ihrer Liebe , ihrer Liebe zu einem Manne , der sie seinem Freunde so auffallend nachsetzt , und ihr Glück , ihr Leben für die Freiheit des Andern aufopfert ! O welche unselige Macht der Leidenschaft ! Und welcher ungeheure Mißbrauch , den Euer Geschlecht von der Gewalt macht , die hergebrachte Sitte und unsere zu große Nachgiebigkeit euch über uns einräumen ! Eher wird kein Weib zum Besitz ihrer natürlichen Rechte kommen , bis sie es über sich vermag , den tiefgewurzelten , durch tausend Vorurtheile genährten Wahn auszurotten , daß wir nur in der Liebe , und also nur durch Euch glücklich werden können . Und wann wird diese goldne Zeit erscheinen , wo diese kühne Wahrheit allgemeine Ueberzeugung werden wird ? 110 . Theophania an Junia Marcella . Nikomedien , im Mai 305 . Agathokles stirbt . In wenig Tagen bin ich Wittwe . Ich setze nichts hinzu , du kannst meinen Schmerz ermessen , du weißt , wie ich liebte , obwohl du nicht weißt , wie ich geliebt wurde . Die um mich sind , fürchten für meinen Verstand , ich merke es wohl . O diese große Wohlthat wird mir nicht zu Theil , so wenig als der Tod ! Der Tod ? Ich soll ja leben . Er will es . Ach sterben für den Geliebten , wer könnte es wagen , dies etwas Schweres , Großes zu nennen ? Es ist nichts - ein trüber Augenblick zum Preise unendlicher Freuden ! Aber leben , leben ohne ihn , und auf sein Geheiß , das ist das Schwerste , was die Liebe fordern kann ! Wie ein weiter , düstrer , uferloser Ocean umgibt mich das Leben , in dem ich versinke ohne Hoffnung der Rettung , ohne Hoffnung des Todes . Es sind gute Menschen um mich , Calpurnia und ihr Gemahl ; sie haben mir , und dem , den ich bald verlieren werde , viel Liebes , Herzliches erwiesen . Ihnen danke ich die einzigen Tröstungen , deren ich fähig bin , aber Calpurnia möchte mir gern noch andre geben . Ich kann sie nicht annehmen , denn ich kann sie nicht fassen . Sie ist vielleicht stärker als ich - vielleicht auch nur kälter . Mein ganzes Wesen , jeder Gedanke , jede Regung ist ein unendliches Weh . So muß dem Menschen zu Muthe seyn in der Todesstunde , wenn sich die innigsten Bande des Lebens lösen , und der bessere Theil sich gewaltsam von der morschen Hülle losreißt . Auch meines Lebens innigste Bande lösen sich jetzt , mein besserer Theil schwebt verklärt und selig der Heimath zu , und läßt die todte Hülle im Grabe . Das ist die Welt für mich . Dort , dort ist Leben , wo er hingeht , und mich streng und unerbittlich zurückstößt ! Warum Agathokles stirbt , um welches Zweckes willen er mich , sich , unser Lebensglück opfert , kann ich dir jetzt nicht sagen ; auch wage ich es nicht , in dieser Zeit so etwas einem Briefe anzuvertrauen . Calpurnia und der König glauben , er habe sich für Constantin geopfert , und die Welt urtheilt eben so . Es ist viel höher , viel schöner , und mitten unter schmerzlichen Schauern muß ich seinen Entschluß billigen und verehren . Er hat mir geschrieben . Dieser Brief kömmt nie wieder von meinem Herzen . Ich habe mich bestrebt , ihm eine Antwort zu senden , die seine unendliche Liebe für mich , seinen Edelmuth vergelte . Ich habe mich beherrscht , kein Wort der Klage ist mir entschlüpft , nur gegen dich öffnet sich das Herz , und mein Blut strömt gewaltsam aus den verhaltnen Wunden . O wenn nur er zufrieden mit mir ist , wenn nur der Gedanke , daß er mich ruhig gesprochen hat , auch Ruhe in seiner Seele verbreitet ! Das zu bewirken , ist jetzt der Punkt , auf den alle Kräfte meines erschütterten Wesens gerichtet seyn müssen - seine letzten Augenblicke zu erheitern ! O allmächtiger Gott ! Agathokles letzte Augenblicke ! Er ist so jung , es lag ein so langes , so schönes Leben vor uns ! Er entreißt sich ihm , und ich darf nicht klagen ! Leb ' wohl , meine Junia ! Leb ' wohl . O warum bist du nicht bei mir ! Wie wohlthätig wäre es mir in diesen Augenblicken , eine treue Freundin von ganz gleicher Sinnesart um mich zu haben ! Calpurnia ist sehr gut , ich verkenne gewiß weder ihre Vorzüge , noch was ich ihr jetzt schuldig bin , aber sie ist keine Christin , und - sie ist Königin . Auf dem Thron verlernt sich so Manches , dessen das Herz in den Beziehungen des gewöhnlichen Lebens so sehr bedarf . Ein Gerücht hat mir gestern verkündigt , Apelles sey in der Nähe , und halte sich in Nicäa auf . Tiridates , der , um des theuern Verlornen willen , mir innig wohl will , hat kaum meinen Wunsch errathen , als er schon einen Eilboten nach Nicäa abfertigte . O wenn Apelles käme , mich in den Stunden , die mir bevorstehen , zu stärken , und zu erhalten , ich würde Tiridates treuer Freundschaft eine der größten Wohlthaten danken ! 111 . Theophania an Agathokles . Nikomedien , im Mai 305 . Ja , mein einzig geliebter Freund , ich werde leben . Du sollst dich nicht an mir getäuscht haben . Du befiehlst es , die Tugend befiehlt es durch dich . Glaube nicht , daß je der frevelhafte Gedanke in meine Brust gekommen sey , mein Daseyn gewaltsam abzukürzen ; aber daß ich gewünscht habe zu sterben , das kannst du , das kann Gott selbst nicht dem schwachen zerrissenen Herzen zur Schuld anrechnen . Jetzt werde ich aber auch diesen Wunsch unterdrücken ; er könnte zu lebhaft werden , und Unterlassungen erzeugen , die mittelbar auf jenen Zweck hinwirkten . Ich