schwere Bangigkeit überfiel , tiefer in das verlorne Land hineinzureiten , fand es nun doch geratener , einen Rückweg zu suchen , welcher ihn mit der Ramorinoschen Kolonne vereinigte . Joel , der sich dem Wagen nicht zu nähern wagte , beschwor ihn umsonst ; er ritt hin , um von Hedwig Abschied zu nehmen . Was sollte er hier ? Was konnte er helfen ? Aber es war bereits zu spät . Die Heeresabteilung , welcher sie eben begegnet waren , bildete nur eine Nebensäule des Ramorinoschen Korps , die leichte Reiterei der Russen umschwärmte es bereits , in diesem Augenblicke erschien dicht neben ihnen ein Kosak ; man sah ihn beim Scheine der Wagenlaternen , er mochte die polnischen Uniformen von Valerius und Joel erkennen , war schnell wie ein Blitz wieder verschwunden , und gleich darauf vernahmen die Reisenden aus allen Seiten des Waldes ein schreckenerregendes Hurra . Die Kosaken stürzten zwischen den Bäumen hervor ; Florian mit den Bauern gaben Feuer ; Valerius und Joel zogen die Säbel und verteidigten sich gegen die eindringenden Lanzen ; aber aller Widerstand war nutzlos , der feindliche Trupp ward immer stärker , und mochte wohl ein Pulk von hundert Mann sein , das Kämpfen war bald zu Ende , der alte Graf lag im Blute sterbend ausgestreckt im Wagen , Valerius und Joel waren entwaffnet und gebunden , Florian , als Schmied von Wavre erkannt , schwer verwundet , war an ein Kosakenpferd gebunden , seine Bauern hatten entweder unter den Lanzenstichen und Kugeln der Kosaken ihr Leben verloren , oder hatten sich in das Waldesdickicht gerettet ; Hedwig saß vorn auf dem Sattel des bärtigen Führers dieser Kosakenabteilung , der sie mit den rauhen schmutzigen Händen liebkosen wollte ; man ritt und fuhr nach einer Waldblöße , um dort den nahen Morgen zu erwarten und den Wagen zu plündern . Da wurde ein Feuer angezündet , der alte Graf , welcher indessen verschieden war , aus dem Wagen geworfen , und man ging eben daran , die Gräfin , welche fortwährend unbeweglich geblieben war , anzufassen , als Florian in übermenschlicher Anstrengung Reiter und Pferd , an welche er mit einem starken , langen Riemen gebunden war , mehrere Schritte mit sich fortriß , auf den Wagentritt sprang , den im Wagen stehenden Kosaken mit einem Schlage ins Genick niederwarf , um den Gürtel faßte und brüllend in die Lanzen der übrigen warf . Auffallenderweise trat eine große Stille ein , die Kosaken schienen das heilige Gefühl des Schmiedes zu erkennen und zu ehren , sie machten keine Anstalt , den also getroffenen Kameraden zu rächen , wie ihnen überhaupt eine solche kameradschaftliche Verpflichtung nicht eigen zu sein scheint ; Florian stand eine Weile unangefochten neben der unbeweglich sitzenden Gräfin , das Feuer beleuchtete sein verwildert fliegendes , dickes Haar und seine Züge , welche die entsetzlichste Wut ausdrückten - nur Joel entfuhr der Ausruf : » Florian ! « » Schweig , Jude ! « erwiderte dieser , und in demselben Momente verschwand er unter den Pferden . Der Kosak , an dessen Tier er gefesselt war , hatte es fortgedrängt , Florian war hinuntergezerrt , und da die Kosaken nach der Erschütterung des Schweigens eine lebhafte Bewegung machten , so war er unter den Hufschlägen ihrer Rosse zermalmt worden . Der erste Morgenschein flog grau über den Himmel , man erkannte , daß die alte Gräfin leblos war und nur noch mumienartig dasaß ; schonend hoben sie die Kosaken aus dem Wagen und setzten sie an einen Baum . Dort saß sie , drohend noch im Tode , als man aufbrach , eine schreckliche Leiche einsam im Walde ; einige Schritte vor ihr lag der verstümmelte Leichnam Florians , einige Schritte neben ihr der erschlagene Graf , ihr Sohn . Hedwig , Valerius und Joel sahen noch tiefer aus dem Walde auf die Lichtung zurück , über welche ein grauer Morgen aufging . Hedwig war totenbleich , aber ohne Träne . 32. Der Kosakentrupp , welcher die drei Gefangenen transportierte , war folgenden Tages nicht weit gekommen ; die Nachricht vom Falle der Hauptstadt mochte beim Ramorinoschen Korps eingetroffen sein , wenigstens hielt es inne in seinem Marsche , und die leichte Verfolgung der Kosaken ward dadurch ebenfalls gehemmt . Sie rasteten des Abends in einem kleinen Heidedörfchen , und der Teil , welchem zunächst die Bewachung der Gefangenen anheimfiel , nahm eine Scheune und deren Umgebung zum Nachtquartier . Hedwig war noch immer sehr begünstigt und durfte ohne Fessel bleiben ; man sah es nicht gern , wenn sie sich den beiden Schicksalsgefährten zugesellte , hinderte es aber doch nur leichthin und ohne Nachdruck . Es wurde Nacht , die Kosaken lagen unordentlich auf der Tenne umher und schliefen , durch die zerschlagenen Torflügel der Scheune schimmerten die in Kohlen zusammenfallenden Feuer herein , um welche her die Piken aufgesteckt waren und die kleinen Pferde standen und lagen . Valerius und Joel , denen die Hände fest auf den Rücken gebunden waren , blieben wach und dachten auf Flucht . Hedwig lag in einiger Entfernung von ihnen und sprach leise zu Valerius herüber . Der Kosak neben ihr hatte dies zwar mehrmals verboten , wenigstens war durch Pantomime und Betonung dies unverkennbar gewesen , obwohl sie des Kosaken Mundart nicht verstand , sie hatte aber keine Notiz davon genommen , und der Kosak war endlich eingeschlafen . » Nach einer Viertelstunde , « sagte sie leise , » werde ich meinem Wächter das Messer aus dem Gürtel ziehn und den Strick durchschneiden , an welchem er mich festhält , dann komme ich zu Ihnen , um Ihre Bande zu lösen - geben Sie doch dem Kerl , welcher von hier aus vor Ihnen liegt , einen Stoß , damit er sich ein wenig anders legt , über seine breite Figur kann ich nicht geräuschlos wegsteigen . « Es geschah , der Gestoßene knurrte und erwachte halb , warf sich aber in eine andere Lage .