der Hall das ganze Haus durchschrillte . Der alte Herr öffnete selbst die Tür . » Ich bitt , zum Bruckner , aber gleich ! Unser Büberl hat ' s im Hals und kriegt kei Luft nimmer . « Der Doktor sprang in die Stube , kam mit Hut und Ledertasche und folgte der Magd . Ohne Frage wußte er , zu welcher Krankheit er gerufen wurde . Seit Wochen ging im Dorf ein böses Gespenst von Haus zu Haus , der grausame Würgeengel der Kinder . Seit dem Fasching war der Friedhof schon um sieben kleine Gräber reicher geworden . Als der Doktor eine Stunde später das Haus des Bruckner verließ , begleitete ihn der Bauer bis zur Straße . Lenzi ging gebeugt wie ein Greis , sein Gesicht war nur noch Haut und Knochen ; die Sorgen des Winters hatten ihm die Haare grau bestäubt , und seine Augen blickten unstet und kummervoll . » Ich komme nach Tisch und am Abend wieder , « sagte der Arzt , » befolgen Sie nur genau , was ich verordnet habe . Und vor allem : die Magd mit den beiden anderen Kindern muß hinauf ins Giebelzimmer , sie dürfen mit dem kranken Kind in keine Berührung kommen . « » Um Gotts willen ! « Nur mühsam brachte der Bauer Wort um Wort heraus . » Steht ' s denn schon so schlecht , Herr Doktor ? Is am End kei Hoffnung nimmer ? « » Solange man lebt , ist immer Hoffnung . Beruhigen Sie sich , Bruckner ! Aber ein bißchen spät haben Sie nach mir geschickt . « Dem Bauer zog es den Kopf zwischen die Schultern . » Wie der Mensch halt is ! Ich hab mir denkt , der Hascher wird sich a bißl verkühlt haben , und drum kachezt er halt ! « » Vor allem brauchen Sie jetzt für das Kind eine verläßliche Pflegerin . Die Magd hat für die zwei anderen Kinder zu sorgen und darf die Krankenstube nicht betreten . Wie wär ' s mit Ihrer Schwester ? Das Mädel ist verläßlich und hat zur Kinderpflege eine glückliche Hand . Das haben Sie am Netterl gesehen ! Wenn die Mali wiederkäme , das wär ' der beste Ausweg . « Heftig schüttelte Bruckner den Kopf . » D ' Mali is in Horgau beim Schwager . Der kann d ' Schwester net graten . « » So ? Na , vielleicht läßt sich drüber noch reden . Nach Tisch komme ich wieder . « Der Doktor ging vom Bruckner weg zur Post und schickte ein Telegramm ab : » Amalie Bruckner , Horgau . Ein Kind Ihres Bruders schwer erkrankt . Brauche Sie zur Pflege . Doktor Eisler . « Am Abend des folgenden Tages kam Mali mit dem Botenwagen vor das Brucknerhaus gefahren . Auch ihr war es anzusehen , daß sie einen harten Winter hinter sich hatte . Mit einem Sorgenblick überflog sie das Haus des Bruders , und es beängstigte sie , daß niemand kam , als der Wagen hielt und ihr Koffer abgeladen wurde . Nun war sie im Hof , und da trat ein Mann in Hemdärmeln und mit blauer Leinenschürze aus dem Haus , in den Händen einen Zollstab , den er zusammenklappte - der Meister Schreiner . » So ? « sagte er . » Kommst dein Bruder trösten ? Grad hab ich Maß gnommen . Dös kleine Schluckerl braucht keine langen Bretter . « » Jesus ! « stammelte Mali erblassend . Sie ließ ihr Bündel fallen und rannte ins Haus . Graues Zwielicht lag in der Stube . Die anstoßende Kammer stand offen , und der Kerzenschein , der aus der Tür fiel , beleuchtete den Bauer ; er saß neben dem Tisch auf der Holzbank , die Fäuste über den Knien . Langsam hob er das entstellte Gesicht . » Du ? So ? Bist da ? « Der unerwartete Anblick der Schwester rüttelte ihn nicht auf aus seinem dumpfen Schmerz . Er deutete mit dem Arm gegen die Kammer . » Schau , was da drinliegt ! Wo mein Fuß hintritt , wachst kein Halmerl nimmer . Da geht alles z ' Grund ! « Es wurde immer dunkler in der Stube , und immer heller strahlten in der Kammer die kleinen tanzenden Kerzenflammen . Die ganze Nacht hindurch , bis zum Morgen , wachten die Geschwister miteinander . Am zweiten Nachmittage kam der Geistliche mit dem Mesner . Eine Viertelstunde später war alles erledigt . Die paar Nachbarsleute , die dem kleinen Sarg das Geleit gegeben hatten , wurden von Mali zum » Gsturitrunk « geladen ; er wurde beim Seewirt in der Schifferschwemme abgehalten ; es gab Bier und Branntwein , Brot und Käse . Die » Schmausleut « nahmen nur einen der Tische ein ; an den anderen Tischen saßen die zechenden Schiffer und Holzknechte , die bei Zitherklang und vollen Krügen sich wenig um den Tod bekümmerten , der in der stillen Ecke nach alter Sitte begossen wurden . Aber je tiefer der Abend sank , je mehr der Pfeifenqualm die trübe Hängelampe verschleierte , desto lebendiger wurde es auch am » Gsturitisch « : die Männer sprachen vom Viehhandel , die Weiber erinnerten sich der schönen » Grafenleich « vom vergangenen Herbste . » Ja , wann so a Graf stirbt , der hat ' s gut ! « Wortlos saß der Bruckner in diesem heiter werdenden Lärm und leerte ein Glas ums andere . Immer sorgenvoller betrachtete ihn die Schwester . Als die paar Stunden , die man schicklicherweise am » Gsturitisch « verbringen mußte , endlich vorüber waren , flüsterte sie ihm zu : » Komm , Lenzi , geh mit heim ! « Er schob sie mit dem Ellbogen von sich . » Ich muß aufgießen , oder es bringt mich um . « » Lenzi ! Sei gscheit ! Komm mit heim zu deine Kinder ! « » Laß mich