Zeit , eine ganz kurze Zeit , ohne alle andere Gesellschaft an der Seite der Frau Baronin zu leben ! bat der Geistliche dringend . Hören Sie ihre Geständnisse mit dem Glauben an ihre reine Seele an ! Glauben Sie auch mir , auch mir , dem sein Beruf nicht heiliger ist , als Ihre Ehre , Herr Baron , daß es die gewissenhafte Aengstlichkeit eines unschuldigen , aber irregeleiteten Herzens war , die sich vor Ihnen , durch Ihren Zorn gereizt , zu einer Untreue bekannte , welche nichts , nichts als eine flüchtige , durch fremde Schuld erregte Gedankensünde war ! Hören Sie sonst Niemanden , fragen Sie Niemanden um Rath , als Ihre eigene Menschenkenntniß , als Ihr eigenes Herz ; und Sie werden nicht lange an der Mutter Ihres Sohnes zweifeln , Sie werden den Stein nicht werfen können auf eine Frau , die , rein und edel , nur Ihres Glaubens und Ihrer Liebe nöthig hat , um wieder fest und unwandelbar zu Ihnen zu stehen in guten und bösen Tagen ! Der Freiherr hatte wieder auf dem Sessel Platz genommen , aber er erwiederte dem Geistlichen nichts . So blieben sie lange einander gegenüber sitzen . Als die Glocke der großen Pendeluhr auf dem Simse des Kamins die siebente Stunde schlug , richtete der Baron sich auf . Ich danke Ihnen , sagte er , daß Sie Ihrem Gewissen , Ihrer Ueberzeugung folgten . Sie haben Ihre Pflicht gegen mich , Sie haben überhaupt in edelster Weise Ihre Pflicht erfüllt . Denn wie peinvoll mir diese Unterredung auch gewesen ist , hat sie mir doch wohlgethan und mich veranlaßt , unerbittlich gegen mich selbst , noch einmal in mein Inneres zu blicken . Ich danke Ihnen dafür , mein theurer Caplan . - Er reichte ihm die Hand , der Geistliche ergriff dieselbe mit Wärme ; die Haltung , die Redeweise des Freiherrn schienen ihm Gutes zu verkünden , und doch hatte er sich , so sicher er ihn zu kennen meinte , zum ersten Male über dasjenige getäuscht , was in dem Freiherrn vorging . Aber er sollte nicht lange im Dunkeln bleiben , denn Jener fing von selber zu sprechen an . Wir beide , mein Freund , Sie und ich , sind eben verschieden geartete Menschen , und Sie kennen meinen Glauben in diesen Dingen , wir müssen unserer Naturbestimmung folgen . Sie hätte Ihr Charakter , in welchem Stande Sie auch geboren worden wären , zur Kirche und innerhalb derselben zur Entsagung und zu ausgleichender Vermittlung geführt ; ich hätte unter allen Verhältnissen nicht entsagen , mich nicht bescheiden , nicht vermitteln können . Ich verlange nach einer Ganzheit , nach einem vollen Genügen ; ich kann nicht vermitteln zwischen Recht und Unrecht , ich bin absolut - und muß und will das bleiben nach allen Seiten und in jeglichem Betracht ! Er erhob sich bei den Worten und stellte sich , den Arm auf die hohe Brüstung gelehnt , sei es zufällig oder absichtlich , in solcher Weise neben dem Kamine hin , daß er von Zeit zu Zeit seines eigenen Antlitzes in dem hellen Spiegelglase ansichtig werden mußte . Als ich mich mit der Baronin verband , war ich kein Jüngling und kein Schwärmer mehr , sagte er . Wäre ich meiner Neigung , meiner innersten Ueberzeugung gefolgt , so würde ich mich niemals verheirathet haben , denn darüber habe ich mich nie getäuscht , die arme Pauline , an die ein dämonisches Geschick mich band - und heute noch bindet - ist , wie ich es mir später auch wegläugnen wollte , die einzige Liebe meines Lebens und das einzige Weib von unabänderlicher Herzenstreue gewesen , das ich je gekannt habe . Das Geschlecht ist schwach ! Aber , Herr Baron ! wendete der Geistliche mit wachsendem Erstaunen ein . Indeß der Freiherr ließ ihn nicht zu Worte kommen . Kein Aber , mein Freund ! rief er ; Sie sollen mich bis zu Ende hören , damit wir über diesen Gegenstand ein Mal und ein für alle Mal in das Klare und zu Ende kommen . - Als ich mich aus Standesrücksichten , aus Rücksicht auf das Fortbestehen meines Hauses dann zur Ehe entschloß , wünschte ich in der Baronin eine Mutter für meine Kinder , eine Frau für mein Haus zu finden , und ich würde zufrieden gewesen sein , hätte sie mir nur ein achtungsvolles Vertrauen mitgebracht . Die Baronin glaubte mich zu lieben , obschon sie , wie sie es mir ja selbst in Ihrem Beisein einst gestanden , Anfangs ein lebhaftes Abmahnen gegen mich gefühlt hat , und da diese anscheinende Liebe nach dem schmerzlichen Zwiespalte , in welchen der Untergang der armen Pauline mich geworfen , die Neigung der Baronin nicht von mir wandte , so nahm ich die Liebe meiner Frau dankbaren und vertrauensvollen Herzens auf und schätzte sie um so höher , als ich - bemerken Sie das wohl , mein Freund - diese Liebe nicht erwartet , nicht gefordert hatte . Ich genoß sie als eine frei gewährte Gunst , und ich habe auch den Uebertritt zu unserer Kirche nie von meiner Frau begehrt ; ich habe es nicht verlangt , daß sie um meinetwillen mit ihrem ganzen Hause breche - ich bin , Sie wissen das ja selbst , nicht orthodox und eigentlich nicht einmal kirchlich . Was ich mit mir , mit meinen Erinnerungen abzumachen hatte , das würde ich allein oder mit Ihrem Beistande in meinem Herzen abgeschlossen und zu versöhnen getrachtet haben . Ich bedurfte der sichtbaren Versöhnung , der Buße , der Opfer , der Auferbauung nicht . Sie selber legen ja auch , wie Sie mir heute bewiesen , nicht grade den höchsten Werth darauf . Der Uebertritt der Baronin zu unserer Kirche war ihr ein Bedürfniß ; der Kirchenbau und obenein der Bau in Rothenfeld , das ich gern meide , war aber ein selbst in materieller Hinsicht sehr schweres Zugeständniß