noch übrig ? Als Weib habe ich nur eine Wahnsinnige dort oben : ebenso gut könntest Du mich an eine Leiche auf jenem Kirchhofe verweisen . Was soll ich thun , Johanna ? Wohin soll ich mich wenden , eine Gefährtin und einige Hoffnung finden ? ” “ Thun Sie , wie ich . Vertrauen Sie auf Gott und sich selbst . Glauben Sie an den Himmel . Hoffen Sie auf Wiedersehen . ” “ So willst du nicht nachgeben ? ” “ Nein . ” “ So verurteilst Du mich , elend zu leben und verflucht zu sterben ? ” Seine Stimme erhob sich . “ Ich rathe Ihnen , sündenlos zu leben und wünsche Ihnen , ruhig zu sterben . “ So entreißest Du mir Liebe und Unschuld ? Du schlenderst mich zurück in das wüste Leben und ich muß in der Ausschweifung Leidenschaft - im Laster Beschäftigung suchen ? ” “ Herr Rochester , ich weise Ihnen dieses Schicksal nicht mehr an , als ich es selbst ergreifen werde . Wir wurden geboren zu kämpfen und zu dulden - Sie sowohl als ich : thun Sie es also . Sie werden mich vergessen , ehe ich Sie vergesse . " " Du machst mich zu einem Lügner durch solche Sprache : Du verletzest meine Ehre . Ich erklärte Dir , ich könne mich nicht ändern , und Du sagst mir in ' s Gesicht , ich werde mich bald ändern . Und welche Verdrehung in Deinem Urtheile , welche Verkehrtheit in Deinen Ideen beweist sich in Deinem Benehmen ! Ist es besser , ein Mitgeschöpf zur Verzweiflung zu treiben , als ein blos menschliches Gesetz zu übertreten , da kein menschliches Wesen durch den Bruch beeinträchtigt wird ? denn Du hast weder Verwandte noch Bekannte , die Du zu beleidigen fürchten darfst , wenn Du mit mir lebst . " Dies war die Wahrheit , und während er sprach , wurden Gewissen und Vernunft zu Verräthern an mir und zeigten mir den Widerstand gegen ihn als ein Verbrechen . Sie sprachen fast so laut wie das Gefühl , und dieses rief laut in mir . " O ! willige ein , " sagte es : “ bedenke sein Elend ; bedenke seine Gefahr - betrachte seinen Zustand , wenn er allein gelassen ist : bedenke seine stürmische Natur : bedenke seine Heftigkeit , die sich der Verzweiflung hingibt — beruhige ihn , rette ihn , liebe ihn : sage ihm , daß Du ihn liebst und die Seine sein willst . Wer in der Welt kümmert sich denn ums Dich ? aber wer wird beleidigt werden durch das , was Du thust ? ” Aber immer gab ich die unbeugsame Antwort : “ Ich sorge für mich selbst . Je einsamer , je freundloser , je verlassener ich bin , desto mehr will ich mich selbst achten . Ich will das von Gott gegebene und von den Menschen geheiligte Gesetz halten . Ich will bei den Grundsätzen bleiben . die ich als wahr anerkannt , als ich bei gesundem Verstande und nicht wahnsinnig war . wie jetzt . Gesetze und Grundsätze sind nicht für die Zeiten . wo keine Versuchung stattfindet : sie sind für solche Augenblicke wie dieser , wo Leid und Seele sich gegen ihre Strenge empören : bindend sind sie — unverletzlich sollen sie bleiben . Wenn ich sie nach eigener Bequemlichkeit brechen könnte , was würde ihr Werth sein ? Sie haben einen Werth — das habe ich stets geglaubt : und wenn ich es jetzt nicht glauben kann , so ist es , weil ich unsinnig bin - völlig unsinnig , da meine Adern mit Feuer angefüllt sind und mein Herz so schnell schlägt , daß ich die Schläge nicht zählen kann . Vorgefaßte Ansichten , frühere Entschlüsse sind Alles , was ich in dieser Stunde als Beistand habe : darauf fuße ich . ” Ich that es . Rochester las in meinem Gesichte und sah meinen Entschluß . Seine Wuth steigerte sich aufs Höchste : er mußte ihr auf einen Augenblick nachgeben , war auch daraus folgen mochte : er trat zu mir , ergriff meine Hand und umfaßte meine Taille . Er schien mich mit seinem flammenden Blicke zu verschlingen : physisch fühlte ich mich in dem Augenblicke so machtlos wie Stoppeln , die der Gluth eines Schmelzofens ausgesetzt sind — geistig besaß ich noch meine Seele und mit ihr die Gewißheit der endlichen Rettung . Zum Glück hat die Seele einen Dollmetscher - oft einen unbewußten , aber immer einen getreuen Dollmetscher — im Auge . Mein Auge erhob sich zu dem seinen , und während ich in sein leidenschaftliches Gesicht blickte , stieß ich einen unwillkürlichen Seufzer aus : sein Druck war schmerzlich und meine zu sehr angestrengte Kraft fast erschöpft . “ Nie , " sagte er , indem er mit den Zähnen knirschte , “ nie gab es etwas zugleich so Schwaches und Unbezähmbares . Sie fühlt , daß sie ein Rohr ist in meiner Hand ! ” Und er schüttelte mich gewaltsam . “ Ich könnte sie mit meinen Fingern biegen : und wozu würde es gut sind , wenn ich das Rohr böge , ausrisse und vernichtete ? Man sehe nur dieses Auge : betrachte dieses entschlossene , wilde , freie Wesen , welches daraus hervorblickt und mir Trotz bietet mit mehr als Muth — mit entschlossenem Triumphe . Was ich auch mit seinem Käfig anfange , ich kann mich doch nicht des wilden und schönen Geschöpfes bemächtigen ! Wenn ich das zierliche Gefängniß zerreiße und zerspalte , so wird meine Gewaltthat nur den Gefangenen freilassen . Das Haus könnte ich erobern ; aber der Bewohner würde zum Himmel entfliehen , ehe ich mich den Besitzer seines irdischen Wohnplatzes nennen könnte . Und Dich will ich , Geist - mit Willen und Kraft , Tugend und Reinheit- nicht allein Deine zerbrechliche Gestalt . Freiwillig könntest Du kommen in sanftem Fluge und Dich an meinem