Märkertums wie an einem Musterbeispiel studieren konnte ; sie war , um es am Schlusse noch einmal zu sagen , tüchtig , verständig , zuverlässig , ja , mehr denn das , treu wie Gold , und ihre schlichten , immer aus der Lebenserfahrung heraus gesprochenen Sätze haben durch ein Menschenalter hin einen großen Einfluß auf mich geübt , auch solche Sätze , denen ich jede höhere und mehr noch jede schönere Berechtigung absprechen mußte . » Nie über seine Verhältnisse leben « , das war natürlich richtig . Und auch das war richtig : » Niemandem zur Last fallen , lieber entbehren und entsagen . « Aber in ihrem am eindringlichsten gepredigten Satze : » Nur von andern nichts annehmen « , konnte ich ihr nicht zustimmen . Freilich lag gerade die Weisheit dieses Satzes – wenn er nun mal bedingungsweise ( und das kann er ) für weise gelten soll – tief in ihrer Natur begründet , von Jugend an . Als sie zehn Jahre alt war , wollte ihr eine alte Tante durchaus einen Taler schenken ; sie nahm ihn , nach langer Gegenwehr , endlich auch an , aber kaum wieder im Zimmer allein , so warf sie ihn fort und rief weinend : » Ich will keinen Taler . « » Nur nichts annehmen « – noch einmal , ich stehe gegen diesen Satz . Aber das unter märkischen Erfahrungen und Anschauungen herangewachsene und alle Zeit über unter eben diesen Eindrücken verbliebene Fräulein wird lokaliter , so viel kann ich zugestehen , wohl auch in diesem Punkte recht gehabt haben . Es ist nicht christliche Weisheit , die sich darin ausspricht , aber brandenburgische . Das arme Land hat in zurückliegenden Jahrhunderten eine dieser Armut entsprechende Weisheit großgezogen . Tramnitz Tramnitz Beneath those rugged elms Where heaves the turf in many a mouldring heap , The rude forefathers of the hamlet sleep . Thomas Gray Eine halbe Meile nördlich von Trieplatz liegt Tramnitz , ebenfalls ein alt-Rohrsches Gut . Der Weg dahin hat denselben Einsamkeitscharakter wie die zu Beginn des vorigen Kapitels von mir geschilderte Landschaft . Die Dosseufer sind eben von einer ganz besonderen Tristheit , wenigstens soweit der obere Lauf des Flusses in Betracht kommt . All diese Strecken veranschaulichen in der Tat jenes märkische Landschaftsbild , das im allgemeinen weniger in der Wirklichkeit als in der Vorstellung der Mittel- und Süddeutschen existiert . Dorf Tramnitz wirkt wie ein Kind des Bodens , auf dem es gewachsen . Es weckt ein Herbstgefühl . Und auch die Stelle , wo das Herrenhaus gelegen ist , ändert nichts an diesem Eindruck . Vielleicht wär es anders , wenn nicht der weiße , ziemlich weitschichtige Bau , vor dem ein paar mächtige Linden aufragen , eine wahre Mausoleumseinsamkeit um sich her hätte . Hat sich doch , seit dem Tode des Vorbesitzers , aus dem jetzt leerstehenden Herrenhause das Leben in ein abseits gelegenes einfaches Fachwerkhaus zurückgezogen , an dessen Schwelle wir von einer freundlichen alten Dame begrüßt und an einen mit Meißner Tassen besetzten Kaffeetisch geführt werden . Die freundliche alte Dame ist » Tante Wilhelmine « . Sie verwaltet , neben anderem , auch den Anekdotenschatz des Hauses , und der Kaffee , von dem wir eben wohlgefällig nippen , wohin könnte er den Gang der Unterhaltung natürlicher hinüberleiten als zur Geschichte von » Tante Fiekchen « . Eben diese , die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts auf Tramnitz lebte , war um 1733 , als Kronprinz Friedrich in Ruppin stand , eine hochbetagte Dame , die des Vorrechtes genoß , allen derb die Wahrheit sagen zu dürfen , am meisten den jungen Offizieren des Regiments Prinz Ferdinand , wenn diese zum Besuche herüberkamen . Einstmals kam auch der Kronprinz mit . Er ward inkognito eingeführt und da ihm » Tante Fiekchens « Kaffee , der wenig Aroma aber desto mehr Bodensatz hatte , nicht wohl schmecken wollte , so goß er ihn heimlich aus dem Fenster . Aber Tante Fiekchen wäre nicht sie selber gewesen , wenn sie es nicht auf der Stelle hätte merken sollen . Sie schalt denn auch heftig , und als sie schließlich hörte , wer eigentlich der Gescholtene sei , wurde sie nur noch empörter und rief : » Ah , so . Na , denn um so schlimmer . Wer Land und Leute regieren will , darf keinen Kaffee aus dem Fenster gießen . Sein Herr Vater wird wohl recht gehabt haben ! « Übrigens wurden sie später die besten Freunde , schrieben sich , und wenn der König irgendeinen alten Bekannten aus dem Ruppinschen sah , unterließ er nie , sich nach Tante Fiekchen zu erkundigen . Das Tramnitzer Haus umschließt manche alte Erzählung , manche anekdotische Überlieferung . Unter den Familienbildern , die dichtgedrängt an den Wänden hängen , ist eines , das aus den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammt und der Tradition nach von Philipp Hackert herrührt . Es heißt : ausnahmsweise ( was auch zutreffen würde ) hab er hier ein Porträt gemalt . Das Bild stellt ein Fräulein von Rohr als junges , kaum erwachsenes Mädchen in dem Rokokokostüm jener Tage dar . Hackert soll sie geliebt haben . Wer will es heute noch feststellen ! Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt übrigens eine Verwechslung der beiden Brüder Philipp und und Wilhelm Hackert vor . Philipp , der weitaus berühmtere , war Landschafter , Wilhelm Porträtmaler . Woraus sich auch das Vorhandensein eines Hackertschen Porträts an diesem Ort , aber von dem unberühmteren Bruder herrührend , am einfachsten erklären würde . Der interessanteste Punkt , den Tramnitz aufzuweisen hat , ist der » alte Kirchhof « . Er liegt mitten im Dorfe , von der sich hier teilenden Straße rechts und links umfaßt , und macht außen und innen den Eindruck eines verwilderten Parks . Eichen , Linden , Akazien wachsen hoch auf , dazwischen Fliederbüsche , halb Strauchwerk , halb Unterholz , alles umschlungen und durchdrungen von Blumen und Unkraut , von