zu erwarten und folgte Ernestinen , die langsam auf dem Fußpfad vor ihm herschritt . Es war still und einsam um sie her , denn es war Mittag , wo die Bauern bei der Mahlzeit saßen . Sie sah sich um , als sie Johannes ’ Tritt hinter sich hörte und blieb stehen . Rasch hatte er sie erreicht : „ Ernestine ! “ sagte er entschlossen , „ ich muß noch ein letztes , ein entscheidendes Wort mit Dir reden , und Leonhardt hat Recht , dergleichen muß unmittelbar vom Herzen zum Herzen gehen . Willst Du mich hören ? “ “ Ja ! “ „ Er legte ihren Arm in den seinen , sie stiegen während der Unterredung die Anhöhe hinan , die zum Schlosse führte . „ Sieh , liebe Ernestine , sieh , ich gäbe , was ich habe , darum , wenn ich das , was zwischen Dir und meiner Mutter vorging , ungeschehen machen könnte . Du bist tödlich beleidigt worden und zwar als mein Gast , in einem Hause , das Dir Zuflucht gewähren , das Dir zur Heimat werden sollte . Aber es geschah in meiner Abwesenheit , ich bin ohne Schuld daran , willst Du es mich dennoch entgelten lassen ? “ „ Nein , mein Freund , gewiß nicht . “ „ Nun denn , so sei auch großmütig und vergib meiner Mutter , was sie sich selbst nie vergeben darf ! “ „ Ich habe ihr nichts zu vergeben . “ „ Du bist unerbittlich in Deinem gerechten Groll . Laß mich hoffen , daß die Zeit einst komme , wo meine Mutter gut machen kann , was sie heute an Dir verbrach . Teuerste , beste Ernestine , sie hat Dein junges , kaum erwachtes Herz zurückgeschreckt in seinem schönsten Empfinden , sie hat Dich schlimm vorbereitet auf das , was ich Dir heute sagen wollte und dennoch — dennoch muß ich reden — es ist zu weit gekommen , als daß ich noch schweigen könnte . Ja , Ernestine , ich wollte Dich heute zum Weibe begehren , ich wollte Dich bitten , mir die Opfer zu bringen , welche die Ehe jedem Weibe , Dir aber insbesondere auferlegt und ich glaube sicher , wenn ich Dir die Pflichten und das Los einer Gattin geschildert hätte , es wäre Dir nicht so abschreckend erschienen , wie durch die praktische , etwas pedantische Auffassung meiner Mutter . Ich hoffe , unsere Verhältnisse werden es gestatten , Dir den Materialismus des Lebens , vor welchem Dir so bangt , und dem meine Mutter eine zu große Wichtigkeit beimißt , zu ersparen . Ich werde meine weiße Rose nicht in einen Küchengarten pflanzen . Du sollst der Stolz und Schmuck meines Lebens sein . Ich fordere nichts von Dir , als Liebe für mein warmes Herz , Teilnahme für meine wissenschaftlichen Bestrebungen und Nachsicht für meine Fehler . “ Er ergriff bewegt ihre Hand und blieb stehen . „ Ernestine , wirst Du mir das gewähren können ? “ Er erwartete mit angehaltenem Atem ihre Antwort , sein Blick suchte vergebens durch ihre gesenkten Lider zu dringen . Sie verharrte in ihrer steinernen Ruhe und kein menschliches Auge konnte sehen , was in den Tiefen dieser verschlossenen Seele vorging . Endlich hauchten ihre bleichen Lippen kaum hörbar : „ Ich kann nicht — Deine Mutter — ich kann nicht ! — “ „ O nimm sie nicht zum Vorwand , wenn Du mich nicht lieben kannst , wälze nicht auf sie den Fluch , dem Sohne die Geliebte , das Glück seines Lebens geraubt zu haben . Die Strafe wäre zu hart ! Liebst Du mich aber , — so besiege den kleinlichen Stolz durch den edleren , ihr zu zeigen , daß sie sich in Dir getäuscht ! Beweise ihr , daß Du weiblich fühlen , daß Du Opfer bringen kannst und Du wirst sie so tief beschämt vor Dir sehen , wie es Dein rachsüchtigster Groll nur wünschen mag . “ „ Die Opfer , die sie fordert , kann ich nicht bringen , und wenn ich es könnte , ich würde sie nicht bringen , gerade weil sie gefordert , weil sie zu einer Bedingung gemacht werden ! Eine freie Seele verkauft ihre Überzeugungen und Bestrebungen nicht und wäre es auch um den Preis eines ganzen Lebensglücks ! Wenn Deine Mutter mir zumutet , ich solle meinem Plane , die akademische Laufbahn zu ergreifen , entsagen , solle alle Früchte meines bisherigen Fleißes ungereift begraben , so ist es verzeihlich , denn sie ahnt nicht , was sie verlangt , — wenn Du aber solche Bedingungen befürwortest , dann wirst Du mir nicht nur kein Gatte , Du hörst auch auf , mir Freund zu sein , denn dann verstehst Du mich nicht . “ „ Mein Gott , Ernestine ! was wollen wir denn , von Dir anders , als was jeder Mann von dem Weibe , das ihm gehört , fordern muß : daß sie ganz und ausschließlich ihm lebe ? Wie aber kannst Du das , wenn Du nicht Deinen Ehrgeiz besiegst und Dich aus der Öffentlichkeit zurückziehst in das Privatleben ? Du sollst ja deshalb nicht der Wissenschaft entsagen , Du sollst meine Vertraute , meine Gehilfin bei meinen Arbeiten , mein Freund und Fachgenosse sein , Dein großer Geist soll jede Befriedigung finden . Nur öffentlich sollst Du nicht auftreten — nicht Vorlesungen halten und ‚ Doktor ’ spielen . Der reine Name meiner Frau soll nicht der Verkennung , dem Gespötte preisgegeben sein . “ Ernestine fuhr auf , wie von einem Pfeil getroffen . „ Das sind die Worte Deiner Mutter ! Wie ? Du fühlst Dich so erhaben über den weiblichen Geist und verschmähst es doch nicht , nachzusprechen , was Dir Deine Mutter vorgesagt ? “ „ Ernestine , Du bist ungerecht ! Du kennst meine Ansichten über Stellung und Rechte der Frauen längst , Du kannst nicht