gleich sein Angesicht ebenfalls nicht jenen schönen und einfachen Angesichtern auf den Steinen meines Vaters glich , die besonders edel und merkwürdig aus den Helmen heraus sahen , so war es ihnen doch näher als alle andern , welche ich jetzt zu erblicken Gelegenheit hatte , und war überhaupt so schön , wie es selten einen Kopf eines Knaben geben wird , der eben in das Jünglingsalter übertritt . Wenn der Ausdruck der Mienen der Jünglinge unserer Stadt sehr oft darauf hinwies , daß ihr Geist verzogen worden sein mag , wenn sie etwas Weichliches oder etwas zu sehr Herausforderndes oder etwas hatten , das schon über ihre Jahre hinausging , ohne doch Kraft zu zeigen : so war Gustavs Antlitz so kräftig , daß es vor Gesundheit zu schwellen schien , es war so einfach , daß es gleichsam keinen Wunsch , keine Sorge , kein Leiden , keine Bewegung aussprach , und doch war es wieder so weich und gütig , daß man , wenn der feurige Blick nicht gewesen wäre , in das Angesicht eines Mädchens zu blicken geglaubt haben würde . Ich zeichnete und malte meine Köpfe jetzt anders als noch kurz vorher . Wenn ich früher , vorzüglich bei Beginne dieser meiner Beschäftigung , nur auf Richtigkeit der äußeren Linien sah , so weit ich dieselbe darzustellen vermochte , und wenn ich nur die Farben annäherungsweise zu erringen im Stande war , so glaubte ich mein Ziel erreicht zu haben : jetzt sah ich aber auf den Ausdruck , gleichsam , wenn ich das Wort gebrauchen darf , auf die Seele , welche durch die Linien und die Farben dargestellt wird . Seit ich die Marmorgestalt in dem Hause meines Gastfreundes so lieben gelernt hatte und in die Bilder mich vertiefte , welche ich in dem Rosenhause getroffen hatte und in dem Hause meines Vaters vorfand , war alles anders als früher , ich suchte und haschte nach irgend einem Innern , nach irgend etwas , das weit außer dem Bereiche von Linien und Farben lag , das größer war als diese Dinge , und doch durch sie darzustellen sein mußte . Einen Kopf so zu zeichnen oder gar zu malen , wie ich jetzt wollte , war viel schwerer , als wie ich früher anstrebte , es war , ohne einen Vergleich zuzulassen , schwerer ; aber es war nicht zu umgehen , wenn man überhaupt die Sache machen wollte , es war dichten , wenn ein Dichtungswerk geliefert sein sollte . Ich stellte meine Aufgabe kleiner , ich suchte die Züge auf einem bescheidenen Raume zu entwerfen , und begnügte mich mit den Andeutungen in Zeichnung und Farben , wenn nur ein Inneres zu sprechen begann , ohne daß ich darauf beharrte , daß aus dem Begonnenen ein ausgeführtes Bild werden sollte , was nicht selten , wenn ich es versuchte , das Innere wieder vertilgte und das Gemälde seelenlos machte . Mein Vater wurde der Richter , und war jetzt ein strenger , während er früher alles einfach hatte gelten lassen , was ich unternahm . Er pflegte zu sagen , das , was ich jetzt vor Augen habe , sei das Künstlerische , mein Früheres sei ein Vergnügen gewesen . Ich nahm häufig , wenn ich nicht in das Reine kommen konnte , zu den Bildern meine Zuflucht , und suchte zu ergründen , wie es dieser und jener gemacht habe , um zu dem Ausdrucke zu gelangen , den er darstellte . Mein Vater sagte , das sei der geschichtliche Weg der Kunst , man könne ihn verfolgen , wenn man große Bildersammlungen besuche , und wenn die Werke ohne große Lücken da sind , um sie vergleichen zu können . Das sei auch außer der genauesten Betrachtung der Natur und der Liebe zu ihr der Weg , auf dem die Kunst wachse , und auf dem sie bei den verschiedenen Anfängen , die sie in verschiedenen Zeiten und Räumen gehabt habe , gewachsen ist , bis sie wieder versank oder zerstört wurde , um wieder zu beginnen , und zu versuchen , ob sie steigen könne . Wo der bare Hochmut auftritt , der alles Gewesene verwirft und aus sich schaffen will , dort ist es mit der Kunst wie auch mit andern Dingen in dieser Welt aus , und man wirft sich in das bloße Leere . Außer dem Zeichnungsunterrichte setzte ich mit der Schwester auch die Übungen in der spanischen Sprache und im Zitherspiele fort . Sie war ohnehin von Kindheit an geneigt gewesen , alles , was ich tat , ein wenig nachzuahmen , und ich hatte immer die Lust gehabt , ihr Führer zu werden . Dies blieb jetzt zum Teile auch so fort . Der Unterricht , welchen mir mein Freund , der Sohn des Juwelenhändlers , in der Edelsteinkunde gegeben hatte , wurde wieder aufgenommen und fortgesetzt . Da wir auch außerdem in manchen Stunden einen freundlichen Umgang mit einander pflegten , so nahm ich mir eines Tages , obwohl es mir stets schwer wird , jemanden über seinen ihm eigentümlichen Beruf etwas zu sagen , doch den Mut , ihn meine Gedanken über die Fassung der Edelsteine wissen zu lassen , wie ich nämlich glaube , daß es nicht richtig sei , wenn die Edelsteine von der Fassung erdrückt würden ; daß ich es aber auch für nicht richtig halte , wenn sie keine andere Fassung hätten , als die sie brauchten , um an dem Kleidungsstücke mit dem Halt , den sie benötigen , befestigt werden zu können ; und daß daher der Mittelweg sich darbiete , daß die Schönheit des Steines durch die Schönheit der Gestaltgebung vergrößert werde , wodurch es sich möglich mache , daß der an sich so kostbare Stoff das Kostbarste würde , nämlich ein Kunstwerk . Ich wies hiebei auf die Gestaltungen hin , welche die Kunst des Mittelalters hege , und aus denen geschöpft und weiter fortgeschritten werden könne . » Du hast im Grunde