waren auf hundertfünfzig Maultiere und Gäule gepackt , die zwischen den Harnischern und Schützen traben mußten . Dieser Zug , der nicht ausgerüstet war wie zu einer fürstlichen Prunkreise , sondern wie zu schwerem Gefechte , wurde vom Hauptmann Seipelstorfer und vom Schützenmeister Kuen geführt , der seit den heißen Tagen von Plaien große Brandnarben im Gesicht und an den Händen trug . Auch diese beiden kannten den Weg nicht , den Herzog Heinrich nehmen wollte , und waren der Meinung , es ginge nach Regensburg . Nur Nikodemus - der am 18. September die zwanzig Troßwagen mit den Hofkleidern , dem fürstlichen Prunk und einem großen Vorrat an gemünztem Golde nach Regensburg geleiten sollte - wußte um alle Wahrheit dieser verfrühten Reise . Gleich außerhalb des nördlichen Tores von Burghausen begann Herr Heinrich einen sausenden Trab . » Gnädigster Herr « , mahnte der Seipelstorfer , » ich mein ' , Ihr solltet um Eurer Gesundheit willen langsamer tun . Das Glück versäumt Ihr nicht . Das ist allweil mit Euch . « Der Herzog lachte und spornte den Gaul . Zwischen den Leibtrabanten , die hinter dem Fürsten waren , ritten Malimmes , Runotter und Jul . Als der Reisezug das Gehäng des Salzachtales überwunden hatte und zu freier Höhe kam , drehte Malimmes das Gesicht . Er sah die Mauern und Türme des herzoglichen Schlosses und den vom Balkengerüst umsponnenen Hunds-Törring gegen den stahlblauen Abendhimmel ragen . Bei einem Abschied für immer pflegen viele Menschen zu weinen . Malimmes lachte . Und sagte mit heiterem Hohn einen alten Vers : » Zwischen Ach , Elend und Grausen Liegt Burghausen . « Jul und Runotter hörten das nicht . Sie hatten auch keinen Blick für den lachenden Malimmes , hörten nur die Stimme , die unter ihren Kürassen redete , und hatten nur Augen für die noch in gelbe Helle getauchte westliche Ferne , der sie entgegenritten . Herr Heinrich trabte ohne Rast die ganze Nacht , neun Stunden lang . Hauptmann Seipelstorfer gewann schon in dieser ersten Nacht die Meinung , das wäre nicht der Weg nach Regensburg . Als er eine Frage stellte , sagte Herr Heinrich mit einem wunderlichen Gekicher : » Mein alter Seipelstorfer , laß du die Kinderfragen ! Kannst du dich nicht gedulden , bis ich rede , so bleibe neugierig ! « Als der Morgen hell wurde , gebot Herr Heinrich die erste Rast . Die Stelle schien vorausbestimmt ; drei Kundschafter mit abgehetzten Gäulen warteten hier , brachten Briefe und ritten wieder davon . Weit entfernt von der Straße in einem Buchenwald , der sich schon gelblich färbte , wurde Lager gehalten und das Zelt für den Herzog aufgeschlagen . Aus dem Sattel hob man ihn auf das Feldbett . Der Leibarzt mischte den Kühltrank und verbrauchte für die Waschungen eine reichliche Menge von Essig und Wohlgerüchen . Man schlief von zehn Uhr morgens bis zur fünften Nachmittagsstunde . Die Gäule grasten an den Pflockleinen . Als es dunkel wurde , brach man auf . Und so drei Nächte und drei Tage . Im Morgengrauen des 18. September erreichte Herr Heinrich , der während dieser letzten Nacht an drei kleinen , vorsichtig ziehenden Heerhaufen vorbeigeritten war , die Wälder zwischen Dachau und dem Webeisbache . Der Zug der Harnischreiter und Schützen mit den Troßtieren mußte lagern . Herr Heinrich ließ sich nicht auf das Feldbett heben , ließ sich nicht mit Essig waschen . Er blieb im Sattel . Nur den Becher mit dem Kühltrank schlürfte er gierig aus . Er befahl : » Heute darf kein Feuer brennen . Wer Rauch macht , den laß ich hängen . « Und obwohl ihm das steigende Fieber dunkelrote Flecken auf seine braunen Wangen brannte , ritt er mit dem Seipelstorfer und sechs Trabanten davon . Unter diesen sechsen waren die drei Ramsauer . Ehe die Sonne heraufstieg , kam der kleine Trupp zu einem Waldsaum , von dem man hinuntersah in ein langes und breites Bachtal . Auch hier die schwarzen Kohlflecken niedergebrannter Dörfer . Durch das Tal bachab und bachauf war nirgends ein Mensch zu sehen . Das Wiesengras , das man nicht eingeheut hatte , stand hoch und welkte . Auf den Feldern waren Weizen und Hafer vom Hochwild durchwatet und niedergetreten . Viele Rudel sah man ; bei einem stand ein Hirsch mit herrlich verästeltem Kronengeweih . Herr Heinrich , von jäh erwachender Jagdleidenschaft befallen , vergaß seiner Krankheit und verlangte nach seiner Armbrust . Doch als man ihm die Waffe reichte , hatte er die weidmännische Gier schon niedergerungen . Er lachte : » Wär ich jetzt der Kaspar Törring , so ließ ich meine Welt zugrunde gehen und schösse den Hirsch da drunten . Aber so kleine Läuse , wie ich eine bin , haben starke Seelen . Die bringen das Übermenschliche fertig . « Ein spitzes Kichern . » Das kostbare Gut meiner Münchener Vettern soll mir heilig sein . Heute . « Die Pferde wurden tief in den Wald gestellt . Ein alter Harnischer blieb bei ihnen . Die anderen sieben setzten sich am Waldsaum zwischen welkenden Weißdornstauden in das hohe Gras . Weil Herzog Heinrich immer nach Norden spähte , taten es auch die sechse , die bei ihm waren . Gegen die neunte Morgenstunde sagte Malimmes : » Weit da draußen seh ich den Staub eines großen Heerhaufens . « » Nüremberger ! « Die Stimme des Herzogs klang wie ersticktes Jauchzen . » Deine Augen sind Gold . Verlange von mir , was du willst . Ich geb ' s. « Das Gesicht des Malimmes spannte sich . Dann sagte er leise gegen den Herzog hin : » So verlang ich für mich den Gadnischen Ritter Lampert Someiner , wenn er morgen oder übermorgen gefangen wird . « In seltsamer Verwunderung sah Herr Heinrich auf . » Mensch ? Woher weißt du ? « » Aber , Herr ! Man ist doch kein Hammel , der die Blumen erst schmeckt ,