihm hinwegtrat , wobei er , echt spießbürgerlich , auf alle die Zeichen der Entfremdung , welche einem kundigen Auge nur zu offenbar waren , durchaus nicht achtete , sondern vermutlich meinte , sie müsse ihn , weil sie sein angetrautes Weib sei , auch lieben . Als nun endlich nach langem Hoffen und Harren ein Söhnlein erschien , da war des Familienglücks kein Maß und Ziel . Es kommt alles zu seinem Gleichgewichte , und zu seiner Vergeltung ; diese Erfahrung tröstet einen , wenn man dem Verlaufe der Sachen in der Welt zusehn muß , ohne glücklich geworden zu sein . Meinen Bruder richtete die Torheit für die schöne Kaufmannsfrau vollends zugrunde , und sein Verderber handelte sich von ihm die Schande ein . Denn selbst die Zession , womit Ihr Oheim unsre Verwandten ängstiget , ist doch nur ein Denkmal der Unehre . Julius wollte auf sein Kind , auf das Kind seiner heimlichen Entzückungen , die Ansprüche auf die Standesherrschaft übertragen , und deshalb stellte er jene Akte dem Titularvater aus . « Hermann fuhr heftig auf . » Das ist nicht wahr ! « rief er , sich selbst vergessend , aus . » Ei , ei , mein Herr « , versetzte Theophilie , » eine Lügnerin nannte mich bis jetzt noch niemand . Ich versichre Sie , Ihr Oheim hat so wenig Anteil an seinem sogenannten Sohne Ferdinand , als ich an den Bergwerken von Peru . Wollen Sie mir nicht glauben , so lesen Sie die Liebesbriefe meines Bruders und Ihrer Tante , welche sich in meinem Gewahrsam befinden , und alles , was ich Ihnen erzählen mußte , mit vielen schwärmerischen Ausrufungen bestätigen . Sind Sie noch so jung , zu glauben , daß ein Paar Verliebter sich auf die Länge damit begnügt , in den Mond zu sehen , oder Vergißmeinnicht am Bache zu pflücken ? « » Die Briefe ! « rief Hermann . » Das also waren die Briefe , wovon die unglückliche Frau im Försterhause auf ihrem Krankenlager so ängstlich phantasierte ! Ich bitte Sie um alles in der Welt , vernichten Sie diese Urkunden der sträflichsten Verirrung , lassen Sie sich von Ihrer Leidenschaftlichkeit gegen meinen Oheim nicht hinreißen , und schonen Sie das Andenken Ihres Bruders , einer Frau , welche Sie ja selbst Ihre Freundin nannten ! « Sie wollte sich seinem Andringen entziehn , und meinte , es sei immer gut , die Waffen in der Hand zu behalten . Allein er ließ nicht ab , er wußte so gutmütig zu flehen , und ihr Herz , welches im Grunde nicht schlecht war , so in Bewegung zu setzen , daß sie endlich mit dem Ausrufe : » Sie sind ein Narr ! « nachgab . Er durfte sie in ihre Wohnung begleiten , wo beide ein Kaminfeuer entzündeten , und mehrere Pakete Briefe und Billette auf buntem oder goldgerändertem Papier , aus welchem Locken , getrocknete Blumen und Bandschleifen in nicht geringer Anzahl herausfielen , den Flammen opferten . Als das erste Paket verbrannt war , hatte zwar Theophilie Reue verspürt , und die übrigen vor der Vernichtung bewahren wollen , allein sein Eifer siegte über sie , und da er von ihr zuletzt nach manchem weigernden Worte das feierliche Versprechen erhielt , nie ihre Kunde von diesen geheimen Sünden gegen den Oheim benutzen zu wollen , so schien dessen Ruhe wenigstens für diese Welt gesichert zu sein . Siebentes Kapitel Hermanns erster Gang nach der Rückkehr in die Stadt war zu Wilhelmi . In seinem Quartiere hörte er , daß der Freund zur Meyer in das Haus gezogen sei . Dort vernahm er von einem Bedienten einen abermals erfolgten Wechsel der Wohnung . Bestürzt meinte er schon , daß sich auch hier unangenehme Dinge ereignet haben möchten , als er Madame Meyer im Gespräch mit einigen Handelsleuten die Treppe herabkommen sah . Es wurden Bestellungen gegeben , und die Dame schien in diese Geschäfte so vertieft zu sein , daß sie selbst der Anwesenheit Hermanns eben keine Aufmerksamkeit widmete . Sie rief ihm flüchtig die jetzige Wohnung Wilhelmis zu , und sagte bescheiden errötend , daß unter den eingetretnen Verhältnissen eine kurze Trennung schicklich gewesen wäre , und daß ihm der Freund viel zu erzählen haben würde . Im neuen Quartiere fand er Wilhelmi ebenfalls nicht . Um die Zeit hinzubringen , begab er sich nach einem öffentlichen Garten , wo er hoffen durfte , Bekannte zu treffen . Einer derselben , ein Hausfreund der Madame Meyer , und einer der Spottvögel , nahm ihn sogleich beiseite , und fragte ihn , ob er die Neuigkeit des Tages schon kenne ? Ohne seine Antwort zu erwarten , fuhr er fort : » Saturn und Pallas sind in Konjunktion getreten , Wilhelmi und die Meyer haben sich verlobt . « Nichts hätte ihn mehr überraschen können , als diese Nachricht , die bei Wilhelmis krittelndem Sinne und der von Madame Meyer oft ausgesprochnen Ehescheue auch wirklich sehr auffallend war . Er fragte den Spötter nach der Zeit und dem Einhergange dieses Vorfalls , worauf er eine Stadt- und Tagesgeschichte zu hören bekam , von welcher wir freilich nicht wissen , wieviel davon der Wahrheit und wieviel der Läst-rung angehörte . » Unsre Freunde « , berichtete der Spötter , » sind unter lauter Kunstbestrebungen auf den Weg der Natur geraten . Schon lange hatten wir eine Annäherung zwischen beiden bemerkt ; die Vereinigung der Hälften des Sankt Stephansbildes mochte die der Herzen gewaltsam nach sich ziehn , aber den eigentlichen Ausschlag