so ? « fragte Diether strenge . - » Das arme Weib wird wohl gestorben seyn ; « versetzte Paul weinerlich : » der Pfaffe gab ihr , da ich heute früh aufbrach , nur zwei Stunden noch zu leben . « - » Verflucht ! « zürnte Diether dumpf , und setzte das Kind nieder . - » Wenn Ihr jedoch ein vertrauter Freund des Herrn wart , wie der ehrsamen Frau , « fuhr Paul fort , » so wollte ich Euch wohl ein Brieflein für denselben zustellen . « - » Das Bekenntniß meiner Schande ! « seufzte Diether für sich , und griff finster nach dem Zettel , den ihm der Bauer reichte . » Ein verkleideter Mann gab ihn mir , da ich Moorweiler verließ ; « setzte dieser hinzu : » Er mag wohl seine Ursachen haben , warum er ihn nicht selbst überbringt . « Diether öffnete bedächtig den Zettel , und las zu seiner Verwunderung ganz andre Worte , als er vermuthet hatte . Es standen darin folgende : » Wisset , Schöff und Rathsherr , Diether Frosch , daß ein Freund seine Ehre bewahrt will haben , und Euch verrathen , an welchem Ort sich befindet Eure Tochter Wallrade . So Ihr am Tage , da der nächste Vollmond eintritt zur elften Stunde der Nacht Euch wollt einfinden an dem Feld-und Bannsteine , das Sprünglin genannt , unfern von Bergen , und mitbringen wollt einen Sack mit vierhundert Mark löthigen Silbers , sollt Ihr Alles wissen und erfahren , wie Ihr wieder zu Eurer Tochter gelangen könnt . Kommt allein , sonder Gefährde , sonst sucht Euch der rothe Hahn daheim . Ich bin der Niemand . « - Mit finster gerunzelter Stirne sah Diether von dem Zettel zum Boten auf ; Letzterer hatte aber für gut gefunden , sich - einem Unwetter vorzubeugen - aus dem Staube zu machen . Diether rief seinen Leibdiener herbei . Der Mensch wollte jedoch nichts von dem Bauern gesehen haben . - » Eitel ! « sprach Diether unwirsch , da sein Auge wieder auf das Kind fiel , das still und furchtsam in der Ecke saß : » ist meiner Tochter Knecht noch nicht heimgekehrt von dem Streifzuge des Jungherrn ? « Der Diener verneinte . - » Liegt die Magd noch krank ? « fuhr der Hausherr fort . - Eitel berichtete , daß seit dem gestrigen Tage das Fieber nachgelassen habe , das von dem Schrecken des Überfalls erregt , die Dirne bisher außer Stand gesetzt hatte , außer dem Bette zu bleiben , und Antwort auf die ihr vorgelegten Fragen zu ertheilen . Diether befahl , die Zofe heraufzusenden . Überlegend ging er auf und nieder . » Soll ich denn von der Magd erfahren , was mein Blut jetzt schon sieden macht ? was mir jetzt schon klar wie der Tag ist ? « fragte er endlich : » Nein ! Diether , « - antwortete er entschlossen ; - » Nein , sey Du gerade , bleibe Du redlich , wenn Dich auch der hinterlistige Verrath umgibt . Schirme , so viel als möglich , die Ehre Deines Namens . « Er führte das Kind in die Kammer , und unmittelbar darauf trat die Zofe Wallradens , eine hübsche , etwas blasse Dirne zu ihm in ' s Gemach , gewärtig , seine Befehle zu empfangen . » Du bist eine feine Magd ; « begann Diether ernst : » Deine Gebieterin schmachtet in arger Haft , und Du denkst nicht einmal an das Kind , das sie hülflos zurückgelassen ? « » Ihr Kind ? « entgegnete die Dirne betroffen , und ihr Angesicht wurde bluthroth : » Ach , gestrenger Herr , Ihr wißt ... ? « - » Wie sollt ' ich nicht ? « fragte Diether mit scheinbarer Unbefangenheit entgegen , obgleich die Bestätigung von Paul ' s Bericht sein Herz durchschnitt : » Unverzeihlich ist es von Euch , zugegeben zu haben .... « - » Ach Herr , « seufzte das Mädchen ängstlich : » Vergebt uns . Der Diener muß gehorchen und schweigen , so die Herrschaft befiehlt . Und da es Gott so gut gemacht hatte mit dem Kleinen , ... in welchen Händen konnten wir das Kind lieber sehen .... ? « - » Als in Willhildens Hütte , bei der Sterbenden ? « unterbrach sie Diether rasch : » Unverzeihliches Beginnen der Mutter und der Pfleger ! und mir ein Geheimniß aus dem zu machen , was ich wußte , blieb das arme Kind verwahrlost zurück ? « - Die Magd wollte reden . - » Kein Wort , bei meinem Zorn ! « fuhr Diether auf : » Ich sehe hell und brauche Euer Deuteln nicht . Hier ist das Kind « - er führte das Mägdlein aus der Kammer .... » heute mag es noch bei Dir im Hause bleiben ; ich mache Dir ' s jedoch zur Pflicht , vor Niemand es sehen zu lassen ; vor meiner ... vor Frau Margarethen am allerwenigsten . - Wo die Mutter nicht gern gesehen ist , wird das Kind verachtet ; « schaltete er bitter ein , und endigte mit dem Versprechen , der Zofe und dem Töchterlein mit dem nächsten Tage eine Zuflucht anzuweisen , in welcher sie die Befreiung der Mutter zu verbleiben hätten . - Die Zofe schwieg gehorsam ; in ihren Augen war jedoch ein gewisses Staunen nicht wohl zu verkennen , da Diether ihr das Mägdlein hinreichte , das sich mit dem Schmeichelworte : » Ach , Du liebe Gundel ! Du bist da ? « an der Erröthenden Brust schmiegte . » Sieh da , Agnes , Du hier ? « entgegnete der Mund der Letztern endlich , und nachdem sie noch einige Fragen des Altbürgers , die er , geflissentlich den Aufenthalt im Wiesbad und die Geschichte des Kindes umgehend , über einige Umstände des Raubes auf der Heerstraße an