Es lebt sich im Leide und in der Freude , wenn das Herz dabei fühlt und der Geist denkt . Doch , wenn auch das aufhört , wenn die Gluth kalt und der Brand Kohle ist - ! Sagt doch , Ihr beiden schönen , rührenden Wesen , was finge ich auch an , wenn ich noch lieben könnte ? Euch lieben müßte ! Es ist Barmherzigkeit , daß Alles vergeht ! Selbst der Verstand . Wie eine Scheibe dreht er sich . Das Weiß und Schwarz kreist in immer schnelleren , immer engeren Ringen um sich herum , zuletzt ist es Eins . Alles läuft auf Eins hinaus . Liebe Elise ! lassen Sie Georg Mönch werden . Er glaubt dann wenigstens zu wissen , wofür er lebt . Und das ist sehr viel , so lange es währt . Ich habe mancherlei geträumt . Sehen Sie , mir thut es das frühe Aufwachen . Es ist Einem so nüchtern , so kalt , wenn man vor der Zeit von den Träumen lassen muß . Der Faden bleibt abgerissen . Die Phantasie eines Wachen ist eine arme Stümperin , glauben Sie mir das . Mein letzter glücklicher Augenblick war , als ich bewußtlos zu Emma ' s Füßen stürzte . Gott ! welch eine Welt war da in meiner Brust . Ich hätte sie so gern , so gern noch einmal wieder gesehen . Allein , sie will es nicht . Was in der Seele für Kräfte liegen ! Wie viel wird sie leiden müssen , ehe das Alles stumpf wird ! Sie sind schon matter , Elise ! Sie bricht wohl ein tüchtiger Sturm über kurz oder lang . Ade ! Ade ! sagen unsre alte Romanzen , wenn der Dichter nichts mehr zu sagen weiß , und das Ende nicht finden kann . Wenn er das Ende nicht finden kann ! - Ade ! Ade ! Warum wird mir dabei so traurig , so weich , so zum Weinen voll ums Herz ? Was hat der tändelnde Singsang für Gewalt über mich . Bin ich vielleicht blödsinnig geworden ? geht der Geist leise aus ? und lallt das sterbende Gefühl kindische Töne ? O dann ! Ade ! Ade ! - Sophie an den Comthur Kaum war mein Brief von heute Morgen an Sie , lieber Freund ! abgeschickt , so fuhr Birkner , mit der leeren Jagdkalesche des Grafen , in den Hof . Er glaubte , seinen Herrn hier zu finden , der ihn schon seit sieben Uhr Morgens nach dem Walde bestellt hatte , worin er Willens gewesen war , zu jagen . » Vielleicht , « sagte ich , » hat er sich anders besonnen , und darüber vergessen , daß Sie ihn erwarten . « Jener , an dergleichen gewöhnt , lachte , die Achseln leicht zuckend . Meine Gründe mochten ihm einleuchten . Er empfahl sich , und war schon im Begriff , zurück nach Wehrheim zu fahren , als es ihm einfiel , es könne sich doch wohl anders verhalten . Der Graf habe doch wohl wirklich die Absicht gehabt , auf die Jagd zu gehen . Er sei in aller Frühe bei der Tannenhäuserin gewesen , welcher er einen Brief zu baldiger Besorgung hierher , an die Frau Präsidentin , eingehändigt habe . Da sich nun keine frühere Gelegenheit hierzu dargeboten , so schicke jene das Schreiben durch ihn . Ich ließ mir es geben , ersuchte Birkner , ein wenig zu verziehen , und eilte damit zu Elisen . Sie erschrack bei meinem Eintritt . » Ist etwas vorgefallen ? « rief sie mir hastig entgegen . Ich bat sie , ruhig zu sein , und sich des Freundes Gruß zu freuen . Sie nahm den Brief furchtsam aus meiner Hand . Ihn von allen Seiten gedankenlos betrachtend , seufzte sie , das Auge zu mir gewandt , ohne ihn zu erbrechen . » Ich gehe , « sagte ich , » lesen Sie , wenn Sie sich gesammelt haben . « Als ich das Zimmer verließ , eilte sie hinter mir drein , und verriegelte die Thür . Ich wollte Birkner Anfangs nicht eher fortlassen , bis ich erfahren , ob Elise keine Bestellung für ihn habe . Es währte ihm indeß zu lange . Er war ungewiß über seines Herrn Rückkehr . Mir schien er sogar ängstlich . Ich mußte endlich nachgeben und ihn ohne Antwort fahren lassen . Es blieb alles still bei Elise . Ich wollte sie nicht stören , und doch trieben mich Theilnahme und Besorgniß immer wieder zu ihrer Thür . Ich klopfte verschiedentlich ganz leise an . Sie mochte es nicht beachten . Sie öffnete nicht . Endlich rufe ich sie bei Namen . » Ja ! « erwiederte sie , wie aus dem Schlafe erwachend . » Was giebt es ? « Ich bat sie , mir aufzumachen . » Ja so ! « hörte ich sie sagen . Sie kommt , sie zieht den Riegel weg , ich trete ein , aber ich glaubte vor Schrecken in die Kniee zu sinken , als ich die todtenbleichen , verzerrten Züge der armen Elise erblickte . Sprachlos starrte ich sie an . » Er hat Abschied genommen , « lächelte sie . » Er ist fort ! Gott weiß , wohin ? « setzte sie langsam hinzu , und mir den Brief hinhaltend , sagte sie , » da lesen Sie einmal . « Ich durchflog die Zeilen , ich blickte in ein Gewebe verworrener Verzweiflung , in den wüsten Kampf widersprechender Gefühle , mir schwindelte , mir bebte es in der Seele , doch konnte ich nichts von einem entscheidenden Entschluß , keine Hinweisung auf Abreise und Entfernung herauslesen . Ich sagte das Elisen . Sie bestritt es nicht , sie äußerte keine Meinung . Allein in sich schien sie nicht im mindesten zu zweifeln . Wie ich sie auch zu beruhigen strebte , sie sah mit gebeugtem Haupte und