bestimmten Plan verständig denken können . Wir fanden uns also auf der Landstraße mit sehr wenigem Gelde und den Kleidern , die wir an uns trugen . Wir spornten unsere Pferde an und wußten nicht wohin . So geriethen wir zufällig in ein Dorf und erfuhren , daß es zu Ihren Gütern gehöre und daß wir dem Herrenhause ganz nahe wären . Ich blieb in der Schenke , während Lehndorf einen kurzen Besuch bei Ihrer Mutter machte , um nach Ihnen zu fragen . Hier erfuhr er Ihren Aufenthalt und dieß gab unserer Flucht eine bestimmte Richtung . Ich war schlecht verbunden , aber wir eilten dessenungeachtet vorwärts , ohne weder uns , noch unseren Pferden die nöthige Ruhe zu gewähren , und diese erlagen der Anstrengung . Zwei Stunden von hier mußten wir sie zurücklassen , und ich machte , obwohl zum Tode ermattet , trotz meiner Schwäche , den Rest des Weges mit meinem Freunde zu Fuß , und so kamen wir gestern bei Ihnen an , mit dem Plane , nach einiger Ruhe , dem Rathe und dem Troste eines Freundes gemäß , uns zu dem Korps von Schill zu begeben , um , wenn er uns nicht anders brauchen kann , als Gemeine unter ihm zu dienen , denn in diesem geht dem Vaterlande eine neue Sonne auf , und ich hoffe , wir werden Großes durch ihn erleben . XIV Wertheim schwieg , und der Graf Robert sagte : Sie zweifeln wohl keinen Augenblick daran , daß ich alles aufbieten werde , was in meinen Kräften steht , um Ihre Pläne zu befördern , aber ich glaube , lieber Wertheim , Sie werden einige Tage ruhen müssen , ehe Sie daran denken können , weiter zu reisen , und dieß erfüllt mich mit Sorgen , denn wenn der Obrist wirklich geblieben ist , so muß man Verfolgung befürchten , und wie leicht können Sie hier entdeckt werden . Im Grunde , sagte Wertheim finster , liegt mir wenig am Leben , und mein Freund Lehndorf ist gesund . Schaffen Sie ihm also die Mittel fortzukommen , damit mir wenigstens der Trost bleibt , wenn ich untergehen muß , daß er lebt , um vielleicht in der Zukunft an der Rache Theil zu nehmen und den Feind bestrafen zu helfen , der uns , nachdem er unser Vaterland in den Staub getreten , unsere Ehre gekränkt hat , durch seine Satelliten unsere Bräute und Schwestern rauben und , so wie die öffentliche Ehre verletzt ist , auch die Familienehre mit Hohnlachen zu Grunde richten läßt . Der Baron Lehndorf erklärte sich bestimmt , daß er den Freund nicht verlassen würde , und der Graf bat den Verwundeten , es zu erlauben , daß er seinem Oheim die Geschichte seines Unglücks mittheile , da ja doch nur durch ihn in seinem Hause kräftiger Beistand zu erlangen sei . Nur schwer ließ sich Wertheim überreden , seine Einwilligung zu dieser Mittheilung zu gewähren , denn sein von Natur heftiges und durch das öffentliche sowohl , als sein eignes Unglück erbitterte Gemüth war schwer von einmal empfangenen Eindrücken zu heilen , und was auch der Graf Robert sagen mochte , er schwieg düster dazu , und verlor den Verdacht und Widerwillen gegen den Oheim seines Freundes nicht ganz . Endlich überstimmt und überredet , mußte er die verlangte Einwilligung geben , und Graf Robert begab sich zu seinem Oheim , um das Beste seines düstern , ungestümen Freundes zu berathen . Der Graf beklagte den jungen Mann und war um so mehr zur Hülfe bereit , da er dem Staate einen kräftigen Krieger zu erhalten wünschte . Doch entschied er dahin , daß jede Maßregel aufgeschoben werden müsse , bis der Arzt zurück sei , um seine Meinung zu hören , wie bald der Verwundete sich neuen Anstrengungen unterwerfen könne . Es ward also beschlossen , um jede Neugierde der Bedienten zu unterdrücken , die bei etwaigen Nachforschungen nachtheilig werden könnte , zu verbreiten , der junge Mann sei durch einen Sturz mit dem Pferde verletzt worden und müsse sich hier im Hause etwas erholen , ehe er weiter nach Warschau reisen könne , wie seine Absicht sei ; und um allen Schein des Geheimnisses zu vermeiden , sollten die beiden Fremden der Familie des Grafen vorgestellt werden und in diesem Kreise scheinbar gleichgültig leben , bis der Arzt die Abreise erlauben würde . Der Graf Robert hatte es Anfangs zu erwähnen vermieden , daß der Herr von Wertheim derselbe sei , durch dessen ungestüme Hitze sein Oheim schon ein Mal war beleidigt worden . Er wollte erst die Unterstützung desselben für den jungen Mann in Anspruch nehmen und ihm dann dessen aus Vaterlandsliebe entstandenen Mißgriff bekennen . Im Eifer des Gesprächs aber vergaß er diesen Vorsatz und hatte seinen Oheim verlassen , ohne ihm diesen Umstand zu vertrauen . Zu seinem Freunde zurückgekehrt , fand er bei diesem den größten Widerwillen sich zu fügen , denn auf der einen Seite hielt ihn Scham und Verlegenheit zurück , sich einer Familie zu zeigen , bei der sein erstes Auftreten keinen vortheilhaften Eindruck konnte zurückgelassen haben , und dann war sein Mißtrauen gegen den Grafen , welches er freilich dem Verwandten desselben nicht zeigen durfte , keineswegs gehoben . Endlich mußte er einsehen , daß er , da sein böses Schicksal ihn zwang , gerade in diesem Hause Gastfreundschaft zu empfangen , wenigstens jetzt die Höflichkeit üben müßte , die sowohl die Sitte , als seine eigene Sicherheit forderte . Er ließ es also geschehen , daß der Graf Robert sowohl ihn , als seinen Freund Lehndorf mit Wäsche und Kleidern anständig versorgte , woran bei ihrer übereilten Flucht Keiner gedacht hatte , um dem Grafen und seiner Familie vorgestellt werden zu können . Als sie den Saal in dieser Absicht betraten , fiel es dem jungen Grafen ein , daß er es vergessen habe , seinen Oheim darauf vorzubereiten , daß er in der Person des Herrn von Wertheim