Wünsche begleiten dich bis in die Küche ! « » Ich danke dir ! Leb ' wohl ! Ich komme bald wieder . « Sie entfernte sich froh-elastischen Schrittes . Intschu-inta folgte ihr . Aber ehe er ganz hinaus war , drehte er sich noch einmal um und warf mir einen derart hilflosen und verlegenen Blick zu , daß ich mir Mühe geben mußte , nicht laut aufzulachen . Nach einer Stunde brachte man mir das Abendbrot . Das Herzle ließ mir sagen , ich solle allein essen ; sie käme noch nicht . Nach wieder einer Stunde schickte sie Intschu-inta und gab mir durch ihn die Nachricht , daß sie noch zwei Stunden brauche , um fertig zu werden . Ich wollte ihn fragen , um näheres zu erfragen ; aber er verschwand so schnell , daß ich gar nicht zum Worte kam . Ich las in Winnetous Manuskripten . Als die zwei Stunden vorüber waren , erklang hinter mir von der Tür her die Stimme meiner Frau : » Geh ' immer schlafen , wenn du müde bist ! Ich habe noch längere Zeit zu tun ! « Ich drehte mich schnell nach ihr um , sah aber nur noch den Vorhang wackeln ; sie selbst war schon wieder fort . Ich wartete noch eine Stunde ; dann ging ich nach Winnetous Schlafzimmer und legte mich nieder . Wie lange ich geschlafen hatte , das weiß ich nicht . Da wachte ich auf . Ich fühlte ihre frische , gesunde Körperatmosphäre . Sie war da . Sie stand unter der Tür , die von meinem Zimmer nach der Wohnung von Winnetous Schwester führte , die jetzt die ihrige war . Ich räusperte mich . Da fragte sie : » Bist du wach ? « » Ja ; soeben erst aufgewacht , « antwortete ich . » Wie viel Uhr ist es ? « » Gleich drei Uhr . « » Und so lange warst du in der Küche ? « » Ja ; aber das ist gar keine Küche , sondern etwas ganz anderes , was ich dir am Tage zeigen muß . Es ist hier alles kolossal - « » Wie steht es mit der Schaumklößchensuppe ? « » Die gibt es natürlich nicht . « » Mit dem Wildbretragout ? « » Auch nicht . « » Mit dem Griesflammerie in Beerensauce ? « » Höre , ich glaube gar , du willst mich hänseln ! « » Und mit den zwanzig Peppermills ? « » Bitte , sei still ! Du bist ein höhnischer Charakter ! Ein abstoßender , unsympathischer Mensch , vor dem man sich in acht zu nehmen hat ! Ist das der Lohn dafür , daß ich mich so redlich plage , um deinem Mittagessen Ehre zu machen ? Bedenke doch : Neun Indianerinnen und vier Indianer in dem großen , riesigen Gewölbe , welches man hier als Küche zeigt ! Was haben die rennen , laufen und arbeiten müssen ! Und was werden sie noch zu arbeiten haben , bis das Essen beginnen kann ! Es wird großartig ! Ich backe sogar Pfannkuchen . Es ist alles dazu da ! Nun aber gute Nacht ! « » Auf wie lange ? « » Auf nur zwei Stunden . Bis fünf Uhr . Dann muß ich wieder fort . Alle dreizehn Personen sind wieder bestellt . « » Mein armes Herzle ! « » O bitte ! Hier gibt es gar nichts zu klagen ! Ich fühle mich unendlich glücklich , für so viele und so berühmte Indianerhäuptlinge kochen , braten und backen zu dürfen ! Niemals hätte ich mir das träumen lassen ! Also , gute Nacht ! « Sie zog sich in ihre Wohnung zurück , und ich schlief wieder ein . Als ich erwachte , war es schon später Morgen , und auf meiner Decke lag ein vom Herzle geschriebener Zettel , dessen Zeilen folgendermaßen lauteten : » Ich bin seit 5 Uhr munter . Es geht alles prächtig . Das Essen wird großartig . Du kannst schlafen bis halb 12. Da komme ich , dich zu wecken . Mit dem Speisesaal bin ich fertig ; er steht bereit . Solltest du eher aufwachen , so inspiziere ihn , ob vielleicht etwas fehlt . Ueber die Gäste haben wir nichts Bestimmtes besprochen ; darum habe ich an deiner Stelle alles eingeladen , was Häuptling heißt . Ist das ein Fehler ? Zu essen haben wir genug . Es gibt sogar chinesischen Tee aus gerösteten Erdbeerblättern und einen ganzen Haufen Corn-Salad aus wildgewachsenen Rapunzeln . Dein Herzle . « Das war so echt Klara ! Alle Sorge nimmt sie mir ab . Ich soll womöglich nichts weiter tun , als essen , trinken und schlafen , damit ich so lange wie möglich lebe . Ich stand schnell auf und rief nach Intschu-inta . Als er kam , teilte er mir mit , daß zwei Weiße da seien , die seit einer Stunde auf mich warteten . » Zwei Weiße ? « fragte ich . » Ich denke , es ist Weißen verboten , hierher zu kommen ! « » Sie sind Freunde von Okih-tschin-tscha . Der hat es ihnen erlaubt . « » Ah so ! Haben sie ihre Namen genannt ? « » Ja ; sie sind Brüder und heißen Enters . « » Die kenne ich . Wo sind sie ? « » Noch im Hofe . Soll ich sie heraufbringen ? « » Nein . Ich gehe hinunter . Was tut meine Frau ? Wo steckt sie jetzt ? « » Noch immer in der Küche ; da gebietet sie wie eine Königin ; da strahlt sie wie eine Sonne , und da arbeitet sie wie das ärmste Weib eines Coyoteindianers . Sie hat heute früh eine Gehilfin bekommen , über die sie sehr glücklich ist . « » Wen ? « » Aschta , die unvergleichliche Frau Wakons , des berühmten Medizinmannes der Sioux . Diese