, durch die Schuld seiner leiblichen Mutter in den Besitz des ganzen von seinem Vater erworbenen Vermögens gebracht , während er selbst ein Bettler geworden . Cornelia dagegen , deren schönklingender Name einst den einfältigen Albertus so bestochen hatte , vermählte sich unverzüglich mit dem Piraten , dessen mangelhafte und rauhe Sitten sie nicht abschreckten . Um den unglücklichen Albertus auch nach Verbüßung seiner Strafe noch weiter quälen zu können , beredete sie ihren Mann , ihn um Gottes willen in das Haus aufzunehmen , was auch geschah . Er mußte nun die Arbeit eines Knechtes oder eher einer Magd verrichten ; denn er besaß zunächst nicht einen Pfennig , mit welchem er hätte verreisen oder ein Geschäft beginnen können , und war daher genötigt , sich allem zu unterziehen . Unkraut jäten , Salat putzen , Wasser tragen ärgerten ihn weniger als das Einrichten jener Wasserleitung und das Aufhängen der Wäsche , zu welchem ihn die Madame Cornelia Zwiehan regelmäßig mit boshaftem Lächeln anhielt . Eine Abwechslung gewährte ihm das Abschreiben der Familienchronik , welche im Besitze einer alten Frau von Zwiehanischer Abstammung war und dem Hieronymus Zwiehan geliehen wurde . Dieser , als der letzte nun legitime Stammhalter des früher nicht unbedeutenden Geschlechtes , wollte sich auf dem Wege der Abschrift seiner Vorfahren versichern , da die eigensinnige Alte das Dokument nicht abtrat . Er selbst verstand nicht deutsch zu schreiben , und die Cornelia , die sich ganz einem bequemen Wohlsein ergeben , weigerte sich , die Kopie anzufertigen . Durch das Abschreiben lernte Albertus erst Ansehen und Würde der Familie kennen , aus welcher er abstammte und nun verstoßen war ; denn nicht einmal seine Eigenschaft als illegitimer Abkömmling konnte er beweisen , weil hiefür nicht eine einzige Urkunde mehr vorhanden war . Durch die Unterdrückung seines wahren Familienstandes hatte der arme Tor sich selbst heimatlos gemacht , und die Ähnlichkeit mit seinem Vater , welche hingereicht , ihm das Erbe zu rauben , wurde nicht für genügend erachtet , ihm Namen und Bürgerrecht des Vaters zu verschaffen , weil hierüber kein Spruch und keine Notiz vorhanden war . Um wenigstens eine Spur von seinem Dasein zu hinterlassen , schrieb er heimlich sein Schicksal in das Original der Aufzeichnungen hinein , wozu eine Reihe leergebliebener Blätter genügenden Raum bot , und brachte das Buch nach beendigter Arbeit sofort jener Alten zurück . Sie las die eingeschaltete Geschichte mit aller Teilnahme , besonders da sie den neuen Stammhalter nicht leiden konnte , und als Albertus Zwiehan bald darauf aus Verdruß über den Verlust seines Daseins , ja seiner Person und Identität krank wurde und starb , ließ sie ihm einen Grabstein setzen und schrieb in die Chronik , mit ihm sei der letzte wirkliche Zwiehan begraben worden , und was allfällig in Zukunft noch unter diesem Namen herumlaufen werde , sei die Abkommenschaft eines landstreicherischen fremden Seeräubers . Es war eine warme Sommernacht , als ich mich dazumal über die Kirchhofmauer schwang und den Schädel , den ich mir bei Anlaß eines Leichenbegängnisses gemerkt , abholte . Er lag in einem hohen grünen Unkraut , die Kinnlade daneben , und war inwendig von einem schwachen bläulichen Lichte erhellt , das leise durch die Augenhöhlen drang , wie wenn das leere Kopfhäuschen des Albertus Zwiehan , insofern es wirklich das seinige gewesen , noch von nichtigen Traumgeistern bewohnt wäre . Zwei Glühwürmchen saßen nämlich darin , vielleicht in Hochzeitsgeschäften ; ich nahm jedoch an , es seien die Seelen der Cornelia und der Afra , und steckte sie zu Hause in ein Fläschlein mit Weingeist , um ihnen endlich den Garaus zu machen ; denn ich glaubte fest , auch die fromme Afra habe den unhaltbaren Menschen absichtlich mit ihrem Rücken angelockt und irregeführt . Nachdem der Grund des Reisekastens mit dem eingemauerten Totenkopfe dermaßen gelegt war , kam die Mutter heran , um die neue Leibwäsche in gebührlicher Weise hineinzuschichten und mir die solchen Dingen zukommende Sorgfalt einzuprägen . Alles , was sie zum Vorschein brachte , hatte sie selbst gesponnen und weben lassen , eine Anzahl feinere Hemden noch in jungen Jahren ; denn da der Anwachs des Hauses so früh abgebrochen worden , so waren die Vorräte ihres Fleißes zum guten Teile verschont geblieben , und ich nahm auch von diesem wiederum nur einen Teil mit , indessen die Mutter das übrige für meine , wie sie hoffte , rechtzeitige Rückkehr zur Erneuerung bereithielt . Dann kam ein Feiertagskleid , zum ersten Mal in anständigem Schwarz ; galt es ja nun , nicht durch Verletzung der Sitte vom Wege des guten Fortkommens abgedrängt zu werden ; überdies glaubte die Mutter , daß ich durch den Besitz eines Sonntagskleides eher im Zusammenhange mit der göttlichen Weltordnung leben würde , wie sie sich auch nicht vorstellen mochte , daß ich in fremden Ländern einstmals sonn- und werkeltags im gleichen Rocke herumlaufen könnte . Sie wiederholte daher während des Packens die schon oft erteilten Ermahnungen über das Instandhalten der Kleider , wie mit einer einmaligen Vernachlässigung , einem kurzen Mißbrauche schon der frühe Untergang eines Stückes eingeleitet würde und wie wenig ehrenhaft es sei , einen weggelegten Rock später aus Armut doch wieder anziehen zu müssen , anstatt ihn von Anfang an zu schonen und möglichst lang in einem ordentlichen Mittelstande zu erhalten . Hiedurch verschaffe man dem Schicksal genügenden Spielraum , sich zu wenden , während beim schnellen Ruinieren eines Kleides ja gar nichts Rechtes vorgehen könne , eh es abgetragen und verlöchert sei . Nachdem endlich die übrigen Gewandstücke sowie die Ausstattung an kurzer Ware hineingebreitet und allerlei Wertlosigkeiten des ärmlichen Bedürfnisses dazwischengesteckt worden , schlossen wir den Koffer , und ein Mann schaffte die kleine Arche zur Post , mit welcher ich am nächsten Morgen abreisen sollte . Mit Schreck blickte die Mutter , die sich gesetzt hatte , auf den leeren Fleck des Stubenbodens , auf welchem der Kasten den ganzen Tag gestanden ; auch die Mappen waren schon weggetragen und somit von allem