Schicksal abzuwenden , das durch ein zutrauliches Wort mit ihrem Manne zu lösen war . O der späten unausbleiblichen Strafe aller Schuld ! Diese Fahrt , welche ein paar Tage dauerte , war mitten in der höchsten Lust , durch eine Verbindung aller Naturschönheit mit dem glücklichsten Himmel und seinen günstigsten Winden und schönsten Festen , voll trauriger Zeichen für die besorgte Dolores . - Sie fuhren in die tiefen Felsengrotten bei Favarotta ; die Fürstin , der Graf und der Schreiber hatten Flinten geladen , und erhoben plötzlich ein verabredetes Getöse , welches die Tauben aus ihren Nestern aufschreckte , die in einer dichten leichten Wolke über ihnen schwebten ; jetzt wurde Feuer unter sie gegeben , und es stürzten eine Menge tot und verwundet herab ; die Hunde holten die gefallenen aus dem Wasser , und die Jagd wiederholte sich . Die Gräfin konnte kein Vergnügen stören ; sie sah wie lebhaft die Jäger auf jeden Schuß sich freuten , aber immer rief es in ihr , was wird aus den Jungen im Neste ; sie schwieg aber und sah ins klare Wasser , das durch die eigentümliche Beleuchtung der Höhle bis zum tiefsten Grunde alles durchscheinen ließ , als wäre es zu einer hellen Luft geworden , in der die Barke schwebte ; da sah sie die wandernden Züge der geselligen kleinen Fische , ihr blitzschnelles Drehen , das drehende Fortbewegen der Seesterne , der Medusen sternartiges , formloses Nichts ; wie Muscheln und Krabben gesellig bei einander lagen , halb in Moosen versteckt , größere Krabben trugen die kleineren mütterlich auf ihren Armen in Sicherheit , wenn zuweilen Delphinen an die Oberfläche rauschten . Aus dieser fremden Welt , die für das Schrecken der umgebenden entschädigen wollte , drangen plötzlich Sirenen hervor , schöne schwimmende Mädchen , die gar anmutig eine Einladung absangen : Auf der Erde ist es schwül , In den Wassern ist es kühl , Sonne , Mond und alle Sterne Stürzen sich hinein so gerne , Denn im Wasser wird ' s so klar , Wie ' s auf Erden traurig war . Ruhig schlaft ihr bei uns ein In der Wasser grünem Schein , Höret keine Kinder schrein , Fühlet keine Liebespein , Liebet ohne Eifersucht , Findet alles , was ihr sucht . Was verloren in dem Meer , Stehet da im Haus umher , Alter Zeiten Schätz und Kunst Brauchet ihr durch unsre Gunst , Jeder Sturm bringt neue Gäst Zu dem ew ' gen Freudenfest . Wenn wir tanzen in dem Kreis , Wirbelt sich die Welle weiß , Wenn wir unten lustig sind , Stürmet über uns der Wind , Stürmt in unsrer Haare Glanz , Und das kühlet in dem Tanz . Diese Fischermädchen , denn das waren diese Sirenen , hatte der wunderliche Prinz von Palagonien abgerichtet , gleichwie er sein ganzes Ländchen zu den abenteuerlichsten Effekten anordnete , die aber meist alle eine so gereizte Stimmung forderten , wie sie Dolores in diesen Tagen hegte , um nicht ihre ganze Wirkung zu verfehlen . - Oft sind diese Sirenen von den mutwilligen Sizilianern beschimpft und bekriegt worden , dann erfolgte gemeiniglich zuletzt ihre Flucht aufs Land , die mit den Schwimmgürteln und Federkleidern eben so lächerlich als beschwerlich ausfiel . Unsre Reisenden fügten sich aber ganz ernsthaft in diese Launen des wunderlichen Prinzen , sie hatten ihm ihre Ankunft gemeldet , sie wollten sein abenteuerliches Schloß beschauen ; und taten gegen die Sirenen , als wenn sie sich aus Furcht vor ihnen ans Land zurück zögen . Dieser Landungsplatz gehörte schon zum Garten des Prinzen , sie sahen niemand bereit sie zu führen , aber aus einigen Bäumen , die zu ihrer Verwunderung umgedreht waren , so daß die krause Wurzel fein belaubt aufgerichtet stand , befahl ihnen eine Göttin , den Weg nach dem Schlosse einzuschlagen . Das Schloß dieses Prinzen ist allzu bekannt , um es weitläuftiger zu beschreiben , es hat unermeßliche Summen gekostet , um alles hervorzubringen , was gegen den Geschmack , gegen die Bequemlichkeit , gegen jede Art Kunstsinn verstößt . Keine Mauer ist gerade oder in einer bestimmten Krümmung , kein Fenster dem andern gleich ; die schiefe Türe , die von der Mitte des Hauses wenig absteht , ist von den ekelhaftesten , in Marmor gehauenen Schimären umgeben ; erst da bemerkt man , daß die ganze Mauer mit solchen Unwesen ordnungslos überzogen ist . Beim Eintritte erschrickt der Kunstliebende vor den schönen heiligen Bildern großer Meister , womit der Fußboden belegt ist , wogegen die Wände mit den Zerrbildern kleiner Kinder in kostbaren Rahmen prangen ; alle Fensterscheiben sind aus zerbrochenen Stücken sehr beschwerlich zusammengelötet , und die Decke des Zimmers ist mit einem Gemische alter goldener Rahmen , Muscheln , Ordensbänder und Dokumente mit großen Wappen bedeckt ; die prächtigen Stühle haben alle nur zwei Beine , und die Tische liegen alle umgekehrt . Das kostbare , aber in seiner Vermischung ganz ungenießbare Frühstück , war in einem künstlichen Pferdestalle unsern Reisenden bereitet , der freilich nie den Pferden eingeräumt worden ; die herrlichsten Majolikagefäße als Krippen , die künstlichen Glasgitter als Heuraufen zeichneten ihn vor allen Zimmern im Schlosse aus . Hier ließen sich die Reisenden zum Ausruhen nieder , wenn sie gleich von den Speisen nichts anrühren mochten ; weder Herr noch Diener war irgend zu erblicken , alle unterhielten sich über die Veranlassung , eine Grille , die einen andern Menschen auch wohl einen Augenblick hätte beschäftigen können , mit solchem Aufwande über sein ganzes Leben auszubreiten . Die Fürstin glaubte , er hätte sich durch diese Wunderlichkeiten auszeichnen wollen ; was ihm auf dem gewohnten Wege andrer Menschen vielleicht nicht gelungen ; es gehe ihm nicht ärger als gar manchem Dichter , manchem Fürsten . Der Graf meinte eine eigne Gedankenunzucht darin zu entdecken ; er glaubte , daß ein Mensch allmählich in solcher heimlichen Lust alles Ekelhafte sich zu denken , weil es niemand in seiner Äußerung leiden würde