Untervogt : Es ist doch besser , wenn wir den Wolf erst aus dem Schafstall herauslassen , und rief dann laut : Weil euch leichtsinnige Bösewichter eure Übeltat reut , so soll euch verziehen werden ; aber ihr sollt alle durch das Eselstor , wo sonst nur die Mülleresel treiben , hinausziehen zum ewigen Schimpfe . Die Bauern wollten erst jeglicher zu seinem Tore hinausgehen und baten darum , aber der Konstabler machte eine so grimmige Bewegung mit seiner Lunte in der Trunkenheit , und der Obervogt schwor , er wolle sie , so wahr er ein Edelmann , wie Hühner abschlachten , daß sie endlich wohl gar noch Eselsohren sich gemacht hätten , wenn ' s verlangt worden wäre ; sie zogen ab , und ich mußte zu ihrem Abzuge spielen . Als sie fort waten , da ging die Untersuchung gegen die schuldigen Bürger an ; da wurde der Schaden Josephs erst besehen ; es sollte der Wein wieder in den herrschaftlichen Keller geschafft werden ; darüber wurde mein Dank vergessen , ich mußte weiter ziehen und bin nun , wie ihr mich seht , hungernd und durstig und ohne Geld . « » Was ist denn aber Euer Handwerk sonst ? « fragte Anton ; » wie heißt Ihr ? damit ich Euch künftig nennen kann . Ich heiße Anton und bin ein Maler . « » Ich habe nur ein Mundwerk « , sagte der andere , » kein Handwerk ; ich habe mich viele Jahre mit der Meistersängerei in Nürnberg abgequält , hab Euch in allen Tonarten Wörter zusammenschreiben können , wie die andern , habe selbst die Seidenschwanzweise erfunden , die ihren Kunstbau durch hundertundzwanzig Reime treibt , wurde verliebt , als ich den Gesang der drei Männer im feurigen Ofen darin aufgeschrieben hatte ; meine Braut lachte mich aus damit und sang mir ein Liebeslied vom schmelzenden Schnee und grünen Grase , von der Frau Nachtigall , vom Goldring , den sie im Schnabel trägt ; das behagte mir so wohl , daß ich allen meinen Narrenkram wegwarf und sang , wie mir ' s ums Herz war . Da wollte mich niemand mehr in Nürnberg bei festlicher Gelegenheit haben ; der gute alte Hans Sachs , die weiße Taube , gab mir aber ein Reisegeld , daß ich nach München gehen solle , um noch singen zu lernen ; so bin ich immer weiter gekommen und rücke immer näher an meine Bärbel ; ich aber heiße Güldenkamm . « » Ihr seid ein kühner Mann « , sagte Anton , » daß Ihr den Meistergesang so herabsetzt ; habe sonst immer großes Lob davon gehört , weiß aber selbst nichts von ihm ; in meiner Stadt hatten wir keine solche Schule und schämten uns dessen ; die Nürnberger taten immer bei uns so stolz , wenn einer das Schulkleinod , die Krone oder den Kranz gewonnen , oder wenn einer getauft und gefreiet worden . « » Das bin ich alles auch « , sagte Güldenkamm , » verkauf Euch aber alles , was ich da gelernt habe , für ein Mittagessen , es ist eine Wortschinderei ; mich hungert heute , ich habe nichts gegessen ; habt Ihr nichts bei Euch ? « » Nein , mein guter Güldenkamm « , seufzte Anton , » ich habe schon lange Euren Ranzen angesehen , ob nichts Eßbares darin sein möchte . « » Ihr seht so stattlich ritterlich angezogen aus « , sagte Güldenkamm , » wie seid Ihr in solche Not gekommen ? « Anton erzählte ihm in der Kürze , was ihm begegnet , von seiner Frau , wie er sie liebte ; nur von seinem Vater und von Susannen schwieg er . Doch sah der listige Meistersänger recht wohl , daß es ein Mädchen sei und Anton ihr zärtlich die Hand drücke . Die Erzählung wurde durch die Ankunft des Fährmanns unterbrochen , der mit einigen Leuten über das Feld jenseit des Flusses kam und sie übersetzte . Anton suchte jetzt in seinen Taschen nach Geld zum Übersetzen und stampfte mit dem Fuße zornig : » Habe meine Geldtasche im Bette vergessen ! Wer hat nun Geld zur Überfahrt ? « Traurig sahen sich alle drei an . » Umsonst tut ' s der Alte nimmermehr , ich kenne ihn . « Susanna holte jetzt das kleine Eichhörnchen aus ihrer Tasche und sagte sehr trübsinnig : » Unser armer Tucktuck verhungert , er nagt schon meine Finger an , und nirgends , so weit ich blicke , sehe ich einen Ort , wo er was fände , wenn wir ihn frei ließen . « Inzwischen wurde die Fähre ans Land gestoßen und festgebunden ; es stieg ein alter Prälat und zwei Nonnen aus ; jener saß zu Pferde , diese gingen zu Fuß . Der Prälat sah gleich auf das Eichhörnchen und sagte zu den Nonnen : » Eure Liebden sehen einmal den Rotschwanz ! Gib her Kleiner , ein artig Tier ; wie es mir die Nuß aus der Hand nimmt ! sehn Eure Liebden , es nagt wie ein Zimmermann mit der Säge in die Schale ; ich wollte , es wäre feil , möchte es Eure Liebden zu meinem Angedenken verehren . « » Was gebt Ihr , gnädiger Herr ? « fragte Güldenkamm ; » es ist uns zwar sehr lieb . « » Da sind dreißig Kreuzer « , sagte der Prälat , » es ist teuer damit bezahlt ; aber seht nur , wie kraus ihm die Blume steht , ihr lieben Nonnen ; möchte mir daraus einen Weihwedel machen . « Susanna ließ heimlich eine Träne fallen , küßte das Eichhörnchen noch einmal und übergab es dem Prälaten , der ihr die Backen kneipte . Sie übergab das Geld Anton , sah dem Prälaten mit den beiden Nonnen nach , denen er das zierliche Tierchen übergab , sie segnete und in verschiedener Richtung von ihnen fortritt . Jetzt bezahlte Anton zwei Kreuzer