wenige Gäste hier und da zerstreut , kleine Gruppen von drei und vier Personen - Leute von zum Theil wunderlichem Aussehen , Männer in schäbiger , manchmal phantastischer Kleidung mit verwüsteten , interessanten Gesichtern , aus denen die Augen bald in Leidenschaft aufblitzen , bald stumpfsinnig in ' s Leere starrten - seltsame Gestalten , die , ohne daß sie den Mund öffneten , dem kundigen Auge lange Geschichten erzählten von stolzen Plänen und kindischen Thaten , von großen Talenten und noch größerer Lüderlichkeit , hohem Stolz und tiefer Schande , sinnloser Schwelgerei und nagendem Hunger , von unerhörten Anstrengungen eines Fleißes , der zu dem Schicksal des Sisyphus , und eines Ehrgeizes , der zu den Qualen des Tantalus verurtheilt ist , bis Fleiß und Ehrgeiz und jede Tugend , ja , jede Regung in dem Sumpfe apathischer Gleichgültigkeit versinkt . Doch auch diese Gruppen lösten sich allmählig auf ; eine Flamme nach der andern wurde von den armen Mädchen ausgelöscht , die schon seit einer Stunde hier und da in der Ecken , mit den hübschen Köpfen auf den runden Armen , geschlafen hatten , und zuletzt war Niemand mehr da , als Herr Schmenckel , der auf einem der Sophas schnarchte , und zwei andere Herren , welche mit der Wirthin des Locals an einem runden Tischchen bei einer Flasche Champagner saßen . Der eine dieser Herren war Albert Timm , der andere ein Mann in mittleren Jahren , der erst vor einer Stunde etwa gekommen und von Frau Rosalie Herrn Timm als der Bruder seines Grünwalder Wirthes , Herr Jeremias Gutherz , vorgestellt worden war , und den Albert seiner Kleidung und seinem ganzen Aussehen nach für einen kleinen Bürger in nicht unebnen Verhältnissen gehalten haben würde , für eine Gewürzkrämer vielleicht , oder Tabakshändler , wenn nicht in den schmalen , von dichten Brauen überschatteten Augen ein Etwas gelegen hätte , das anzudeuten schien : die Beschäftigung des Herrn sie keine ganz so harmlose , zum mindesten nicht immer eine so harmlose gewesen . Die drei Personen hatten eine sehr eifrige Unterredung geführt deren Resultat Albert jetzt zusammenfaßte . Es handelt sich also um zweierlei , sagte er ; einmal , uns einen Einblick in die Taufregister der St. Marienkirche , oder noch besser , eine vidimirte Abschrift des Taufzeugnisses zu verschaffen , zweitens um die Auffindung der Hauptperson in dieser Komödie , ich meine des Herrn Oswald Stein . Woraus wissen Sie denn aber , daß er sich hierher wenden wird ? fragte der Mann mit den seltsamen Augen . Ich vermuthe es nur . Er schrieb mir vor acht Tagen aus Paris : er könne sich dort nicht mehr halten und müsse suchen , der Heimath näher zu kommen , so lange er die Reise noch bezahlen könne . Mir scheint es unzweifelhaft , daß er sich hierher gewandt hat , oder wenden wird , wo er , wie ich von ihm selbst weiß , schon als Student literarische Verbindungen der verschiedensten Art angeknüpft hatte und deshalb noch am leichtesten hoffen darf , für sich und seine Holde Subsistenzmittel herbeizuschaffen . Nur glaube ich nicht , daß er unter seinem wahren Namen auftreten wird , um sich nicht etwaigen unangenehmen Begegnungen mit den Verwandten der Frau von Cloten , die ihm , wie ich weiß , überall nachspüren und ihn hier sicher sehr bald entdecken würden , auszusetzen . Die Erledigung dieses Punktes überlassen Sie meinem Freunde hier ; sagte Frau Rosalie , dem Herrn mit den sonderbaren Augen die Hand vertraulich auf den Kopf legend ; und nun , Ihr Herren , glaube ich , ist es Zeit , daß wir uns trennen . Morgen ist auch wieder ein Tag . - Ja , aber was fangen wir denn mit dem dicken Kerl da auf dem Sopha an , der heute für zwölf getrunken hat ? Wir werden ihn nach Hause bringen müssen , wenn Sie , schöne Frau , nicht ein Plätzchen für ihn in Bereitschaft haben ; erwiderte Albert mit einem bezeichnenden Blick . Sie Schäker ! sagte die Dame , Albert in die Wangen kneipend ; ich werde Ihnen das lose Maul stopfen . Aber hoffentlich doch nur mit einem Kusse ! Sie loser Vogel ! rief die Frau und schien nicht übel Lust zu haben , das Mittel in Anwendung zu bringen . Albert wandte sich plötzlich zu Herrn Schmenckel und fing an , ihn erst schwächer , dann stärker und zuletzt aus allen Leibeskräften zu schütteln . Uff , lallte der Riese im Schlaf ; laßt mich los , ich will schon mit dem Bub ' fertig werden . Was will er ? sagte der Herr mit den sonderbaren Augen . O , er schwatzt im Schlaf , sagte Albert ; geben Sie mir einmal ein Glas Wasser , Elischen , ich glaube , das wird ihn am ersten zu sich bringen . Endlich stand der Koloß aufrecht da , und man gelangte , wenn auch nicht ohne einige Mühe , die Kellertreppe hinauf , auf die Straße . Die Nacht war sehr finster , kein Stern am Himmel sichtbar . Der Wind wehte in klagenden Stößen durch die öden Gassen und drohte die flackernden Gaslichter ebenfalls auszulöschen . Herr Schmenckel kam in der frischen Luft wenigstens so weit zu sich , daß er seine Begleiter zärtlich umarmte , ihnen ewige Freundschaft schwur und jeder hunderttausend Silberrubel versprach , sobald es sich aus sicher herausgestellt , daß der Fürst Waldernberg , den er heut ' Unter den Akazien durchgeprügelt , wirklich sein Sohn sei . So kamen sie an das Haus und schließlich auch in das Stübchen des Hintergebäudes , in welchem Herr Schmenckel seine Wohnung aufgeschlagen . Der Riese taumelte auf sein dürftiges Lager ; und seine beiden Begleiter entfernten sich , nachdem Herr Jeremias mit einer Blendlaterne die er zu Timms nicht geringer Verwunderung aus der Tasche zog , in alle Winkel des Zimmers geleuchtet , wo sonderbare Geräthschäften : eiserne Kugeln , Reifen von