Worte durch die Miene scheuen Bedenkens Lügen strafte . Der Abend rötete den Himmel , als ein Hornsignal erscholl , und das Rudern eingestellt ward . » Unsere Leute ! « rief der Korporal , worauf der Steuermann den Kahn auf das havelländische Elbufer zusteuerte . In zitternder Spannung spähte ich zum Ufer , wo etliche Reiter nebst einem Hunde zwischen den Weidenbüschen erschienen . Meine Knie wankten , als ich von Dir , mein Johannes , nichts wahrnahm . An dem Angesicht des Ritters erkannte ich , daß auch er von Schrecken erfüllt war . Ich fühlte , wie ein Weinen mich anwandelte , da ich nun den Kopf zur Frau Zetteritz wandte und mit brechender Stimme sagte : » Sie haben ihn nicht , haben ihn nicht ... O weh , mein lieber Mann ! « Dann sank ich unmächtigen Geistes hin und kam erst wieder zu mir , als man mich in der Kajüte auf die Bank gelegt hatte und meine Schläfe mit Wein rieb . Mein erstes Wort war : » Mein Mann - warum hat man ihn nicht ? Was ist mit ihm ? « Frau Zetteritz suchte zu beschwichtigen : » Er wird ja wohl am Leben sein . Nur gefunden hat man ihn nicht . « » Aber warum suchen die Reiter nicht länger ? « rief ich vorwurfsvoll . Verlegen blickte Frau Zetteritz ihren Sohn an . Der starrete düster zu Boden und zuckte die Achsel . Dann sprach er kleinlaut : » Es ging nicht , bisweilen schwedische Völker durch das Brandenburgische streifen und unsere Leute zurückgejagt haben . « Frau Zetteritz fügte hinzu : » Drum so dürfet Ihr annehmen , Gräfin , daß Euer Gemahl bei den Schweden ist . « Diese Hoffnung blieb in der nächsten Zeit mein einziger Trost . Allerdings machte es mir Unruhe , daß die Dragoner auf alle meine Fragen nach dem , was ihnen beim Suchen begegnet sei , immer nur ausweichend , mit schweigendem Achselzucken antworteten und zu guter Letzt erklärten , sie hätten dem Ritter alles gemeldet und nichts mehr hinzuzufügen . Nach vielem Weinen in einsamen Stunden ergab ich mich in des Himmels Schickung und stellte ihm die Zukunft anheim . Wie nun Frau Zetteritz sahe , daß ich mich in mein Unglück gefunden , eröffnete sie mir eines Tages , sie habe bisher nicht die volle Wahrheit gesagt , weil sie mir nicht auf einmal einen so großen Schmerz habe antun wollen . Es sei kein Zweifel , daß der Verlorene nicht mehr unter den Lebenden weile ; eine Beute der Wölfe sei er worden . Von den ausgesandten Dragonern seien nämlich an der Stelle , wo man meinen Gatten ans Ufer gesetzt habe , die Reste eines Menschen gefunden , der von Wölfen zerrissen gewesen ; dabei seien die Kleidungsstücke gelegen , die mein Gatte angehabt . Zum Wahrzeichen habe ein Dragoner ein ledern Wams mit schwarzer Stickerei gebracht . Nachdem ich mich über diese Schreckenskunde ausgeweint , hat Frau Zetteritz mir das Wams gezeigt , und es war das Deinige , mein Johannes , wie Du es in den gemeinsam verlebten Schreckenstagen an Deinem Körper getragen hast . So deuchte mich nun gewiß , Du werdest mir nimmermehr auf Erden begegnen . Ich brauche nicht zu berichten , wie wir aus dem Magdeburgischen nach Altenhof in Böheim gereiset sind . Genung , ich folgte der Witfrau Zetteritz in ihr Haus und verblieb daselbst jahrelang als ihre Gefährtin und Helferin . Nach etlichen Monden kam mir ein wehmütig Glück , indem nun sichtbar war , daß ich in den kargen Stunden unserer Ehe gesegneten Leibes worden . Am 6. Hornung des Jahres 1632 hat mir Gott unser Knäblein , den kleinen Johannes , geschenkt , und der ist mir sowohl , wie auch meiner mütterlichen Freundin ein rechter Sonnenschein worden und die wenigen Jahre hindurch geblieben , so er in meinen Armen verlebte . O daß es mir dereinst noch vergönnt sein möchte , teurer Mann , Dir all die lieblichen Stunden zu schildern , da ich unseres Knaben Stammeln belauschte , da ich ihn gängelte und dann die ersten Male frei laufen sah , da sein lieblich Stimmlein singend mit meiner Stimme zusammenging , da wir jauchzend einander im Garten haschten und den Ball in die Lüfte warfen . Für jetzo darf ich nicht verweilen bei solchen Wonnen ; schon trüben Zähren mein Aug , indessen ich doch weiter schreiben muß . Zu bemerken wäre noch , daß Zetteritz sich vergebens bemüht hat , von Kaiserlicher Majestät ein Gnadengeschenk für mich zu erwirken ; denn es hat der Kaiser die Bitte nur unter der Bedingung erfüllen gewollt , daß ich zur papistischen Kirche mich bekehre . Solch Ansinnen hab ich abgelehnt , nicht bloß aus Treue für den Glauben , den mein teurer Vater mit seinem Märtyrertode besiegelt , sondern auch , weil mir die Lehren der Brüdergemeinde nahegekommen und dann gar lebendig ins Herze gepflanzt worden sind . Ein Gesuch , das ich an den Schwedenkönig richtete , kam zu spät , da dieser Held etliche Tage vorher auf dem Schlachtfelde von Lützen den Geist aufgegeben . Meine Armut ist mir insofern zum Segen gediehen , als Frau Zetteritz meiner Verheiratung mit ihrem Sohne widerstrebte , indem sie ganz offenherzig geltend machte , bei seinem geringen Vermögen müsse ihr Sohn eine begüterte Frau haben . Ich hatte nun guten Vorwand , die dargebotene Hand des Ritters abzulehnen . War gewillt , nicht mehr zu ehelichen , insonderheit nicht den Mann , durch dessen Verschulden mein Gatte ums Leben gekommen . Aber die Dinge änderten sich , als meine mütterliche Freundin unerwartet das Zeitliche segnete , und Ritter Zetteritz etliche Wochen später sein ererbtes Gut bezog . Da er mich jetzo des öfteren sah , entflammte aufs neue sein Herz , also daß er vor seinem Abschied unter Beteuerungen der Liebe in mich drang , einstweilen sein Haus zu verwalten , dann aber als Gattin ihm die