da fragt ich mich wieder : » Ist das die Welt , in der du lebst ? « Und kannst du scherzen mit dir selbst , hier in der einsamen Natur , wo alles schweigt und feierlich Gehör gibt deiner innern Stimme ? - Dort im fernen Gefild , wo die Lerche jubelnd aufsteigt , und am Gesimse des Tempels , wo die Schwalbe ihr Nest birgt und zwitschert ? Und ich lehnte meine Stirne an den Stein , und dachte Dich ; ich lief hinab ans Ufer und sammelte Balsamkräuter und legte sie auf den Altar ; ich dachte : möchten die Blätter dieses Buchs voll Liebe einmal Deinem Geist duften , wie diese Kräuter dem Geist jener schönen Vorwelt , in deren Sinn der Tempel hier gebaut ist . - Dein Geist spricht ja die heilige Ordnung der Schönheit aus wie er , und ob ich ihm was bin , ob ich ihm was bleibe , das ist dann einerlei . Ja süßer Freund ! ob ich Dir was bin : was soll ich danach fragen ? - Weiß ich doch , daß die Lerche nicht umsonst jubelnd aufsteigt , daß der Morgenwind nicht ungefühlt in den Zweigen lispelt , ja daß die ganze Natur nicht unbegriffen in ihr Schweigen versunken ist ; was sollt ich zagen , von Dir nicht verstanden , nicht gefühlt zu sein ? - Drum will ich nicht schwören , Dir etwas zu sein ; es ist mir gewiß , daß ich Dir bin , was in einstimmender Schönheit ein Ton der Natur , eine geistige Berührung dieser sinnlichen Welt Dir sein kann . * * * Im Juli Diese Tage , diese Gegenden , sie tragen das Antlitz des Paradieses . Die Fülle lacht mich an in der reifenden Frucht , das Leben jauchzt in mir , und einsam bin ich wie der erste Mensch ; und ich lerne wie dieser herrschen und gebieten dem Glück : daß die Welt soll sein , wie ich will . Ich will es , daß Du mich selig machest , nur weil ich Dich weiß und kenne , und weil Dein sittlich Gefühl der Raum ist meiner geistigen Schöpfungen ; in Dich hinein nur kann ich ja diese Welt der Gefühle legen , Dir nur kann ich diese Phänomene einer erhöhten Rührung erscheinen lassen . - Deine Schönheit ist Güte , die mich nährt , schützt , mir lohnt , mich tröstet und mir den Himmel verheißt ; kann ein Christ besser organisiert sein als ich ? * * * Ich sitze nun einmal mitten in dieser reichen Natur , mit Herz und Seele ; so muß ich denn immer wieder von diesem Doppelgespann schreiben . Heute war ich in einem andern Tempel , der an der Höhe liegt und den herrlichsten deutschen Fluß in seiner glorreichsten Pracht beherrscht , wo man unzählige Orte und Städte sieht , die an seinen Ufern in seinen Gauen weiden . In diesem sonnenhellen Himmel liegen sie da wie ruhende Herden . Was soll mir diese Pracht der Natur ? Was soll mir dies wimmelnde Leben , diese mannigfaltige Geschäftigkeit , die sich durch die bunten Fluren zieht ? - Es eilen die Schifflein hin und her aneinander vorüber , jedes hat seiner Reise Ziel . - Wie jener Schiffe eines hast auch Du Dein Ziel ; und es geht an mir vorüber , rasch wie des Glücklichen Bahn schneller am Pfad des einsam Verlaßnen vorüber fährt . Und ich höre dann nicht mehr von Dir , daß Du nach mir fragst ; und Deinem Gedächtnis verhallen , wie meine Seufzer , so die Spuren der Erinnerung . So dacht ich , dort auf der Höhe im Tempel , wie ich niedersah in das allseitig ausgebreitete Treiben der Menschen ; wie ich mir überlegte , daß neue Interessen Dich jeden Augenblick aufnehmen können und mich gänzlich aus Deiner Welt bannen . Und ich hörte die Wellen brausen in der Tiefe , und Gevögel umflatterte meinen Sitz , der Abendstern winkte , daß ich heimgehen möge . Um so näher dräng ich mich jetzt an Dich : o öffne Deinen Busen und lasse mich ausruhen von der tränenbewegten Ahnung , ich sei Dir nichts , ich sei Dir vergessen . O nein , vergesse mich nicht , nimm mich , halt mich fest und lasse die Stille um uns her den Segen sprechen über uns . * * * Du hast mir ' s beim Abschied damals gesagt . Du hast mir ' s abgefordert , ich möge Dir alles schreiben , und genau , was ich denke und fühle , und ich möchte gern ; aber Liebster , die wunderlichen Wege , die mit dämmernder Fackel der Verstand kaum beleuchtet , wie soll ich die Dir beschreiben ? - Diese Träume meines Glückes ( denn glücklich träum ich mich ) , sie sind so stürmisch , so wunderlich gelaunt , es ist so unscheinbar , was ich mir manchmal ersinne . Mein Glück , wie ich ' s mir denke , wie soll ich Dir ' s beschreiben ? Sieh die Mondsichel am wolkenlosen Himmel und die breitästige , reich belaubte Linde ; denke ! Sieh unter ihrem flüsternden Laub , die flüsternd auch , einander umfassen , die beiden ; wie einer den andern bedarf und feurig liebend an ihm hinauf reicht , wie jener mit freundlichem Willen sich ihm neigt und diesem Flüstern der Liebe Gehör gibt ; und denke noch : die Mondessichel , die Sterne müßten nicht untergehen , bis diese Seelen , ineinander gesättigt , ihre Schwingen ausbreiten und höheren Welten zufliegen . Dies spräche heute mein Glück aus , o lieber Freund , es spräche es einmal in vollem umfassenden Sinn aus . So wie das Aug die Schönheit erfaßt , so auch der Geist ; er umfasset den Inbegriff der innern Schönheit wie der äußern , mit Schmeichelworten bringt er beide in Einklang , und der Leib wirkt magisch auf den Geist